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      Die Historie des prestigeträchtigen Klassikers zwischen den Fußball-Großmächten Brasilien und Argentinien ist voll von grotesken Geschichten

      Wenn heute Abend 20.45 Uhr in Frankfurt die 22 Akteure das neue Stadion betreten, rückt der sportliche Wert des Confed-Cups fast ein wenig in den Hintergrund. Die alte Rivalität zwischen Argentinien und Brasilien wird noch einmal aufblitzen.

      Frankfurt a.M. · 28. Juni · Es ist natürlich kein Spiel wie jedes andere auch, kein Brasilianer und kein Argentinier wird das je behaupten. Und wer es versucht, den "superclasico", den prestigeträchtigsten Klassiker im Duell zweier Nationen, klein zu reden, wie das unlängst Carlos Alberto Parreira gemacht hat, der wird seine Quittung erhalten. Parreira, der Coach der brasilianischen Elf, hatte vor dem letzten Aufeinandertreffen der beiden Fußball-Schwergewichte bei der Südamerika-Qualifikation gesagt, das Match in Buenos Aires sei ein "Luxus-Freundschaftsspiel". Ein Unding, ein Spiel in aller Freundschaft zwischen zwei Rivalen kann es nicht geben, prompt fertigte Argentinien Brasilien mit 3:1 regelrecht ab, führte den Weltmeister eine Halbzeit lang vor.

      Nein, dieses Spiel ist heiß, es ist zwar kein "Spiel für die Geschichte", wie Kaka im Überschwang sagte, aber die Gefühle werden schon kochen an diesem warmen Mittwochabend im Frankfurter WM-Stadion, wie immer wenn Brasilianer und Argentinier aufeinander treffen Doch woher rührt diese Rivalität? In erster Linie ist es das typische Gerangel zweier nahezu gleichwertiger Aspiranten um die Rolle des Primus in Südamerika. Jeder will der Bessere sein. Es sind die beiden größten und wichtigsten Länder des Halbkontinents (Brasilien: 8,5 Millionen Quadratkilometer, Argentinien: 2,8 Millionen Quadratkilometer), sie sind beide Nachbarn und beide pflegen ihre liebgewonnenen Vorteile über den anderen: "Versuchen Sie mal in Rio eine Tango-Schallplatte zu kaufen. Das ist fast unmöglich", sagt etwa FR-Korrespondent Wolfgang Kunath. Dabei kann man in Brasilien nahezu alles kaufen. "Man muss zugeben, dass wir Brasilianer unseren Hass gegen die Argentinier viel deutlicher zum Ausdruck bringen", sagt der Soziologe Ronaldo Helal (49), der zwecks Studium des Phänomens seit Monaten auf "Feindesland" in Buenos Aires lebt. "Bei den Argentinier geht es um Hass und Liebe, um Bewunderung und Ablehnung, bei uns nur um Hass." Symptomatisch sei etwa, dass die Argentinier die Kultur der Brasilianer gut kennen. "In Brasilien sind dagegen wenige Argentinier bekannt."

      Entsprechend groß ist die Schmach, im Fußball ausgerechnet gegen den Nachbarn zu verlieren. Gegen keinen Gegner beispielsweise hat Brasilien öfter den Kürzeren gezogen, und wenn man jetzt den aktuellen Streit um mehr gewonnene Spiele sieht, der kann in etwa erahnen, welche Bedeutung dieses Finale hat. Argentinien zählte in bislang 92 Begegnungen 37 Siege, Brasilien glaubt, nur 33 Mal verloren zu haben. "Jedes Spiel gegen Argentinien ist im wahrsten Sinne des Wortes Krieg, und ich kann davon ein Lied singen, habe viele Schlachten mitgemacht", erzählte etwa der frühere brasilianische Nationalverteidiger Batista. "Die Argentinier schreien, beschimpfen uns", so der Mann, der bei den Weltmeisterschaften 1978 und 1982 mitgespielt hat.

      Und Brasilianer und Argentinier trauen sich gegenseitig alles Schlechte zu, 1990 etwa: Bei der WM in Italien soll im Spiel der beiden Kontrahenten Maradona dem Brasilianer Branco eine Trinkflasche mit einer Substanz gereicht haben, die ihn ermüdete. Brasilien unterlag 0:1, Branco soll im Mannschaftsbus eingeschlafen sein, und selbst 15 Jahre später spekulierte die brasilianische Presse darüber, ob es nicht sinnvoller sei, für das Spiel in Buenos Aires Anfang Juni eigene Wasservorräte mitzunehmen. Parreira nahm, um die Wogen zu glätten, bei der Pressekonferenz vor der Partei demonstrativ eine kräftigen Schluck aus einer bereitgestellten - argentinischen - Wasserflasche.

      Deutlich ernster ging es im Frühjahr dieses Jahres zu: Im Copa Libertadores zwischen FC Sao Paulo und Quilmes aus Buenos Aires wurde der Brasilianer Grafite wegen Tätlichkeit an dem Argentinier Leandro Desabato belangt. Er habe Grafite als "Scheiß-Neger" und "Affe" bezeichnet, hieß es später, woraufhin Desabato für eineinhalb Tage in U-Haft geriet. Im multikulturellen Schmelztiegel Brasilien wird rigoros gegen rassistische Auswüchse vorgegangen. Der Argentinier musste zudem 10 000 Reais (ungerechnet etwa 3000 Euro) Kaution zahlen.

      Auch der argentinische Stürmer Carlos Tevez, der für den FC Corinthians aus Sao Paulo spielt, hatte unlängst ein nachbarschaftliches Scharmützel heraufbeschworen, als er dem Brasilianer Marco Barbosa im Training einen Faustschlag versetzte. "Er benimmt sich wie in Argentinien", hat Barbosa darauf hin wütend gesagt. Es klang ziemlich abwertend.

      Und schließlich ist die letzte Copa America noch nicht vergessen. Argentinien führte im Finale bis kurz vor Schluss 2:1 und fand Gefallen daran, die Selecão ein wenig vorzuführen. Aufreizend lässig spielten sie sich die Bälle zu, mit Sohle und Hacke, dann gelang Adriano Sekunden vor Schuss der Ausgleich. Das Elfmeterschießen gewann Brasilien, und Mario Zagallo, die Trainer-Legende und damals Co-Trainer, schrie seine Freude förmlich in alle Kameras. "Niemand spielt mit dem Weltmeister", sagte Parreira.

      Kein Wunder, dass der große Pele, der sein allererstes Länderspieltor übrigens gegen Argentinien schoss, 1957 in Maracana, gegen keinen anderen Gegner der Welt als Argentinien noch einmal seine Schuhe schnüren würde. Pele ist 64.
      Zuletzt geändert von brasilmen; 18.07.2007, 06:17.
      Gruss brasilmen Thomas
      www.brasilmen.de

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