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    manager-magazin: "Der Gang an den Zuckerhut rechnet sic

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      manager-magazin.de, 08.10.2004, 08:42 Uhr
      http://www.manager-magazin.de/untern...318913,00.html
      BRASILIEN

      "Der Gang an den Zuckerhut rechnet sich"

      Von Jörn Sucher

      Brasiliens Wirtschaft erholt sich. Nach dem Absturz 2003 locken jetzt hohe Wachstumsraten. Im Gespräch mit manager-magazin.de erläutert Brasilien-Experte Walter von Kalm, worauf deutsche Investoren achten müssen, welche Branchen gute Profite versprechen, und warum Kriminalität im Amazonas-Land ein Kostenfaktor ist.

      mm.de: Die Prognosen für Brasilien Wirtschaft sind viel versprechend. Wird der Boom anhalten, oder handelt es sich um ein Strohfeuer?

      von Kalm: Die Vorgaben sind gut. Nachdem das Bruttosozialprodukt 2003 um 0,2 Prozent schrumpfte, erwarten die Beobachter für dieses Jahr ein Wachstum von 4 Prozent. Manche sprechen gar von 5 Prozent. Getragen wird der Aufschwung vom Export, der in den ersten acht Monaten 2004 um 30 Prozent zulegte. Den Handelsbilanzüberschuss des vergangenen Jahres hat Brasilien bereits im September erreicht. Eine Million Arbeitsplätze sind entstanden. Das wird positive Folgen für die Binnennachfrage haben. Es handelt sich also um einen stabilen Aufschwung. Der allerdings kann nur erhalten bleiben, wenn mehr in Straßen und Häfen investiert wird. Ohne eine verbesserte Infrastruktur ist ein Wachstum von 4 Prozent über das Jahr 2005 hinaus nicht möglich.

      mm.de: Gerade Unternehmer haben den sozialistischen Präsidenten Luiz Inácio da Silva, genannt Lula, zunächst als Bedrohung wahrgenommen. Jetzt preisen sie ihn als Heilsbringer. Hat sich Lula vom Saulus zum Paulus gewandelt?

      von Kalm: Richtig wäre zu sagen: vom Oppositionellen zum verantwortungsbewussten Präsidenten. Eine Bedrohung durch Lula hat vor allem das Ausland gesehen. Der Präsident hat lange Jahre der Gewerkschaftstätigkeit und der parlamentarischen Opposition hinter sich. Dort hat er gelernt, durch überzogene Forderungen Handlungsspielräume zu gewinnen. In der Schlussphase des Wahlkampfes hat die damalige Regierung dem Kandidaten Lula alte Forderungen und Äußerungen vorgehalten, was die Ressentiments im Ausland verstärkt hat. Wer aber das Programm Lulas genau gelesen hat, musste wissen, dass er keine Bedrohung sein würde.

      mm.de: Welche Branchen versprechen üppige Wachstumsraten? Wo lohnt sich eine Investition, gerade für deutsche Unternehmen?

      von Kalm: Besonders stark entwickeln sich Bereiche, die mit der Weiterverarbeitung von landwirtschaftlichen Produkten zu tun haben. Dazu gehören die Verarbeitung von Zucker, Fleisch, Alkohol, Leder und Pflanzenölen. Um diese Sektoren herum gruppieren sich die Versorger: Landmaschinenhersteller, Logistiker, Hafenbauer, Werkzeugmaschinenhersteller. Ebenfalls spannend ist der Telekommunikationssektor. Dort werden derzeit Wachstumsraten von über 30 Prozent verbucht. Viel Bewegung gibt es auch bei der Offshore-Ölförderung. Brasiliens Ölvorkommen liegen größtenteils vor der Küste.

      mm.de: Lohnt sich eine Investition auch für deutsche Mittelständler?

      von Kalm: Sicher. In der Regel reisen die Mittelständler den Großkonzernen in ihrer Funktion als Zulieferer oder Dienstleister hinterher. Wichtig ist für eine Brasilien-Investition vor allem eine gute Eigenkapitalausstattung. Unbedingt sollte das Management den Markt vor einer Investition durch Importe oder Lizenzvergabe austesten.


