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Landwirtschaft, der Motor der brasilianischen Wirtschaft

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  • Landwirtschaft, der Motor der brasilianischen Wirtschaft

    Salü Takeo v. Tucher


    Ich möchte deine Kenntnisse als Agronom in Brasilien anzapfen. Ich wollte eigentlich privat mit dir Kontakt machen, um zu wissen, ob du an dem Thema Interesse hättest, aber leider ging das nicht.

    Ich stelle einige Fragen ins Forum und wenn du Lust hast antworstest die Fragen oder erweiterst sogar das Thema.

    Lohnt es sich in der Landwirtschaft zu investieren?
    Was ist der Trend heute? Viehzucht, Ackerbau, Gemüsebau, Obst etc
    Was braucht man in jedem Gebiet? Wo liegen die besten Möglichkeiten?


    Fragen zur Viehzucht :

    Wie gross muss eine Herde sein um überleben zu können? Wieviel Land brauche ich pro Kopf? Was sind meine laufenden Kosten pro Kopf. Wie sieht die Rendite pro Kopf aus. Auf was muss man achten wenn man eine Fazenda kauft? Was für Weiden gibt es? Wie stehts mit dem Klima? etc, etc.


    Tschau

    Fazendeiro

  • #2
    Deine Fragen sind nicht so leicht zu beantworten, weil´s ein sehr grosses Thema ist. Ob´s sich lohnt in der Landwirtschaft zu investieren hängt vorallem von den finanziellen Möglichkeiten, beruflichen Voraussetzungen und Fachkenntnissen ab:

    Zu der Situation der Landwirtschaft in Brasilien: technologisch gesehen steht Brasilien (und auch Argentinien) zusammen mit der USA an der Weltspitze. Kein Europäer kann uns wirklich was vormachen. Hier wird vollkommen ohne Subventionen gewirtschaftet, und Agrarkredite werden von Bank zu Bank unterschiedlich behandelt. Ohne Subventionen zu wirtschaften heisst, dass zunächst nur Flächen ab ca. 1000 ha anfangen sich zu rechnen, ab 1000 ha aufwärts - und je nach Kultur - kann man dann aber auch sehr gutes Geld verdienen. Ich kenne allerhand sehr wohlhabende Landwirte. Vom Wissenstand sehe ich allerhand sehr fähiger Profis: das sind vorallendingen die vielen Berater, Kundenbetreuer und Verkäufer des vor- sowie nachgelagerten Bereiches.

    Der Trend in Brasilien ist Ackerbau: Wo bessere Böden vorhanden sind, wird sofort von Viehzucht auf Ackerbau umgestellt - und eindeutig von conventionelle Saat zur Direktsaat (ca. 80 - 85%). Ackerbau bedeutet zwar mehr Risiko, aber auch mehr Gewinn. Die extensiven "cash-crops" sind vorallem Soja, Mais und Baumwolle in der Hauptsaison (Safra), und besonders Mais in der Nebensaison (Safrinha). In São Paulo wird allerdings auch sehr viel Zuckerrohr angebaut, welcher allerdings vollkommen von den Zuckerfabriken bewirtschaftet wird - die Landbesitzer verpachten nur das Land. Von Baumwolle sollte man auch jedem Neueinsteiger zunächst abraten, weil einfach zu viel Technologie und Geld gebunden wird - für die die es können lohnt sich das Geschäft aber allemal! Für den Einsteiger lohnt sich vielleicht Soja - Mais. Bei Soja ist aber gerade das Problem, dass Brasilien seit etwa drei Jahren vom asiatischen Sojarost (Phakospsora pachyrhizi ) heimgesucht wird - ein äusserst virulenter und absolut meldepflichtiger Pilz, der Soja innerhalb weniger Tage niedermacht, ähnlich wie Phytophtora in Kartoffeln. Monitoringprogramme laufen derzeit auf Hochtouren!!! Getreide wird mehr im Süden, aber besonders in Argentinien angebaut, gegen Argentinien kommt brasilianische Getreideproduktion nicht an. In Argentinien wird Weizen in der Hauptsaison angebaut, und Soja in der Haupt- und Nebensaison.

