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    Wenn das Kaffeekochen zur Hürde wird
    ESSLINGEN: Sebastian Rück macht Zivildienst in Brasilien - Als Reisender im Auftrag des interkulturellen Dialogs macht er sich auf einiges gefasst
    Von Eva Wolfangel

    "Das wird alles anders sein", denkt sich Sebastian Rück immer dann, wenn er seinen Gästen im elterlichen Haus in Esslingen einen Kaffee anbietet. Der Weg in die Küche oder das Hervorholen einer Tasse - diese Selbstverständlichkeiten werden für ihn ab August nicht mehr selbstverständlich sein. "In Südamerika ist es überhaupt nicht normal, als Mann etwas in der Küche zu machen", weiß der 19-Jährige neuerdings.

    Dies ist nur eins der vielen Dinge, bei denen er sich umstellen muss, wenn er seinen Zivildienst in Südbrasilien ableisten wird. Diesen so genannten "anderen Dienst im Ausland" wird der junge Mann als "Weltkirchlichen Friedensdienst" gestalten. Unter der Trägerschaft des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) und der Diözese Rottenburg-Stuttgart reist Sebastian Rück dieser Tage in die Stadt Santa Cruz do Sul, um dort 13 Monate lang in einer ökumenischen Jugendfriedensgruppe zu arbeiten.



    Fußball und basteln
    Eine seiner Aufgaben wird es sein, eine Armenspeisung für Kinder und Jugendliche in einem Armenviertel zu betreuen. Im Anschluss soll eine Jugendgruppe für die Straßenkinder initiiert werden, die er leiten wird. "Hier würde man das Freizeitangebot nennen", lacht der Abiturient, "aber das klingt in dem Zusammenhang irgendwie unpassend". Dennoch wird er mit den dortigen Kindern wahrscheinlich ähnliche Dinge machen, wie mit der Jugendgruppe der Sankt-Albertus-Magnus-Gemeinde, die er zweieinhalb Jahre leitete: "Ich werde mit denen Fußball spielen oder mal einen Drachen basteln."

    Wichtig ist ihm aber vor allem, dass die Kinder die Scheu verlieren. "Die Kinder in Peru hatten so einen Respekt vor mir, weil ich so fremd aussah." Dort war er in den vergangenen Sommerferien für sechs Wochen. "Ich will für die Kinder in Brasilien nicht ungewöhnlich und zum Anfassen sein."

    Dass eine ähnliche Arbeit wie die Jugendarbeit in einer katholischen Gemeinde in Deutschland dort unter ganz anderen Vorzeichen stattfindet, versucht sich der 19-Jährige seit seinem Entschluss, Zivildienst im Ausland zu machen, klar zu machen. Drei Seminare des BDKJ und der Diözese Rottenburg-Stuttgart hat er besucht, seit er im vergangenen Dezember aus 50 Bewerbern ausgewählt wurde. 15 weitere junge Leute hatten das Glück, den Zuschlag für ihren Friedensdienst zu bekommen. Diese Gruppe wurde im Rahmen dieser Seminare auf ihren Einsatz vorbereitet. "Eine wichtige Frage war, was bring' ich mit und was kann ich weitergeben", erinnert sich Sebastian Rück an das erste Zusammentreffen der Gruppe im Januar. Fünf Tage dauerte das Vorbereitungsseminar, bei dem neben gruppendynamischen Spielen auch über Globalisierung und Dritte-Welt-Problematik diskutiert wurde. "Wie entstehen Missverständnisse zwischen den Kulturen - das sind wichtige Fragen für unseren Alltag", so Rück. Auch das Beispiel mit den Männern in der Küche hat er in einem dieser Vorbereitungsseminare diskutiert.



    "Unglaublich herzliche Menschen"
    Erst am Ende dieser ersten Woche wurde entschieden, welcher Freiwillige in welchem Projekt und in welchem Land eingesetzt werden würde. "Ich hatte Glück, denn mir wurde genau mein Wunschprojekt zugeteilt", freut sich Rück. Neben dem, dass er gern weiterhin mit Kindern arbeiten wollte, lag seine Priorität auf Südamerika. "Einerseits wegen der Sprache und andererseits, weil die Menschen dort so unglaublich herzlich sind." Das ist ihm bereits in Peru aufgefallen - "und ich fand es immer schade, dass die Kontakte oberflächlich bleiben mussten, weil wir nur so kurz dort waren". Für seinen Aufenthalt in Brasilien hofft er deshalb, tiefer gehende Kontakte knüpfen zu können. "Ich will dort mit den Menschen richtig leben, als Teil der Gemeinschaft, um so mehr von deren Mentalität mitzukriegen." Der 19-Jährige versteht sich neben der konkreten Hilfe, die er dort anbietet, als Reisender im Auftrag des interkulturellen Dialogs. "Ich will in beide Richtungen die globalen Zusammenhänge vermitteln."

    So wird er an seinen hiesigen Unterstützerkreis regelmäßig Rundbriefe verschicken und von seinen Erlebnissen berichten. Der Unterstützerkreis hat zudem eine finanzielle Bedeutung, da es im Gegensatz zum Zivildienst im Inland kein Geld für diese Arbeit gibt. Lediglich einen Impfzuschuss bekommt Sebastian Rück vom BDKJ sowie freie Unterkunft und Verpflegung. "Ich könnte es mir allein nicht leisten", erklärt der Abiturient. Doch der Unterstützerkreis ist Teil des Programms beim Weltkirchlichen Friedensdienst. Jeder Freiwillige soll in diesem Rahmen in seinem persönlichen Umfeld eine Sensibilisierung für die jeweilige Thematik erreichen. "Nach meiner Rückkehr will ich für alle ansprechbar sein", plant er.



    "Europa wird glorifiziert"
    Andererseits will er in Südbrasilien das dortige Deutschland- und Europabild korrigieren. "Europa wird von den Armen dort glorifiziert - die denken, jeder Europäer ist ein Millionär." Dass es auch bei uns Armut gibt, wenn auch mit meist weniger existenziellen Folgen, will er vermitteln. "Auch der Abbau unseres Sozialsystems wird ein Thema sein." Außerdem will er die Zusammenhänge zwischen Entwicklungsländern und Industrienationen vermitteln. Die ländlichen Regionen an seinem künftigen Wirkungsort sind durch einen nahezu monokulturellen Tabakanbau von Kleinbauern geprägt. "Die einzelnen Bauern werden von den großen Tabakkonzernen ausgebeutet. Es wäre gut, wenn sie sich zusammenschließen würden."

    Auch persönlich wird der 19-Jährige von dieser Zeit profitieren, da ist er sich ganz sicher: "Ich nehme unglaublich viel davon für mich mit." Besonders fasziniert hat ihn in Peru die Gelassenheit der Leute. "Obwohl die unglaublich viel arbeiten, herrscht dort kein Stress." Wie das trotz härterer Lebensbedingungen und existenziellerer Probleme geht, ist für Sebastian Rück ein Rätsel. "Ich werde vielleicht drauf kommen und ich hoffe, ich bringe ein Stück von dieser Ausgeglichenheit und der positiven Einstellung mit nach Hause."
    Gruss brasilmen Thomas
    www.brasilmen.de

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