      Brasilien hat mehr zu bieten als Caipirinha und Copacabana (Foto). Mit rund 180 Millionen Einwohnern ist die föderative Republik die bedeutendste Volkswirtschaft Südamerikas.

      Detaillierte Informationen für Investoren finden Sie unter Investe Brasil und bei der Deutsch-Brasilianischen Industrie- und Handelskammer.


      Der Gang nach Brasilien lohnt sich schon auf Grund der Größe des Landes. Hier lebt die Hälfte der südamerikanischen Bevölkerung. Bei gutem Produkt, kompetentem Management und guter Eigenkapitaldecke lohnt sich ein mittelfristiges Engagement für den Mittelstand auf jeden Fall.

      mm.de: Ist Brasilien für deutsche Unternehmen spannender als Absatzmarkt oder als Produktionsstandort?

      von Kalm: Mit Ausnahme der rohstoffverarbeitenden Unternehmen ist Brasilien für Unternehmen als Absatzmarkt interessant. 182 Millionen Einwohner in einem Territorium, das größer ist als Europa. Dennoch ist Vorsicht geboten. Beim Pkw-Absatz erreicht Brasilien gerade ein Drittel des deutschen Niveaus. Dagegen werden dort mehr Omnibusse verkauft als in ganz Europa. Als Selbstgänger sollte man das Brasilien-Investment nicht verstehen. Besonders günstig ist es, wenn die Produkte eine hohe Exportfähigkeit vorweisen. Durch Ausfuhren in die südamerikanischen Nachbarstaaten lassen sich Nachfrageschwankungen in Brasilien ausgleichen.

      mm.de: Wie hoch ist das Ausbildungsniveau? Bis zu welcher Position müssen Mitarbeiter aus Deutschland mitgebracht werden?

      von Kalm: Grundsätzlich sollten Unternehmen den Einsatz von Mitarbeitern aus Deutschland niedrig halten. Das ist möglich, weil das Ausbildungsniveau brasilianischer Fachkräfte gut ist. Deutsche haben dagegen oft Probleme mit der brasilianischen Mentalität, gerade bei Geschäften. Aus Höflichkeit wird ein Brasilianer kaum "Nein" sagen. Es wäre aber falsch, dies als klares "Ja" zu werten. Das gibt Schwierigkeiten. Der Königsweg wäre die Schulung von brasilianischen Fachkräften in Deutschland, um sie dann vor Ort einzusetzen. In jedem Fall aber sollte sich das Unternehmen einen Controller in Brasilien leisten, der eng mit dem Mutterhaus verbunden ist.

      mm.de: Wie hoch sind Risiken durch Wechselkursschwankungen? Welche Möglichkeiten der Absicherung gibt es?

      von Kalm: Die Schwankungen zum Dollar hielten sich im vergangenen Jahr in Grenzen. Dennoch: Die beste Absicherung bietet natürliches Hedging. Importe und Kapitalaufnahmen in Fremdwährung sollten die Planer durch entsprechende Exportfähigkeit der in Brasilien entstehenden Produkte absichern.

      mm.de: Sie nannten bereits die mangelhafte Infrastruktur als Risiko für Brasilien. Wie gravierend sind die Folgen von schlechten Straßen und veralteten Hafenanlagen?

      von Kalm: Durch den Exportboom sind die Mängel besonders deutlich hervorgetreten. Lange Schlangen von Lastwagen vor den Häfen sind die Regel. Bei Infrastrukturinvestitionen gibt es eine Überregulierung, die einschränkend wirkt. Ein schneller Umschwung ist daher unwahrscheinlich; auch wenn es etwa im Hafenbereich mittlerweile Möglichkeiten gibt, Kapazitäten kurzfristig auszubauen. Ebenso hoffnungsvoll stimmt die politische Debatte um Public-Private-Partnership-Projekte. Das alles reicht aber bei weitem nicht aus. Bei Autobahnen, Elektrizität und Eisenbahnen sieht es weiter schlecht aus.

      mm.de: Abschreckend wirken auch Kriminalität und Korruption. Inwieweit schränken diese Faktoren eine Investition ein?