    Viele Landwirte haben vor langer Zeit als Einwanderer mit etwa 50 - 200 ha Land im Süden begonnen, verkauft, mit 1.000 - 5.000 ha im mittleren Westen weitergemacht, verkauft, und siedeln sich jetzt mit 10.000 - 50.000 ha im Mato Grosso an. Das sind dann aber die wirklich Wohlhabenden. Sojabauern und Baumwollpflanzer mit 5.000 - 10.000 ha im Bundestaat Goiás sind aber auch schon wirklich sehr wohlhabende Unternehmen. (Bei ca. 5.000 ha Baumwolle wird man allerdings schwindelig, wenn man sich mal durchrechnet vieviel Geld in einem einzigen Unternehmen pro Saison umgesetzt wird: Maschinen, Diesel, Saatgut, Dünger, Herbizide, Insektizide, Fungizide, Wachstumshemmer, Löhne, Ernte etc etc etc.: In der Adventszeit wird Baumwolle gesäät: auf einer Fazenda 12 Traktoren gleichzeitig in drei Schichten Tag und Nacht, mit zum teil 36-ig reihigen Sähmaschinen - das geht in mehrere Mio. Reais! Bei der Soja- oder Maissaat geht´s nicht viel anders zu, ist allerdings wesentlich unkomplizierter als Baumwolle.)

    Der neueste Trend ist die Ansiedlung in Tocantins, Maranhão oder Bahia. Leute mit viel Erfahrung sind der Meinung dass das absolut machbar sei und haben es auch schon bewiesen.

    Dann gibt´s natürlich viel Obstbau: Orangen und Bananen im Südwesten, sowie werden eine vielzahl des brasilianischen Obstes in Petrolina/PE für den Export produziert - das ist dann aber wirklich was für Spezialisten auf den jeweiligen Gebieten.

    Gemüse wird rund (bis 300 km) um die jeweiligen Grosstädte produziert, und ist oftmals in der Hand von Kleinbauern und besonders von japanischen Einwanderern. Viel Arbeit und wenig Geld!?

    Rinderzucht findet vorallem auf mageren Böden im Mato Grosso, Mato Grosso do Sul aber auch in Sâo Paulo und anderen Bundesstaaten statt. Ich kenne mich mit Tieren nicht so gut aus, habe aber mal einige Kardinaldaten zusammengestellt:

    Eine Alcere (4,84 ha) fast pro Jahr 9 Rinder, das sind 1,8 Rinder pro ha und Jahr.

    Ein Rind kann als Kalb (Nelore) mit 2 - 3 Arobas (30 - 45 kg) zu einem Preis von 200 - 230 Reais angekauft werden, und nach 24 Monaten mit etwa 23 Arobas verkauft werden. Tägliche Gewichtszunahme ca 400 g!

    Bestes Weideland besteht aus Capim Tanzânia oder Capim Elefante (Miscanthus??), gutes Weideland aus Panicum maximum (capim colonião) aber auch brachiaria brizantha, - plantaginea oder - decumbens. Saatgut kostet ungefähr 1,- Real pro kg, es wird ca. 60 kg pro ha ausgesäät.

    Der pH müsste auf ca. 6 korrigiert werden (Kalk) sowie eine jährliche Düngung von 20-0-20 oder auch mal 4-14-8. Gedüngt wird ca. 300 kg Stickstoff pro ha, bei Kosten von ca. 250 Reais pro 100 kg.

    Lecksalz brauchen die Tiere ca. 150 g pro Tag.

    Impfungen sind: 1x Brucelose, 1 x jährlich Tuberkulose, 2 x jA6hrlich Aftose, sowie Insektizidbehandlungen gegen Mosca do chifre und Zecken, weiterhin Entwurmungskuren 1 x pro Jahr. Das kostet so 25,- reais pro Tier und Jahr.

    Für alle 500 Rinder braucht man zwei Arbeiter (peões) mit ca. 2,5 Monatsgehältern, also ca. 600,- Reais pro Monat.

    Dann bräuchte man einen Traktor und einen guten Anhänger.

    Für alle 100 Rinder braucht man ca. 1 Pferd.

    Landkosten:
    Toplagen: GO, PR, SP, MG
    Mittlere Lagen: MT, TO, MS, RG
    schlechtere Lagen: BA

    Eine Alcere Weideland dürfte im Mato Grosso um die 6.000 - 10.000 Reais wert sein. Ackerland in Goiás zwischen 25.000 - 30.000 Reais, und bestes Ackerland für Soja und Baumwolle kann auch schon mal bis 40.000 Reais kosten.

    ...ich hab´ bestimmt etliches vergessen oder???

