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Eine Million Kriminelle

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      Meine Freundin ist kriminell. Sie klaut nicht, betrügt nicht und hat noch nie jemanden umgebracht. Das brasilianische Recht sieht das anders. Denn meine Freundin hat abgetrieben. Weil ihr Freund gerade mal 20 Jahre alt und arbeitslos ist. Weil sie oft abends nur das pappige Sandwich zu essen hat, das es gratis in der Schule gibt. Weil ihre kunsthandwerkliche Schmuckproduktion selten genug für zwei hungrige Münder einbringt. Geschweige denn für drei.



      Soziale Indikation gibt es in Brasilien nicht. Wer sich ein (weiteres) Kind nicht leisten kann, hat eben Pech gehabt. Und Kinder sind in Brasilien teuer. Jedenfalls, wenn sie eine Zukunft mit halbwegs ordentlicher Bildungsbasis haben sollen. Deswegen hat sich meine Freundin strafbar gemacht. Hat gespart und gespart und das Medikament Citotec gekauft, mit dem viele weniger finanzstarke Brasilianerinnen abtreiben. Das Medikament ist eigentlich für Nierenleiden gedacht, verursacht meist irgendwie aushaltbare Krämpfe, während es wirkt und beendet ziemlich zuverlässig Schwangerschaften, wenn sie erst ein paar Wochen alt sind. Und es ist illegal. Das macht es teurer, wie jede illegale Droge.



      Am 17. April dieses Jahres ist in Bahia eine achtzehnjährige festgenommen worden, weil sie abgetrieben hat. Bekannte sollen sie angezeigt haben. In der gleichen Woche hat der neue Gesundheitsminister sich für eine Volksabstimmung zum Abtreibungsrecht ausgesprochen. Das letzte Mal war das Thema auf dem Tisch, als Frauenrechtlerinnen für eine Änderung eingetreten sind. Das war in den siebziger Jahren und blieb folgenlos. Der Vorstoß des neuen Gesundheitsministers hatte jetzt schon Folgen. In Fortaleza sind religiöse Massen dagegen auf die Strasse gegangen und haben lauthals protestiert. Nicht, weil sie gegen Abtreibung sind. Das sind sie natürlich auch. Aber auf die Strasse sind sie gegangen, weil sie schon gegen die Abstimmung sind.



      Selten wird Brasilien so scheinheilig, wie wenn es um Abtreibung geht. Dem Gesetz nach ist sie nur zulässig, wenn die Schwangerschaft Folge einer Vergewaltigung ist oder das Leben der Mutter bedroht. Nur dann. Im Extremfall heißt das: Eine Schwangere, deren Kind nach medizinischen Erkenntnissen nicht lebensfähig ist, das also aufgrund physischer Umstände die Geburt nicht überleben wird, ist nach brasilianischem Gesetz trotzdem gezwungen, dieses Kind auszutragen. Solche Fälle hat es tatsächlich gegeben.



      Natürlich treiben Brasilianerinnen trotz des Gesetzes ab. Mehr als eine Million Frauen tun es jedes Jahr illegal. In diskreten Kliniken, wenn sie genug Geld haben. Mit Citotec, wenn sie weniger haben. Oder in irgendwelchen Hinterhöfen, wenn es für das Medikament schon zu spät ist. Das ist es oft. Die öffentliche Gesundheitsversorgung SUS, die für alle Menschen ohne Krankenversicherung zuständig ist, verzeichnet im Gynäkologiebereich an erster Stelle Geburten und an zweiter Ausschabungen – als Folge von Pfuscharbeit. 150.000 Frauen erleiden trotzdem jedes Jahr schwerwiegende und bleibende Folgeschäden von illegalen Abtreibungen oder sterben daran.



      Meine Freundin hat Glück gehabt: Sie hatte nur Krämpfe. Sie hätte bis zu drei Jahren Gefängnis bekommen können, wenn sie jemand verraten hätte.



      Der Senat hat den Antrag des Gesundheitsministers bereits angenommen. Also gibt es echte Chancen für eine Volks-Abstimmung über eine eventuelle Änderung des Abtreibungsrechts. Der erzkatholische Portugal hat in einer ähnlichen Abstimmung Anfang des Jahres die Abtreibung bis zur zehnten Schwangerschaftswoche legalisiert. Ob Brasilien das auch schafft? Erste Meinungsumfragen sagen: 65 Prozent der Befragten haben sich dafür ausgesprochen, das geltende Recht beizubehalten. Das hiesse: weiterhin jedes Jahr eine Million Kriminelle schaffen.
      http://blog.zeit.de/brasilien/2007/0...-kriminelle_71

    • #2
      Das ist nun ...

