Ankündigung

Einklappen
Keine Ankündigung bisher.

Lula kommt nur schleppend voran, Süddt. zeitung 4.11.03

Einklappen
X
 
  • Filter
  • Zeit
  • Anzeigen
Alles löschen
neue Beiträge
  • #11

    Meines Erachtens ist es aber dennoch ein Unterschied, ob sich die Bevölkerung fast nur aus den Vorfahren der Kolonial-Herren zusammensetzt oder zum großen Teil aus importierten Sklaven anderer Kolonien.
    Die Ureinwohner Australiens spielen in Australien nämlich auch (leider) keine Rolle. Und Australien wurde nicht sich selbst überlassen, nachdem die Rohstoffe mehr oder weniger ausgebeutet waren.
    In Brasil hingegen wurden die Rohstoffe Gold (Ouro Preto und Umgebung) zum Aufbau von Lissabon benutzt, der Kautschukboom zum Aufbau der Industrie in Europa (Reifen etc.); selbst Marmor wurde in Europa gekauft vom Geld des Kautschuk-Erlöses. Nachdem nichts mehr zu holen war, strichen die Herren die Segel und verschwanden. Aufräumen durften dann die zurückgebliebenen und in die Freiheit entlassenen Sklaven.
    Das gleiche geschieht an sich heute noch mit dem Regenwald, sei es das Holz selbst oder neuerdings das Pharmainteresse.

    Kommentar

    • #12

      Wie ist der richtige Weg?

      Wir sollten mal überlegen, welche realistische Maßnahmen Brasilien wirklich helfen könnten?
      Ich meine keine "Traum-Wunschvorstellungen", sondern Maßnahmen, die man in der realistischen Welt jetzt unter den gegebenen Tatsachen in Brasilien realisieren kann! Das heißt unter Berücksichtigung aller wirtschaftlichen, sozialen und gesellschaftspolitischen Gegebenheiten, die man langsam mit dem ganzen Volk verändern kann! Hier ist eine Ruckzuck-Lösung nicht möglich, da es sonst nicht funktionieren würde.

      Meiner Meinung nach müßte als erstes bei der Bildung angefangen werden, denn dort ist ein zentraler "Schlüssel" für ein besseren Lebensstandard eines Landes und für jeden Einzelnen ergibt sich dadurch viel bessere Möglichkeiten, das Leben zu verbessern und mehr Möglichkeiten, selbst mehr über das eigene Leben zu entscheiden! Die Armut könnte dadurch verstärkt bekämpft werden, aber nicht ruckzuck abgeschaft werden können, da es ein langer Prozeß ist; dies kann man nur über viele Jahre umsetzen, wenn jetzt begonnen würde, die Struktur wesentlich zu ändern!

      Aber wie soll man die Bildung der Bevölkerung als Ganzes wesentlich ändern und das möglichst schnell (Jahre), ohne die anderen "Schlüssel" zu vernachlässigen; "Schlüssel" wie Wirtschaft, Forschung, Sicherheit und Kultur? Ohne ein Zusammenwirken aller "Schlüssel" ist jedes unterfangen gleich zum Scheitern verdammt!

      Was ist eure Meinung dazu?

      Welche konkreten Einflußmaßnahmen könnte die Politik und andere Gesellschaftskräfte wie zum Beispiel Wirtschaftsverbände usw. durchführen, um die Bildung besser zu machen als sie jetzt ist?
      (jetzt will ich kein Cardoso oder Lula ist besser oder wäre besser gewesen hören, sondern es geht doch um eine gemeinschaftliche Aufgabe für die Politik)
      Oder haltet ihr andere "Schlüssel" für noch wichtiger?
      Wie könnte man Brasilien konkret ändern, falls einer von uns an der Macht wäre? Wie kann man die verschiedensten Gesellschaftskräfte zusammen bekommen, damit dies gelingen kann? Wie ist eure Meinung dazu?