    Takeo

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    • #3
      Salü Takeo v. Tucher

      danke für deine ausführliche Beschreibung. Hatte keine Ahnung, dass Land so teuer sein kann.
      Auch mit den Angaben über Viehzucht stimme ich dir im Grossen und Ganzen überein.
      Was ich aber aus meiner Erfahrung in MG nicht bestätigen kann, sind die 9 Stück Vieh pro alcere. Ich hoffe, dass ich mal auf diese Nummer komme. Ich muss natürlich erwähren, dass ich eigentlich wenig dünge. Ich mache einige Versuche mit Legumen. Ich und meine Kinder besitzen so um die 120 ha. So um die 70 ha können als Weide genutzt werden. Nicht vergessen 20 % Reserve. Also ich sollte über 100 Stück Vieh halten können. Mit 100 Stück würde ich schon gut überleben. Sonho!!!
      Spezielle Frage : Gibt es irgend ein System mit dem man den cerrado mit Legumen (Guandu, mucuna preta, arachis pintoi etc )besäen kann, ohne Feuer oder ohne alles mit dem Traktor niedermachen?

      Gruss

      Fazendeiro

      Kommentar


      • #4
        Fazenda

        HalloTakeo v. Tucher, hallo Fazendeiro,
        also Fazendeiro, sorry, aber wie Du mit 70 Kühen überleben willst, ist mir ein Rätsel!!!!
        Wie schon an anderer Stelle erwähnt, haben wir (meine Frau und ich) 350 Kühe und 300 Hektar Land (und zwar in Mato Grosso). Davon ist ein Großteil sehr schlechtes Weideland (deshalb bin ich dankbar für die Anmerkungen von Takeo), deshalb werden wir dieses Jahr neues Saatgut aussäen. Aber mit den Preisen von Takeo über das Land bin ich auch nicht so ganz einverstanden. In Mato Grosso (jedenfalls in meiner Gegend, großer Bundesstaat) kostet ein Hektar Land etwa 300,00 Reais, mit gutem Weideland ca. 500,00 bis 600,00 Reais, aber dann spare ich mir auch das Aussäen. Also ich habe mit ca. 650,00 Reais pro Hektar gerechnet (wie gesagt dieses Jahr kaufen wir mehr Land dazu).
        Letztes Jahr (in der Trockenzeit) mußten wir Futter dazu kaufen, weil es zu trocken war und ich zu viele Kühe auf zu wenig gutem Weideland hatte. Die Viecher hatten einfach nichts mehr zu fressen. Dies war relativ billig (weil wie auch schon an anderer Stelle beschrieben, unser Land auf dem Familienland integriert ist, ca. 2000 Hektar). Hier kaufen wir immer alles zusammen, was dann in der Menge sehr preiswert ist. Ich zahle pro Kuhe etwa pro Jahr 15 Reais + Steuern für das Land.
        Trotzdem denke ich, daß wir viel zu wenig haben. Ich träume von 1000 Hektar Land und etwa 1000 Kühen (gutes Weideland), dann werde ich erst hier die Zelte abbrechen. Alles andere ist viel zu wenig zum überleben. Oder was denkst Du, Takeo??!! Das mit dem Kalk wußte ich auch noch nicht, habe ich auch noch nie gesehen, ich glaube, daß macht in MT keiner.
        Auch mit den Angestellten, die Takeo angegeben hat, ist es in MT völlig anders. Auf unserer Fazenda (insgesamt ca. 2000 Hektar und 1200 Kühe) arbeitet mein Schwager und ein Angestellter, wobei mein Schwager noch 60 Milchkühe hat, diese täglich melkt und die Milch selbst ausliefert. Der Angestellte wohnt bei ihm auf der Fazenda, in der Stadt hat er ihm jetzt ein Zimmer eingerichtet. Der Angestellte lebt seit der Kindheit bei meinem Schwager, kann nicht lesen und schreiben und kostet wahrscheinlich meinem Schwager keinen Pfennig, bis auf ein wenig Taschengeld, Kleidung, Essen etc. Dies ist keine Sklaverei, sondern in MT absolut normal, die Leute sind auch dankbar für solch einen Job, wobei ich glaube, wenn ich soweit bin, werde ich einen Angestellten fest einstellen mit normalen Lohn usw. Bei größeren Arbeiten (Vieh zusammentreiben, Impfungen usw.) helfen eh die Familienangehörgen bzw. deren Söhne (Freund ist auch Tierarzt und führt die Impfungen kostenlos durch). So gesehen, habe ich es sicherlich einfacher.
        Liebe Takeo, ich würde mich freuen, wenn Du mir mitteilen könntest, wieviel Vieh und Land man ungefähr braucht, um einigermaßen gut davon zu leben (2 Erwachsene, 2 Kinder).
        Vielen Dank für Deine Mühe,
        Günter

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        • #5
          Aufpassen Takeo hat von Preisen für den alquere geschrieben.