      von Kalm: Das ist problematisch. Die Kosten der Kriminalität werden in Brasilien auf 8 Prozent des Bruttosozialproduktes geschätzt. Damit ist Kriminalität ein erheblicher Kostenfaktor für Unternehmen. Versicherungen decken den Transport von Produkten, die leicht auf dem Schwarzmarkt zu verkaufen sind, mittlerweile nicht mehr ab. Beim Transport von Kaffee, Reifen, Medikamenten müssen erhebliche Verluste einkalkuliert werden.

      mm.de: Das Rechtssystem hat zudem erhebliche Defizite.

      von Kalm: Das stimmt. Die Justiz arbeitet unglaublich langsam. Forderungen vor Gericht durchzusetzen, ist fast aussichtslos. Die Abwicklung eines Konkurses kann zehn Jahre dauern, die durchschnittliche Quote für den Privatgläubiger liegt bei 1 Prozent. Besonders schlimm ist die Durchsetzung von Forderungen gegen Bund, Länder und Gemeinden. Wenn man nach zehn Jahren seinen Anspruch eingeklagt hat, erhält man Schuldtitel, die in 10 Jahresraten abgeglichen werden. Auch Arbeitsgerichtsprozesse können lange dauern. Das gilt letztendlich auch für die Reform des Justizwesens, die auf sich warten lässt. Da tut sich wenig. Mein Tipp: Wählen Sie Geschäftspartner und Kunden sehr genau aus, um gar nicht erst in die Gerichtsmühle zu kommen.

      mm.de: Gerade der für deutsche Unternehmen wie Volkswagen wichtige Autosektor hatte zuletzt Probleme. Wann wird sich die Situation dort zum Besseren verändern?

      von Kalm: Hier gibt es eine Aufhellung, die aber vom Exportboom abhängt. In Brasilien sind in den vergangenen zehn Jahren so viele Autofabriken entstanden wie nirgendwo sonst auf der Welt. 14 Hersteller produzieren in dem Land. Die installierte Kapazität liegt bei drei Millionen Fahrzeugen. Im vergangenen Jahr lag die Auslastung bei unter 60 Prozent.

      Angesichts dieser Krise haben die Konzerne ihre Exporte aus Brasilien gesteigert, so dass 2004 ein Rekordjahr für die Automobilindustrie werden könnte. Beobachter erwarten 2,1 Millionen Fahrzeuge, wovon 600.000 in den Export gehen. Schon gibt es bei den Zulieferern Engpässe.

      mm.de: Problematisch ist die Binnennachfrage, vor allem weil horrende Zinsen auf den Konsumenten lasten. Gibt es dort Anzeichen für eine Verbesserung der Situation?

      von Kalm: Das Zinsniveau bleibt weiter hoch. Der Leitzins könnte bei rund 16 Prozent liegen. Teilzahlungszinsen notieren gar zwischen 80 und 120 Prozent. Allerdings sind die Brasilianer sehr konsumfreudig, und Sparen steht nicht im Vordergrund. In den vergangenen zwei Jahren ist das Realeinkommen gesunken. In 2004 hat sich die Entwicklung umgekehrt und die finanzierten Verkäufe haben wieder angezogen.

      mm.de: Vor wenigen Jahren war Brasilien noch neben China einer der beliebtesten Investitionsstandorte. Doch jüngst hat das Land an Attraktivität verloren und konkurriert zudem mit den neuen osteuropäischen EU-Mitgliedern. Hat das südamerikanische Land überhaupt eine Chance, die alte Spitzenposition wieder zu erreichen?

      von Kalm: Ob Brasilien diese Spitzenposition wieder erreicht, ist fraglich. Allerdings sind die Rahmenbedingungen ganz andere als noch Mitte der 90er Jahre. Von 1995 bis 2000 lagen die Auslandsinvestitionen per Saldo bei 30 Milliarden Dollar pro Jahr. Vor allem die umfangreichen Privatisierungen von Staatsunternehmen haben den Boom ausgelöst. Zudem haben steuerliche Vergünstigungen die Autobauer angelockt. Mit dem Ende der Privatisierungswelle hat sich auch das Investitionsvolumen wieder normalisiert.

      PS.: noch 6 Tage !
      Gruss brasilmen Thomas
      www.brasilmen.de

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