      Hans

      Kommentar

      • #13

        @holger: brasilien hat sich selbst unabhängig erklärt wie wir wissen und die sklaven wurden nach der unabhängigkeit freigelassen.
        ich kann dir ein paar bücher über brasilianische geschichte empfehlen, falls dich das thema interessiert.
        .vasco

        Kommentar

        • #14

          @vasco: Bitte lies die Beiträge doch vollständig bevor du eine Antwort erstellst. Wo habe ich denn geschrieben wann und wie Brasil unabhängig wurde????
          Ferner gibt es noch das Buch: Uma viagem pela história do Brasil

          Kommentar

          • #15

            Zitat von Holger
            Nachdem nichts mehr zu holen war, strichen die Herren die Segel und verschwanden. Aufräumen durften dann die zurückgebliebenen und in die Freiheit entlassenen Sklaven.
            wen meinst du mit den herren wenn nicht die kolonialherren und die mit ihnen liierten geschäftsleute ?
            die unabhängigkeit und die abschaffung der sklaverei war eine entscheidung der brasilianer und nicht der portugieisen. also kann man letztere nicht dafür verantwortlich machen. das sollte klar sein.
            .vasco

            Kommentar

            • #16

              "Nachdem nichts mehr zu holen war, strichen die Herren die Segel und verschwanden." Da hast du die Geschichte aber ganz schön verfälscht, mein lieber Bernd, die "Herren" d.h. die portugiesische Krone blieb nämlich in Brasilien, da sie von den napoleonischen Truppen aus Portugal vertrieben worden war.

              In Portugal selbst entwickelte sich in den folgenden Jahren eine republikanische Bewegung, die die Monarchie abschaffen wollte. Die brasilianische Unabhängigkeit erfolgte nicht - wie es sonst die Regel war - unter republikanischen und liberalen Vorzeichen gegen eine monarchistische Metropole, sondern im Gegenteil unter monarchistischem Vorzeichen gegen eine republikanische und liberale Metropole. Unter Pedro II. begann in Brasilien die Industrialisierung. Und er war es auch, der die Sklaverei abschaffte und dadurch einen Militärputsch auslöste, der zu seinem Sturz führte. Wer weiß, wie sich Brasilien entwickelte hätte, wenn der beliebte und allseits geachtete Pedro II im Amt geblieben wäre.

              Kommentar

              • #17

                Oi,
                für die Entwicklung, die Brasilien in seiner Geschichte genommen hat, gibt es sicherlich vielerlei Gründe, einer mag in dem portugiesisch geprägten Katholizismus liegen (im Gegensatz zu dem anglikanisch-protestantisch geprägten Australien).
                Ein Freund, der lange in Brasilien (Belém) gelebt hatte, erzählte des öfteren, wie sich Brasilianer zwar aufregten, wenn etwas nicht klappte, die Behörden irgendeine Sache verschlampten etc., es blieb aber nur bei der - schnell verpuffenden - Aufregung. Wenn er sie aufforderte, mal selbst eine Intiative zu ergreifen, hiess es nur "Si Deus quizer!" Diesem fatalistischen "Wenn Gott will" konnte er immer nur entgegensetzen: Nicht wenn Gott es will, Ihr müsst es selber wollen, dann ändert sich etwas! Das war so etwa vor 4 Jahrzehnten, wie zu sehen ist, hat sich an dieser Einstellung so sehr noch nicht viel geändert, sonst würde das Land heute anders dastehen.
                Um Mißverständnissen vorzubeugen: Es gibt sicherlich viele Menschen in Brasilien, die ihre Sache in die Hand nehmen, sich bilden, beruflich voranstreben, an der Entwicklung ihres Landes zu einem modernen und sozialen Staatswesen mitarbeiten, aber dieser angedeutete Hang zum Fatalismus in weiten Teilen der Bevölkerung scheint mir eines der Grundprobleme Brasiliens zu sein.
                Tschau
                Heino

                Kommentar

                • #18

                  Fatalismus

                  Da du Belém erwähnt hast, häufig hörte ich den Satz: Não reclama a vida.
                  Vielleicht hängt es auch mit den ständig hohen Temperaturen zusammen.

                  Kommentar

                  • #19

                    @Hans1000

                    Um deine Fragen hier nicht unbeantwortet zu lassen, werde ich auch meinen Senf dazu geben.

                    Ich denke das keiner, wie auch immer er heissen mag, wirklich die "Richtigen" (was ist schon Richtig?) Schritte machen wird bzw. kann.

                    Im heutigen politischen und vor allem wirtschaftlichen System ist es nahezu unmöglich bei notwendige Reformen so anzusetzen bzw. diese so umzusetzen das Probleme auf lange Sicht gelöst werden können, Beispiele dazu gibt es vielfach (Pensions-System, Stuerreform, Armutsbekämpfung, etc...). Dies betrifft nun nicht nur Brasilien, selbst in manch europäischen Land (Deutschland), läuft schon lange nichts mehr so wie sich viele Menschen gern hätten.