          Es gibt den alquere paulista = 2,4 ha, den alquere mineiro = 4,8 ha
          usw.

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          • #6
            Salü Günther S.

            Ich schrieb 100 Stück Vieh, also Mastrinder. Mit einer Gewichtszunahme von 0,5kg pro Tag (was möglich ist). Verkaufe ich pro Jahr 600 arobas Fleisch. Das gibt mindesten R$ 30000 minus so R$ 10000 Unkosten. Bleiben mir R$ 20000 rein. Davon kann ich und meine Frau leben. Meine Kinder sind bis dahin ausgeflogen. Ich brauche nicht viel Geld, plus bin ich ja Selbstversorger. Vieles produziere ich ja selber.
            Zurück zur Gewichtszunahme, in der Regenzeit, sagen wir mal 5 Monate vom Jahr hat man gute Weide, wo die Rinder bis über 1kg pro Tag zulegen können. Nur in den meisten Fällen verlieren sie einiges von diesemGewicht während der Trockenzeit. Die Kunst ist also, ein System zu haben wo die Viecher in der Trockenzeit kein Gewicht verlieren oder sogar ein bischen gewinnen.
            Wie ich sehe, hast du schon ganz brasilianische Mentalität man muss viel Land haben um was rauszuholen. Stimmt aber nicht ganz. Klar wenn man 1 ha für R$ 300 kaufen kann, macht es oberflächlich gesehen keinen Sinn zB R$ 250/ ha auszugeben um zu düngen. Da hat unser Agronom sicher auch was zu sagen.
            Meine Erfahrung über Mast hier ist folgende, ohne zu düngen also richtig den Boden aussaugen, kommt man auf einen Gewichtszuwachs von so 0,3kg/Tag. Aber die Weide geht in so 10 Jahren kaputt und du musst mehr abholzen um wieder guten Boden zu kriegen. Es is ja bekannt hier, dass zirca 50% der Weiden total ausgelaugt sind. Man müsste eigentlich nicht neue Gebiete erschliessen sondern die Weiden zu erneuern. Was zum Teil auch gemacht wird.
            Wie gesagt wir haben zusammen so 120 ha, damit sind wir in der Gegend schon die grösseren Landbesitzer. Ein Bekannter von mir besitzt so um die 30 ha hat über 100 Viecher. Kühe Kälber Rinder etc. Aber betreibt den Laden sehr arbeitsintensiv, was ich eigentlich vermeiden will. Ich will nicht den Kellner von meinen Tieren sein, die habe 4 Beine und können sich das Fressen selber holen. Weil grasmähen, heuen, einfüttern etc habe ich in meiner Jugend zur Genüge gemacht und ich sehe auch nicht ein, dass man sowas in Brasilien machen muss. Land gibt es ja genug.
            Tip an dich Günther, pflanze Obstbäume an, nur für den Eigengebrauch, da diese einige Jahre brauche um zu produzieren. Es ist ja Scheisse, dass man auf einer fazenda lebt und keine Früchte hat.
            Du schreibst immer von Kühen, wenn du aber 1000 Kühe hast, hast normalerweise so um 800 Kälber dazu. Wie du schreibst, müsst ihr in der Trockenzeit Futter zukaufen, das heisst also dass diese Tiere in der Trockenzeit Gewicht verlieren, was sie dann in der Regenzeit wieder gewinnen . Darum brauchst du auch 4 Jahre bis eine Kuh R$ 450 wert ist. Die grossen Viehzüchter schlachten ihre Mastrinder mit max 2 ½ Jahren mit einem Gewicht von mindesten 16 arobas was so einen Preis von über R$ 800 ausmacht. Die Tendenz in der Viehzucht geht in dieser Richtung. Jüngere Tiere zarteres Fleisch, besserer Preis. Nur verwenden diese Viehzüchter, die neusesten Produktionsmethoden.
            Tja gestern habe ch von einem deutschen Bekannten gehört, dass er seine Landwirtschaft hier in Brasilien nach 20 Jahren an den Nagel gehängt hat, weil er nur Geld rein gesteckt hat. Es gibt ja einen Spruch hier, eine fazenda bringt zweimal Freude, einmal beim Kaufen, das zweite Mal beim Verkaufen.

