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Brasilianerin acht Jahre illegal in Deutschland, Erfahrungen

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    Brasilianerin acht Jahre illegal in Deutschland, Erfahrungen

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      Ich bin im Käfig, aber fühle mich frei

      Mein Spitzname ist schwarzer Diamant. Ich lebe seit 1996 in
      Deutschland. Ohne Aufenthaltserlaubnis. Sehnsucht nach
      Brasilien? Nein! Nur nach meiner Mutter. Als ich sie vor zwei Jahren
      umarmt habe, wusste ich, dass dies das letzte Mal war. Sie ist vor
      Traurigkeit gestorben. Sie hat einfach meinen Vater nicht mehr
      ertragen. Mein Vater hat es im Leben zu nichts gebracht. Nur schreien
      und schlagen, das kann er. Noch nicht einmal unsere Hütte hat er
      regendicht gebaut. Wir haben dort mit zwölf Personen gehaust, sieben
      Kinder, drei Neffen und die Eltern. Wenn es regnete, konnte ich nicht
      schlafen, es war alles überschwemmt.

      Mit Anfang 20 kam ich zum ersten Mal nach Europa. Ich hatte mich in
      einen Italiener verliebt, den ich in meiner Heimatstadt Salvador am
      Strand kennen gelernt hatte. Ich arbeitete dort als Kellnerin an einem
      Kiosk. Doch die Sache ging schief. Er war wahnsinnig eifersüchtig und
      schloss mich zu Hause ein. Nach drei Monaten kehrte ich deshalb wieder
      nach Salvador zurück. Da lernte ich dann Karl-Heinz und seine Tochter
      Melanie aus Mönchengladbach kennen. Sie kamen nach Salvador, weil sie
      ein brasilianisches Restaurant aufmachen wollten und fragten, ob ich
      Interesse hätte, für sie in Deutschland zu arbeiten.

      Um es gleich vorwegzunehmen: Ich mag die Deutschen. Viele Menschen
      hier haben mir enormes Vertrauen entgegengebracht. Ich habe zum
      Beispiel sieben Jahre in einer Doppelpraxis geputzt, das Geld lag
      immer pünktlich auf dem Tisch, und ich hatte den Praxisschlüssel,
      obwohl ich die Ärzte nie gesehen habe! Nur zweimal habe ich eine
      Absage bekommen, weil die Arbeitgeber sich vor Nachfragen des
      Ausländeramtes fürchteten. Ansonsten hatte ich keine Probleme. Der
      einzige Nachteil ist, dass ich mich nicht krankenversichern kann!

      Als ich nach Deutschland kam, war ich 27 Jahre alt. Ich blieb noch
      nicht einmal einen Monat bei der Familie in Mönchengladbach. Ich weiß
      nicht, ob es Neid oder pure Böswilligkeit war, auf jeden Fall war eine
      angeblich mit Karl-Heinz befreundete Brasilianerin daran schuld. Sie
      sollte eigentlich übersetzen, doch sie machte genau das Gegenteil. Sie
      erzählte Karl-Heinz einfach, dass ich in Wirklichkeit als
      Prostituierte arbeitete. Mir sagte sie, die Familie hätte mich
      hierhergebracht, um anschaffen zu gehen. Daraufhin gab Karl-Heinz
      meinen Namen an eine Heiratsagentur und quartierte mich in einem
      Kolpinghaus ein. Mehrere reiche Männer schienen sich für mich zu
      interessieren. Ein 60-Jähriger begriff meine verzweifelte Lage und
      brachte mich bei einem Freund in Rolandseck unter. Dieser bezahlte
      zwei Monate lang einen Deutschkurs beim Goethe-Institut für mich. Dort
      habe ich dann eine andere Südamerikanerin kennen gelernt, die für mich
      eine Putzstelle arrangiert hat. Im Nu hatte ich drei Stellen, und das
      Geld reichte, um mir mit einer Peruanerin ein Zimmer zu teilen.

      Richtig Angst vor der Polizei hatte ich dreimal. Einmal wurde ich
      nachts angefahren. Ich war gerade zwei Jahre in Bonn. Das Auto war bei
      Rot über die Ampel gefahren. Ich wurde auf die Straßenbahnschienen
      geschleudert und erlitt zahlreiche Prellungen. Vom Boden aus sah ich,
      wie sich die Blaulichter näherten. Ein Bus, der auf mich zufuhr, war
      meine Rettung. Ich stieg mit zerrissenen Kleidern ein, und weg war
      ich! Ich bin dann zur Uniklinik auf dem Venusberg gefahren, wo ich
      sehr gut behandelt wurde und dafür in bar bezahlte. Als ich in den
      nächsten Wochen mit einer Halskrause durch Bonn lief, packte mich die
      Sehnsucht nach meiner Familie, und ich überwies alle meine Ersparnisse
      nach Brasilien. Damals lebte meine Mutter noch. Seit ihrem Tod schicke
      ich kein Geld mehr an meine Familie in Salvador.

      Kurze Zeit darauf wurde ich sehr krank. Ich litt unter Blutarmut, mein
      Körper produzierte viele weiße, aber kaum rote Blutkörperchen. Ich
      fühlte mich schwach, aber kein Arzt erkannte die Ursache. Bis
      schließlich ein Spezialist aus Poppelsdorf Tuberkulose
      diagnostizierte. Die Krankheit war nicht ausgebrochen, deswegen hatte
      sie auch nicht auf die Lunge übergegriffen! Natürlich musste er alles
      dem Gesundheitsamt melden. Die Mitarbeiter dort waren unglaublich
      verständnisvoll: Statt mich ans Ausländeramt zu denunzieren,
      beauftragten sie einen Spezialisten, sich um mich zu kümmern. Dieser
      allerdings sagte mir ganz unverblümt, dass ich seiner Meinung nach
      abgeschoben gehörte. Im Nachhinein denke ich, dass dies Glück im
      Unglück war. Denn weil die Krankheit hier entdeckt wurde, konnte ich
      sie wenigstens behandeln.

      Meine Kirchengemeinde Centrum Lebendiges Wort (CLW) hat mir immer
      geholfen. Sie wollten mich als Leiterin der südamerikanischen Sektion
      anstellen, denn ich habe in Bonn ja eine dreijährige Ausbildung als
      Diakonin absolviert. Jemand aus der Gemeinde hat für mich bezahlt.
      Doch leider hat der Anwalt, der für mich eine Aufenthaltsgenehmigung
      beim Ausländeramt beantragen sollte, einen Fehler gemacht. In seinem
      Brief schrieb er, dass ich mich illegal in Deutschland aufhielte.
      Folglich wurde der Antrag abgelehnt. Sie setzten mir eine
      Ausreisefrist bis zum 1. September. Am 28. August habe ich mein Zimmer
      aufgegeben und bin zu einer Freundin gezogen.

      Ich war immer sehr gläubig. Ich habe mich auch immer frei in
      Deutschland gefühlt, obwohl ich wie in einem Käfig lebte. Nach der
      Frist vom Ausländeramt flehten mich meine Freunde an: Such dir endlich
      einen Mann zum Heiraten! Ich wollte das nie. Ich wollte nur eine
      Chance. Ich möchte einen Computerfahrschein an der Euroschule machen.
      Das ist mein Traum.
      Gruss brasilmen Thomas
      www.brasilmen.de

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