                    Die Armutsgrenze steigt weltweit immer höher. Jedes Jahrzehnt gibt es mehr und mehr Menschen denen immer weniger zum Leben bleibt bzw. fällt damit auch im grossen Durchschnitt das Durchschnittseinkommen (immer höhere Steuern), etc...

                    Ich denke das man vor allem in Ländern wie Brasilien und auch in anderen (Deutschland, etc...), nur wirklich etwas verändern kann wenn man ernsthaft versucht das Problem zu erkennen.

                    Manche hier kennen meine Ideen und diverse Einstellung zu möglichen Problemlösungen. Im grossen und ganzen sehe ich nur eine grosse Möglichkeit und wahrscheinlich die einzige Chance die Probleme Brasilien (wie auch andere Länder) zu lösen.

                    Lösung: Eine direkte Demokratie

                    Lasst das Volk entscheiden, Diskutiert in grossen Rahmen, holt Spezialisten und Experten und lässt mal richtig an die Probleme unserer Zeit arbeiten und hört endlich auf nur faule und unhaltbare Kompromisse einzugehen, die sowieso nicht lange halten.

                    BILDUNG ist eine der wichtigsten Schlüssel unserer Zeit, doch dieser wird sich in Brasilien wenn überhaupt nur langsam durchsetzen, denn so wie schon -Zé Colmeia- hier geschrieben hat, werden es die Mächtigen hier im Land nie zulassen.

                    Daher gibt es nur eine wahre Möglichkeit und zwar die der direkten Demokratie. Wenn LULA hier ansetzt und erste Schritte hin zur direkten Demokratie setzen würde und sich die Realisierung dessen als Hauptaufgabe setzt, ja dann wird Brasilien einen sozialen Aufschwung erleben, denn die Welt zuvor noch nie gesehen hat.

                    Das wäre was....

                    Dies ist halt meine Meinung, wie werden ja sehen wohin es gehen wird und wie das Land in ein paar Jahren dasteht.

                    BIs dann
                    Alexander

                    Kommentar

                    • #20

                      ...aufgegeben

                      tut mir leid, ich selbst habe es schon lange lange aufgegeben ueberhaupt noch Gedanken darueber zu verschwenden, wie es besser gehen "koennte" in BR.
                      Moechte trotzdem ein paar Gedanken hier loswerden:

                      - hat irgendwo in der Welt ein Politiker schon mal ein Land innerhalb von 10 Monaten umkrempeln koennen???

                      - Pais jovem (500 anos.... bla bla bla) vs. Pais ainda mais jovem (Australia, 200 anos) - ich finde der Vergleich passt schon sehr gut hier rein.

                      - zur Sklaverei: England hat die Sklaverei so um 1810 aufgegeben, Frankreich 1848, USA im Krieg, so 1869, Brasilien erst 1888.

                      - Trotz allem, so 60-70% der heutigen Brasilianer stammen von Einwanderern aus heute '1.Welt-Laendern' ab, die erst in den letzten 100-150 Jahren eingewandert sind, wie: Italien, Japan, Deutschland, Polen, Spanien, Portugual, ......

                      -Rohstoffe hat das Land auch in Massen

                      Warum zum Teufel marschiert das Land dann immer hinterher???
                      Meiner Meinung nach liegt das an diesem unglaublichen Egoismus.

                      Kommentar

                      Brasilien Forum Statistiken

                      Einklappen


                      Hallo Gast,
                      Du hast Fragen?
                      Wir haben die Antworten!
                      >> Registrieren <<
                      und mitmachen.

                      Themen: 24.604  
                      Beiträge: 182.917  
                      Mitglieder: 12.410  
                      Aktive Mitglieder: 46
                      Willkommen an unser neuestes Mitglied, palpitesdobicho.

                      P.S.: Für angemeldete Mitglieder ist das Forum Werbefrei!

                      Online-Benutzer

                      Einklappen

                      221 Benutzer sind jetzt online. Registrierte Benutzer: 1, Gäste: 220.

                      Mit 2.135 Benutzern waren am 16.01.2016 um 01:30 die meisten Benutzer gleichzeitig online.

                      nach Oben
                      Lädt...
                      X