            Tschau

            Fazendeiro

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            • #7
              Landwirtschaft

              Hallo Fazendeiro,
              vielen, vielen Dank für Deine hilfreichen Tips. Aber noch eine Frage: Wieviel arobas sind wieviel kg???
              Es ist richtig, mein Ziel wäre 1000 Kühe, als 1000 Stück (alles zusammen). Mit Mast hatte ich mich eigentlich noch gar nicht beschäftigt, wie schon einmal gesagt, läuft es in Pocone so ab, daß alle ihr Vieh entweder privat verkaufen (Fazendeiro, Schlachthaus) oder halt auf der Viehauktion (jeden Sonntag). In der Trockenzeit sind die Viecher relativ billig (Juni bis September). In dieser Zeit kaufe ich meistens Novilhas (20 Monate), nach weiteren zwei Jahren, wenn die Kühe dann fett sind, werden sie verkauft (falls man/frau Geld braucht, ansonsten zur Aufzucht). Deshalb verwundert mich das, wenn Du Kälber mit 2,5 Jahren verkaufst und die fett sind bzw. schlachtreif sind. Bitte verstehe mich nicht falsch, ich glaube Dir schon, nur hat das meines Wissens in meinem Dunstkreis in MT noch keiner gemacht. Deshalb weiß ich auch nicht, ob der Markt dafür in MT vorhanden ist. Aber 800,00 Reais statt 450,00 (wenn überhaupt 450,00, oft unter 400,00) hört sich natürlich viel besser an.
              Noch eins, ich freue mich wirklich über Deine Beschreibungen, damit hilfst Du mir wirklich viel weiter um meine Ideen/Pläne weiter zu schmieden. Aber sorry, mit 20.000 Reais kommen wir leider nicht aus. Allein die Schule für meine Kinder (Schulgeld, Materialien) und Krankenversicherungen verschlingen schon ein Vermögen (etwas 1000,00 Reais), plus Strom/Wasser, was in MT auch sehr teuer ist. Also ich habe ausgerechnet, daß wir ca. 40-50.000 Reais pro Jahr brauchen. Bitte nicht falsch verstehen, ich will keinen Luxus, bin auch sehr anspruchslos, aber gut Essen, Trinken, ab zu mal ein Konzert, eine CD kaufen, alle 4-5 Jahre ein neues Auto, vielleicht auch mal ab und zu einen Urlaub (alle 2 Jahre), das sollte schon sein. In 15 Jahren bin ich wahrscheinlich schon so alt und krank, daß ich dann weniger brauche, aber im Moment. Unser Haus haben wir schon (in der Stadt), Motorroller auch, Auto auch schon, einige Einrichtungsgegenstände fehlen noch.
              Noch eine Frage, Fazendeiro. Verkaufst Du Dein Fleisch direkt an den Schlachter oder die ganze Kuh? Schlachtest Du selbst oder läßt Du schlachten? Was ist mit den anderen Teilen der Kuh (Fell, Horn etc.), verkaufst Du aus? Oder macht das der Schlachthof direkt?
              Vielen Dank für Deine Mühe,
              Günter

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              • #8
                Salü Günther S.