      ... halt mal weltweit das Dumme mit dem Recht:

      Solange ein Gesetz gilt, ist jeder Verstoss dagegen ein "Rechtsverstoss" und somit ahndungswuerdig.
      Und diese Regelung gilt bis zur letzten Minute, in der das betreffende Gesetz abgeschafft wird.

      Und insofern sind dann Gesetze direkt mit einer Schwangerschaft vergleichbar: sie existieren nicht in der Version "Light"!

      Und wenn es in Europa Holland nicht gaebe, waere der Schwarzmarkt mit vergleichbaren Medikamenten schon vor Jahren selbst in Deutschland schwer am Boomen gewesen!

      Nun ist natuerlich die Frage, in welcher Erzdiazoese die Test-Umfrage fuer den Volksentscheid durchgefuehrt wurde?

      Im Gegensatz zu den Portugiesen haelt sich die Vielzahl der Brasilianer noch daran, was ihnen der erzaehlt, der in der Kirche oder im Tempel vorne steht. Und weil das Bildungsniveau auch noch weit unter dem des Durchschnittsportugiesen liegt, kommen an den Worten des "Vorbeters" nur selten Zweifel auf.

      Ich weiss: Hart aber gerecht!

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      • #3
        krasse Gegensätze....

        machen das bunte Leben in Brasilien aus. Man könnte sich die Haare raufen
        wie dort alles abläuft.... Abtreibung ist verboten und andererseits nimmt die
        Obrigkeit es so einfach hin, dass tagtäglich Menschen "abgeschlachtet" werden
        oder einfach "verrecken" weil es keine vernünftige Gesundheitsvorsorge gibt.
        Was macht der Klerus? Lasst uns für die gestrauchelten Kreaturen beten damit
        sie auf den rechten Weg zurückfinden..... Noch scheinheiliger finde ich das
        Verbot von "oben ohne" am Strand - da hat es in den vergangenen Jahrzehnten
        immer wieder wahnsinnige Polizeiaktionen gegeben.... ebenfalls falsche Moral
        aber sehr medienwirksam wenn die Mädels "blankziehen" und einkassiert werden.
        Cada crianca que nasce no Brasil aumenta a pobresa do pais... das sage ich
        immer und überall.. ich stehe dazu.
        Probleme sind auch keine Lösung

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        • #4
          Ja da

          Zitat gemic
          machen das bunte Leben in Brasilien aus. Man könnte sich die Haare raufen
          wie dort alles abläuft.... Abtreibung ist verboten und andererseits nimmt die
          Obrigkeit es so einfach hin, dass tagtäglich Menschen "abgeschlachtet" werden
          oder einfach "verrecken" weil es keine vernünftige Gesundheitsvorsorge gibt.
          Was macht der Klerus?

          Ja ganz einfach der betet und verbietet weiterhin die Benutzung von Preservativen . Und das andere das " abschlachten" von Menschen ist nicht sein Bier . Die fühlen sich mehr für den Endzustand zuständig . Da hält man den Ball flach

          Zitat gemic
          Noch scheinheiliger finde ich das
          Verbot von "oben ohne" am Strand - da hat es in den vergangenen Jahrzehnten
          immer wieder wahnsinnige Polizeiaktionen gegeben.... ebenfalls falsche Moral

          Ja Brasilien und die Moral da könnte man wenn man wollte ???? Beim Karneval in Rio oder Sao Paulo ist alles erlaubt . Je nackter um so mehr Touristen um so mehr Pulver kommt ins Land . Und ansonsten " oben ohne " als Verbot klar warum nicht . Aber die Arschbacken in der frischen Luft das Kördelchen teilt alles sehr schön . Und die M...... ist ebenfalls nicht nur zu ahnen .
          Wie gesagt Brasilien und die Moral .
          Gäbe noch mehr zu sagen dazu . Aber heute ist erster Mai . Drum Brüder auf zur Sonne .

          Männlein
          Geschmacksache sprach der Affe und biß in das Stück Kernseife
          Irren ist menschlich sagte der Hahn und stieg von der Ente und dann auf den Schwan .

