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Armut für viele, Reichtum für wenige

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      Schwester Felicitas lebt schon 53 Jahre in Brasilien. Aus dem schwäbischen Biberach ging sie in ein Kloster des Gertrudenordens, der 1903 aus Tutzing am Starnberger See nach Olinda kam, ganz im Nordosten des riesigen Landes in direkter Nachbarschaft zur Provinzhauptstadt Recife. Schwester Felicitas, die in diesem Jahr 77 Jahre alt wird, freut sich, dass Horst Köhler auch diese arme Region bereist. Aber ein bisschen Wehmut klingt an, wenn sie sagt: "Schade, dass der Bundespräsident nicht zu uns kommen konnte."

      Das war ursprünglich vorgesehen. Die Benediktinerschwestern hätten ihm berichten können von den großen Problemen im Land. Sie leisten Erziehungsarbeit, unterhalten Schulen, Kindergärten, ein Krankenhaus, kümmern sich um Straßenkinder. Sie sehen klar, was im Land geschieht und was nicht. Sie sehen die Korruption, den großen Reichtum der wenigen und die große Armut der vielen, die hohe Kriminalität und die sozialen Spannungen. Das ist in allen drei Ländern so, die der Bundespräsident in elf Tagen bis Donnerstag bereist hat, in Paraguay, Brasilien und Kolumbien.

      Armutsbekämpfung und soziale Verantwortung der Unternehmer, ein verlässlicher Rechtsstaat, das sind die Themen, die sich Köhler für diese Reise vorgegeben hat. Trotz positiver Ansätze sieht er in der weit auseinander klaffenden Einkommensschere ein großes Hemmnis für die Entwicklung und den sozialen Zusammenhalt. Hinzu kam das Umweltthema. Im Amazonasgebiet, wo Raubbau den Regenwald bedroht, zeigt Köhler, wie ihn die Sorge um die katastrophalen Folgen des Klimawandels umtreibt. Die Themen verbinden sich. Wenn die Verbraucher in den Industrieländer immer nur billig einkaufen wollen, fördern sie letztlich die Zerstörung der Umwelt und die Ausbeutung von Menschen in den Entwicklungs- und Schwellenländern.

      Die Reise durch den Subkontinent, dessen Probleme Köhler aus seiner Zeit als Chef des Internationalen Währungsfonds (IWF) kennt, zeichnet ein anderes Bild des Bundespräsidenten. Wenn er zu Hause von Kritikern als Neoliberaler wahrgenommen wird, ärgert ihn das. Köhler will Regeln für die Globalisierung. Politische Stabilität könne es nur geben, wenn alle Bevölkerungsgruppen vom Wirtschaftswachstum profitierten, sagt er immer wieder.

      In allen drei Ländern spricht Köhler mit Unternehmern und besucht Unternehmen, die ihrer sozialen Verantwortung nachkommen. Im noblen Jockey Club in Bogotá sagt einer offen: "Wir haben keine erfolgreiche Gesellschaft mit einem armen Volk, wenn die Grundbedürfnisse nicht gedeckt werden." Aber sind das womöglich nur Potemkinsche Dörfer, wie Köhler beim Besuch des in Armenvierteln gelegenen Kulturzentrums Nascedouro in Recife entgegengehalten wird? Die Firmen sind ausgewählt, zu den Veranstaltungen kommen die "Guten". Wie groß ist deren Anteil und wie viele Unternehmen gibt es, die soziale Verantwortung nicht kümmert? Diese auch von Köhler gestellte Frage bleibt unbeantwortet.

      Dass Rechtsstaatlichkeit die Voraussetzung für wirtschaftliche Prosperität und Stabilität ist, hebt Köhler mehrfach hervor. Und er beklagt die Straflosigkeit für Verbrechen der Vergangenheit. Deutlich wird das gleich zu Beginn der Reise, als Köhler in Asunción Vertreter der Wahrheits- und Gerechtigkeitskommission und Opfer der Stroessner-Diktatur trifft, dessen Partei immer noch regiert. Bei einem anschließenden Gespräch mit Juristen kommt keiner auf die Vergangenheit zu sprechen.

      Amnesty International berichtet von Menschenrechtsverletzungen und unzulänglichen Rechtssystemen in allen drei Ländern. In Kolumbien gibt es weiterhin rechtsfreie Räume, wo Paramilitärs und die Guerilla ihre eigenen Gesetze haben. Großgrundbesitzer, sagt in Brasilien der Vertreter einer Nicht-Regierungsorganisation, können nach Gutdünken schalten und walten und auch missliebige Leute umbringen lassen.

      In Bogotá besucht Köhler den Obersten Gerichtshof. An der Stirnwand des Plenarsaals erinnert ein von Brandspuren gezeichnetes Kruzifix an einen Anschlag. Einer der obersten Richter, der im Gegensatz zu seinen Kollegen offen die immer noch bestehenden Probleme mit der Rechtsprechung einräumt, beschreibt das so: "Der Zweig der Judikative konnte so gut brennen, weil es ein trockener Zweig war."


      http://www.wiesbadener-kurier.de/pol...kel_id=2751843

    • #2
      der Titel "Armut für Viele - Reichtum für Wenige" stimmt genauso wie die Behauptung: "Ignoranz für Viele - Kultur für Wenige" ... Kultur, ein rel. anständiges Einkommen, ein Leben in Dignidade ist mit viel Schweiss, Einsatz, Planung und Schlauheit verbunden, das ist wirklich nicht Jedermans Sache!!! Besonders unter der armen Bevölkerung Lateinamerikas!

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