                Hier ist ein Link für Schlachtpreise.
                http://www.tortuga.com.br/Cotacoes/CotProd.asp?menu=10
                @arroba sind 15 kg geschlachtes Fleisch. Beim Stier Lebendgewicht geteilt durch zwei, geteilt durch 15.
                Bei Kühen das Gleiche, je nach Gegend werden noch 10 bis 20 kg extra abgezogen wegen der Gebärmutter etc.
                Eine fette Kuh wiegt so 12 bis 16 @. Ein Stier bis 16 bis 22 @
                Kalken und pH Wert. Der Boden in den Tropen, Brasilien inbegriffen ist sehr sauer ( pH 4 -5 )und sehr Aluminium haltig. Wenn der Boden zu sauer ist können die Pflanzen die Nährstoffe nicht richtig aufnehmen und zuviel Aluminium schadet auch sehr. Dadurch, dass man kalkt versucht man auf einen höheren pH Wert zu kommen. Damit die Pflanzen die Nährstoffe besser verarbeiten können. Wie es genau vorgeht weiss ich nicht. Sollen andere erklären. Wieviel Kalk braucht man für eine Hektar? Faustregel 2-3 t /ha schaden nichts. Das Teure am Kalk ist der Transport und das aussäen. Wie gesagt um einmal richtig zu düngern, wirst du so um die150 bis 250 R$ / ha rechnen müssen.
                Da Brasilien vorallen saure Böden hat versucht man Grasssorten zufinden, welche auf sauren Böden gut wachsen. Um die Stickstoffdüngung zu vermeiden pflanzt man Legumes an, welche den Stickstoff aus der Luft nehmen und über die Wurzeln in den Boden verschieben. Es sind zum Teil alte Techniken, aber dennoch hier beinahe unbekannt.
                Was heute auch gemacht wird um Dünger zu sparen, Ackerbau und Viehzucht werden vereinigt. Man vergiftet/vertrocknet alles Gras, säet Mais und Grasssamen auf verschieden Tiefen an. Wenn der Mais geerntet wird hat man die schönste und fetteste Weide beinahe gratis. Nur man muss radikal mit Gift umgehen um mit diesem System zu arbeiten. Ist eigentlich nichts für mich. Aber die Leute verdienen recht Geld damit.
                Da mein Land sehr hügelig ist, kann ich vielleicht die Hälfte mechanisch bearbeiten. Ich besitze bis jetzt auch keinen Traktor. Wenn Maschinenarbeit anfällt macht mir einer die Arbeit. Ich denke so lange ich nicht auf der fazenda wohne werde ich auch keinen Traktor kaufen. Da meine gutausgebildeten Leute den kaputt fahren.

                Ich kann das gut nachvollziehen mit dem Geld, glaub mir R$ 20000 sind heute auch für mich nicht genug. Ich denke es liegt noch höher als was du rechnest. Aber in max 3 Jahren sind meine Kinder ausgeflogen. ich werde mein Haus in der Stadt verkaufen, eine kleine Wohnung in der Stadt kaufen für Besuche etc und mich auf meine fazenda zurückziehen.
                Wenn ich Vieh verkaufe entweder an die Schlachter in der Umgebung oder umtauschen für Jungvieh. Den letzten Tausch war pro kastrierten Oxen 3 Jährlinge. Der Preis heute auf der fazenda ist über 16 @ R$ 56 unter 16 @ 55. Letztes Wochenende ich habe meinem Vaqueiro den Auftrag gegeben 4 Bullen von ungefär 14@ gegen 8 gutfleischige Rinder mit ungefähr 7@ einzutauschen. Diese 4 Bullen sind gut 3 jährig. Aber die wurden nur auf der ungedüngten Weide gehalten.

                Ich müsste unbedingt noch mehr Tiere haben aber ich habe leider zur Zeit keine Kohlen. Ich hole sie bei dir.
                Preislich bezahlst du hier für gutes Jungvieh pro @ mehr als für schlachtreife Tiere.
                Ich schlachte manchmal selber also dh ein Schlachter macht das für uns.
                Ich glaube du unterschätzt MT wegen Viehzucht. Viele der modernen Viehzüchter sind dort angesiedelt. Aber meistens arbeiten die Hand in Hand mit den Schlachthöfen, da siehst ihre Tiere nie. Die verdienen zur Zeit Geld mit den Fleischpreisen.
                Wie oben beschrieben wenn du deine Weide nicht düngst kriegst du kein Wachstum und deine Rinder/Kühe werden erst spät brünstig.
                Aber alles hat seinen Preis. Düngen kostet sehr viel Geld.

                Tschau

                Fazendeiro

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                • #9
                  Rindvieh

