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Erfahrungen einer deutschen Ordensschwester in Brasilien mit der Eucharistiefeier

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      ROM, 22. März 2007 - Wir veröffentlichen ein persönliches Zeugnis der ZENIT-Leserin Schwester Hildegardis Nassen OSB, Missionsbenediktinerin aus Tutzing, über die Heilige Messe. Die Ordensschwester lebt und wirkt seit dem 18. März 1964 in Brasilien.



      * * *


      1964 kam ich als Missionsbenediktinerin hierher, in den Nordosten Brasiliens. Das Zweite Vatikanische Konzil war noch nicht zu Ende, aber es hatte schon seine Auswirkungen hier in Brasilien. Wenige Tage nach meiner Ankunft wurde Dom Helder Câmara in sein Amt als neuer Erzbischof von Olinda e Recife eingeführt. Wir Schwestern gingen zum festlichen Gottesdienst in die Kathedrale, die nahe bei unserm Prioratshaus liegt. Da wurden erstmals Lieder in der portugiesischen Landessprache gesungen; die Melodien waren die der Psalmen von Gelineau, es gab noch keine einheimischen Kompositionen in der Landessprache. „Der Herr ist mein Hirt“ – ich kannte es schon auf Französisch, von den Studentenwallfahrten nach Chartres, und war beglückt, es nun auf Portugiesisch zu hören.

      Bald gab es die „Pastoralblätter“ – Lieder für den Gottesdienst auf Portugiesisch, in Anlehnung an die lateinischen Texte. Es war eine große Freude für die Gläubigen, die nun aktiv teilnehmen konnten. Früher hatten sie während der Heiligen Messe gewöhnlich den Rosenkranz gebetet.

      1972 kam dann das erneuerte Messbuch heraus. Besonders hat es mich gefreut, dass das Wort Gottes mehr betont wurde und wird. Welch ein Reichtum! Als Schülerin hatte ich noch gelernt, dass man, um die Sonntagspflicht zu erfüllen, bei der Opferung anwesend sein müsse. Der Wortgottesdienst wurde als „Vormesse“ bezeichnet, also das Wort Gottes nicht eben ernst genommen. Übrigens ist mir schon aufgefallen, dass in Deutschland am Sonntag öfters nur eine Lesung vor dem Evangelium vorgetragen wird. Das habe ich hier noch nie erlebt. Mir scheint, die Bibel wird hier viel höher geschätzt und eifriger gelesen als im Lande Luthers. Bei besonderen Anlässen wird die Heilige Schrift in Prozession in die Kirche getragen, während die Gläubigen das Wort Gottes mit einem begeisterten Lied begrüßen, denn es bedeutet die Gegenwart des Herrn unter seinem Volk.

      Auch dass der Priester zum Volk gewendet die Eucharistie feiert, hat für mich einen tiefen Sinn. Er gibt so den Blick frei auf den Altar, der auch ein Symbol für Christus ist – deshalb wird er zu Beginn der Feier mit einem Kuss verehrt. Auch die eucharistischen Gaben haben schon vor der Wandlung ihre tiefe Bedeutung. Sie sind Zeichen unseres Lebens und unserer Arbeit, wie es die Begleittexte bei der Gabenbereitung ausdrücken, und Zeichen unserer Einheit: Viele Körner geben ein Brot, viele Trauben den einen Wein.

      Hier in Brasilien haben wir eine Besonderheit, die ich sonst nirgendwo kennen gelernt habe. Außer dem Zuruf nach der Wandlung: „Deinen Tod, o Herr...“ haben wir noch mehrere andere Zurufe während des Eucharistischen Hochgebetes, was sehr dazu beiträgt, die Aufmerksamkeit zu wahren. Sie werden häufig auch gesungen. Das „Amen“ am Schluss wird oft in erweiteter Form gesungen: „Amen, Lob und Preis dem Vater, der uns in Christus erlöst hat.“ Das Vaterunser wird von allen mit erhobenen Armen gebetet oder gesungen. Auch der Friedensgruß ist fast selbstverständlich. Wir beten ja nicht nur mit dem Verstand oder mit der Stimme, sondern der ganze Körper ist einbezogen. Das alles trägt dazu bei, dass die Feier der Eucharistie wirklich ein Fest ist, zu dem der Vater seine Kinder einlädt.

      Drei Jahre lang lebte ich in einer Pfarrei ohne residierenden Priester, tief im Inneren des riesigen Landes. Wir hatten nur einmal im Monat den Priester für eine Woche da. Dann wurde täglich die Eucharistie gefeiert, und wir begleiteten den Pfarrer bei seinem Gang zu den vielen Außenstationen, die er besuchen musste. Der Verzicht auf die tägliche Eucharistiefeier, sogar öfters am Sonntag, war schon ein großes Opfer für mich, aber es wurde in Solidarität mit den Menschen in dieser abgelegenen Gegend angenommen. Durch unsere Anwesenheit konnten sie wenigstens die Kommunion empfangen, denn es gab noch keine Kommunionhelfer unter ihnen.

      Nach dieser Erfahrung fällt es mir schwer zu begreifen, warum in Deutschland so wenige Menschen zur Kirche gehen. Selbst am Werktag hätten doch viele Leute, die schon im Ruhestand leben, Zeit dafür. Hier sind die Kirchen am Sonntag voll, allerdings sind natürlich die Pfarreien auch bedeutend größer. Aber ich muss auch sagen, dass Verwandte oder Bekannte aus Deutschland, die uns Schwestern hier in Brasilien besuchen, meist sehr angetan sind von den Gottesdiensten hier und gern mittun. Es ist nun einmal so, bei unserer menschlichen Schwäche: Wir wollen auch gefühlsmäßig angesprochen werden. Es geht dabei nicht darum, wie unser Papst betont, eigene Ideen einzubringen, sonder die Eucharistie mit Andacht und tiefem Glauben zu feiern, so wie er es tat bei den großen Messen während seines Bayernbesuchs, die ich im Fernsehen verfolgen konnte. So bete ich darum, dass auch in Deutschland die Christen den unermesslichen Wert der Eucharistie wieder mehr erkennen und schätzen lernen.
      http://www.zenit.org/german/visualizza.phtml?sid=104944

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