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          • #5
            Zitat von michaelsuico
            Denn meine Freundin hat abgetrieben. Weil ihr Freund gerade mal 20 Jahre alt und arbeitslos ist.
            Du beschreibst nur einen Teil der Geschichte, nämlich warum sie sich nicht in der Lage sah ein Kind zu versorgen.

            Was ist mit der Vorgeschichte, warum hat sie nicht verhütet ? camisinha gibts gratis, aber manche denken erst wenn es passiert ist an die konsequenzen der Beziehung. Ich bin nicht 100% gegen Abtreibung, aber wenn das so einfach werden soll wie Haare färben, dann sehe ich darin schon eine bedenkliche Entwicklung. Ich kannte mal eine Afrikanerin, die hatte in einem Krankenhaus abgetrieben, einen Monat danach war sie schon wieder schwanger, da wurde es sogar denen im Krankenhaus zu bunt, sie solle mal den Kopf benutzen bevor sie Sex hat hies es. Und Recht haben sie.

            Ich bin kein Moralapostel und kann Kirchenheinis prinzipiell nicht ausstehen, aber es sich so einfach zu machen und so bequem abzutreiben wie man einen Kater nach dem Suff mit einem Brausepulver und Aspirin vertreibt, da sollte der Mensch sich wohl besser zum Vogel entwickeln und Eier legen.

            Für die Abtreibung nach der Geburt ist dann ja auch wieder das soziale Umfeld verantwortlich (gangs in der favela etc. ) und Frauen sehen sich sowieso am liebsten als Opfer und haben selbst keine Schuld.

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            • #6
              moment - ER beschreibt leider mal wieder nicht - er hat kopiert... - schade, für eine richtige Diskussion wären eigene Themen besser ...

              Manaus - AM

              Kommentar


              • #7
                Zitat von onca preto
                moment - ER beschreibt leider mal wieder nicht - er hat kopiert... - schade, für eine richtige Diskussion wären eigene Themen besser ...
                Oi!

                Dem Thema und der Diskussion ist es doch egal, ob der Text aus der Feder Michaelsuicos stammt oder aus einem Blog kopiert wurde.
                Er gibt ja die Quelle an, also wo ist das Problem...?

                Ich hoffe, dass der Thread trotz des emotionalen Themas sachlich geführt wird.

                MB
                Ursinho
                Rio de Janeiro ist eine Drecksstadt...

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                • #8
                  Verhüten ? Nicht des Brasilianers/Brasilianerins Ding

                  Weiter oben hat das jemand gut geschrieben, Pseudo ist "patec..."

                  Verhüten ist für viele Leute in Brasil schlicht überflüssig, lästig, ärgerlich etc.
                  Kondome gäbe es gratis, die Pille soviel ich weiss an vielen Orten auch oder sehr billig, aber die haben einfach keine Disziplin das anzuwenden und jeden Tag daran zu denken, das Motto ist: "Jeitinho", irgendwie wirds schon gehen auch wenns dann 10 Kinder sind und alle nur pro Tag einen Teller Feijoada bekommen, was solls, Deus é grande ! Deus é brasileiro

                  PS: natürlich sollten die Brasis endlich Abteibungen erlauben, keine Frage und die scheinheiligen Kirchenfritzen hasse ich auch, aber Selbstverantwortung - nicht des Brasis Ding !

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                  • #9
                    @Tangaras, dem kann ich mich nur voll anschließen.Und wenn 10 Kinder da sind und keiner mehr richtig satt wird dann auf die Regierung schimpfen.

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                    • #10
                      @guandu

                      ...lol.....so isses

                      Na gut, die Brasis haben schon Grund auf Ihre Regierung zu schimpfen, aber für die vielen Kinder, ja da kann der Lula wirklich nix dafür, er macht sie ja nicht selber....!

                      Wenn dann mal zuviele Kinder da sind und die Frau wieder mal einen neuen Freund hat, schmeisst dieser - natürlich mit dem Einverständnis der Frau - zwei, drei Kinder raus, in der Regel die Ältesten oder die welche nix an Geld oder Essen oder Schnaps heimbringen, das sind dann diese Strassenkinder die wir immer sehen, arme Geschöpfe, die wirklich Schuldigen sind die unverantwortlichen Eltern, die Kinder tun mir leid aber das gehört zu Brasilien, da hilft alles nix, das wird sich kaum mal ändern.

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