                  Hallo Fazendeiro,
                  vielen Dank für Deine schnelle Antwort, damit hast Du mir echt viel weitergeholfen. Ich habe jetzt eine Basis, um mich genau zu erkundigen, muß halt nur meinen Schwager fragen, der weiß eigentlich alles übers Vieh, vielleicht kennt er Leute (bisher hatte ich nicht viel mit ihm darüber geredet), die direkt an den Schlachthof verkaufen bzw. reine Leute mit Mastvieh. Ich weiß, daß in Mato Grosso sehr viele Viehzüchter sind (Reiche), die mehr als 20.000 Kühe haben, ich kenne sogar einen, der hat über 30.000 Kühe, aber einen sehr persönlichen Kontakt habe ich zu diesen Leuten nicht, kenne mehr die kleineren Bauern mit etwa 4-5000 Kühe oder viel weniger.
                  FAKT ist einfach bei mir, daß ich, bevor ich hier alle Zelte abbreche, auch eine sichere Grundlage bzw. einen guten Anfang haben und mich einigermaßen auskennen möchte (Ziel, Perspektive etc.). Das heißt, erst das Land, gutes Weideland mit Dünger und dann mehr Novilhas kaufen. Wie gesagt, wenn ich 800 bis 1000 habe, mache ich hier eine Flocke. Ich hoffe, daß ich in den nächsten 2-3 Jahren die Kohle habe, um alles bis dahin fertig zu haben. Dieses Jahr (Juni) werde ich erst einmal noch ca. 500 Hektar dazu kaufen (Familienfazenda). Dann hätte ich etwa 800 Hektar, das muß reichen, mehr ist finanziell nicht drin. Das hängt davon ab, wieviel Geschwister meiner Frau ihren Anteil verkaufen wollen. Das sind alles Leute, die nichts mit Landwirtschaft am Hut haben und in der Stadt wohnen und dort einer völlig anderen Tätigkeit nachgehen. Habe ich dann das Land, werde ich anfangen umzupflügeln, Saat, Düngen etc. Dieses Jahr werde ich wahrscheinlich keine Kühe mehr kaufen. Habe ich das Land, werde ich es Stück für Stück bearbeiten lassen, etwa 50-100 Hektarweise, bis ich fertig bin, mal sehen wie alles klappt. In den nächsten 3 Jahren, spätestens 4 Jahren, möchte ich fertig sein. Mein Schwager hat mir schon gesagt, daß es 250,00 bis 300,00 Reais pro Hektar kostet (mit Traktormiete, Saat etc.). Ob allerdings Düngemittel dabei ist, vage ich zu bezweifeln, muß noch mal nachfragen.
                  Lieber Fazendeiro, nochmals vielen Dank für Deine guten Tipps,
                  viele Grüße
                  Günter

                  Kommentar


                  • #10
                    Salü Günter S.

                    Ich stelle einen Stück von einem Bericht über die Fruchtbarkeit der Viecher rein.

                    http://www.inseminacaoartificial.com...eprodutivo.htm

                    6.4.3. ESTAÇÃO REPRODUTIVA

                    6.4.3.1. ESTAÇÃO REPRODUTIVA DE NOVILHAS

                    Com o uso estratégico de pastagens cultivadas de maior disponibilidade e qualidade durante a estação seca, uma melhor condição nutricional é proporcionada às novilhas que serão enxertadas e às novilhas de 1ª cria.

                    Assim sendo, as novilhas paridas (primíparas) têm menor desgaste orgânico, favorecendo ao aparecimento do 1° cio fértil e as novilhas a serem enxertadas atingem mais rapidamente a condição corporal desejada.

                    As novilhas provenientes de cruzamentos são mais precoces e, portanto, atingem sua maturidade sexual mais cedo, quando comparadas com as Zebuínas. Contudo, para expressarem maior potencial, necessitam de alimentação de melhor qualidade. Se a propriedade dispõe de boas pastagens e eficiente controle de ecto (parasito externos) e endo (parasitas internos) parasitas, estas novilhas cruzadas podem ser criadas juntamente com as novilhas Nelore. Novilhas com pouco desenvolvimento, embora possam ter idade avançada, normalmente não apresentam cio.

                    A estação reprodutiva das novilhas deve ter início e término de 25-45 dias antes que a das vacas, uma vez que as novilhas de 1ª cria apresentam intervalos maiores entre parto e primeiro cio fértil, quando comparado com as vacas, sendo que o tamanho associado a seu peso (desenvolvimento corporal) é mais importante que a idade.

                    A idade à época de maturidade sexual vai depender da raça e da alimentação.

                    O peso ideal para serem selecionadas ao programa reprodutivo, de novilhas Nelore, está em torno dos 270-280 kg/vivo, atingindo este peso, em criações extensivas, por volta dos 25-30 meses. No entanto, em condições de pastagens melhoradas, pode ser reduzida para 20-24 meses. Já para as novilhas com sangue europeu, por volta dos 300-320 kg/vivo, dependendo da alimentação fornecida, a partir dos 12-18 meses.

                    Assim sendo, cada raça tem seu peso ideal à primeira concepção e este peso deve ser respeitado, se o criador desejar que este animal atinja seu total desenvolvimento.

                    Mesmo que estas novilhas entrem em cio antes desta condição, elas não devem ser cobertas, pois corre-se o risco de não conseguir manter as exigências nutritivas ao seu bom desenvolvimento.

