Bis zu 25.000 Menschen müssen als Sklaven für Grundbesitzer arbeiten - Verfassungsänderung aber noch nicht endgültig beschlossen

Brasilia - Im Kampf gegen Sklavenarbeit im Amazonas-Becken hat das brasilianische Parlament Landenteignungen von Grundbesitzern genehmigt, die ihre Arbeiter nicht angemessen entlohnen. Das Unterhaus des Kongresses billigte eine entsprechende Verfassungsänderung in erster Lesung mit 326 gegen 10 Stimmen, wie am Donnerstag in Brasilia bekannt gegeben wurde. Um wirksam zu werden, muss die Vorlage in zwei Abstimmungen mit einer Drei-Fünftel-Mehrheit verabschiedet werden.

"Siegreicher Schritt"

Antonio Canuto, Sekretär der Landarbeiterbewegung der katholischen Kirche, sprach von einem ersten siegreichen Schritt nach vorn. Allerdings habe das Unterhaus einen Zusatz eingeführt, der den wegen Beschäftigung von Sklavenarbeitern angeklagten Farmern umfangreiche Möglichkeiten zur Verteidigung einräume. Dadurch könnte sich ein Enteignungsverfahren über Jahre hinziehen. Zudem müsse der Senat wegen dieses Zusatzes jetzt noch einmal konsultiert werden, was die endgültige Verabschiedung der Verfassungsänderung verzögern könnte.

Der Landarbeiterbewegung zufolge werden in Brasilien 15.000 bis 25.000 Menschen wie Sklaven gehalten, vor allem in den Regenwäldern am Amazonas. Sie müssen für ihren Lebensunterhalt so horrende Preise zahlen, dass ihr Gehalt nicht ausreicht, so dass sie sich immer stärker bei den Grundbesitzern verschulden. Das Arbeitsministerium hat im vergangenen Jahr fast 5.000 Sklavenarbeiter aus ihrer misslichen Lage befreit. (APA/AP)