                    Würde anraten mal mit einem Agronom in Mato Grosso zu sprechen. Hol dir seine Ratschläge ein, musst ja nicht alles glauben. Lerne über elektrische Zäune, lebendige Zäune etc
                    Es gibt einige deutsche Universitäten, welche Studien über tropische Grass und Legumesweiden Studien machen. Eine davon ist Uni Giessen. Frag die mal. Wie gesagt mach auch mal was neues, auch wenn alle sagen der ist verrückt. Manchmal klappts halt doch. Was gibt es dann für eine Schadefreude.

                    Tschau

                    Fazendeiro

                    Kommentar


                    • #11
                      Zitat von Fazendeiro
                      Salü Günther S.
                      Man vergiftet/vertrocknet alles Gras, säet Mais und Grasssamen auf verschieden Tiefen an. Wenn der Mais geerntet wird hat man die schönste und fetteste Weide beinahe gratis. Nur man muss radikal mit Gift umgehen um mit diesem System zu arbeiten. Ist eigentlich nichts für mich. Aber die Leute verdienen recht Geld damit.
                      huiuiui, das hört sich ja fürchterlich schlimm an, ist´s aber nicht:

                      Dessecação: 2 -3 ltr/ha Glyphosate oder Sulfosate, oft noch einen Nachtrag mit Paraquat (Gramoxone) 1 ltr/ha! Macht hier jeder, um einen Acker für die Direktsaat vorzubereiten, und ist wirklich nicht´s wovor man sich fürchten muss (weder ökologisch noch finanziell)!

                      Ich plädiere sehr für eine (relativ) regelmässige Ausgleichsdüngung - Fazendeiro hat vollkommen recht, damit kann man nachhaltig gutes Weideland erhalten - und die Rinder danken´s einem. Das muss man einfach mal durchrechnen, ich glaub´aber, das sich das schon rechnet. Auch ökologisch ist nachhaltig genutztes Weideland sinnvoller: Qualität statt Quantität! Aber aufpassen mit dem Mato: wenn eine schlechte Weide verwaldet, kann es sein, dass man sie wegen Abholzungsverbot nie wieder zurückbekommt.

                      Eine pH Korrektur ist nur für den Anfang sinnvoll. In der Regel sind brasilianische Böden halt sauer (Feralsole bzw. Oxysole), die, wenn sie einmal auf pH gebracht werden, relativ fruchtbar werden und eine gute Struktur aufweisen.

                      Ich redete von alquerões - alqueres mineiros = 4,84 ha! Man muss sich ein Rotationssystem einfallen lassen: das Weideland muss sich ausruhen können (aber nicht verwildern!). Soya oder eine billige Leguminose einzubauen lohnt sich bestimmt! Da gibt´s allerhand Möglichkeiten!

                      Ich denke, dass man ab 1000 Rinder einen relativ guten Lebensstandard haben kann - wir dürfen nicht vergessen, dass unsere Ansprüche als Europäer langfristig doch etwas höher sind - und hier meine ich einen normalen Rahmen, ohne Luxus, aber Sicherheit! Vielleicht wollen wir doch aus kulturellen Gründen ab und zu mal nach São Paulo, Cuiabá oder Goiânia? Dann muss ich auch Günter recht geben: wir können vielleicht auch mal innovativ sein - wer sagt, dass die hiesigen Matogrossenses die Weisheit mit Löffeln gefressen haben, trotzdem müssen wir im Rahmen der gängigen Praxen bleiben - allein schon aus logistischen Gründen!

                      Arbeitskraft: Dass Günter einen befreundeten Tierarzt hat ist zwar okay, aber ich denke dass auch ein Freund Geld verlangen wird, sobald der Zug finanziell ins rollen kommt! Auch muss man mit den Arbeitsgesetzen etwas vorsichtig sein: wenn man schon ewig einen Angestellten hat okay, aber langfristig sollte man doch ein gängiges Gehalt zahlen, und vorallem die Sozilagesetze einhalten - nie vergessen: sobald es wirtschaftlich voran geht, melden sich überall die Mitinteressenten, Schuldiger, oder die die es werden möchten! Also, auf der hut sein!

                      Takeo

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                      • #12
                        Hallo Günther S.

                        habe hier noch 2 sites. Schau die mal an.

                        http://www.cpap.embrapa.br/
                        hhttp://www.ceasaminas.com.br/menu/info/default.asp
                        Gruss

                        Fazendeiro

                        Kommentar

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