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    Neues aus Sepetiba

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      Der Kreis schließt sich wieder.

      Nachdem Lemi den Stadtteil Leme in Rio vor geraumer Zeit hinter sich gelassen hatte und zum Mineiro mutierte, bricht er nach Stippvisiten in Bahia und einer Liebelei mit dem „Heiligen Geist“ von Setiba wieder ins alte Domizil auf: Rio de Janeiro!

      Doch nicht wie beim ersten Mal, um seine ersten Erfahrungen mit den brasilianischen Damen zu machen, sondern diesmal zum Arbeitseinsatz in Sepetiba ... genau der Thyssen-Krupp-Baustelle, dessen Direktor kürzlich im AF-447 Flug der Air France tödlich verunglückte.

      Ob es Lemis vererst letzte Station in Brasilien sein wird, entscheidet sich erst nach der Ausführung seiner Mission. Zumindest wäre es ein ehrwürdiger Abschluss, einen weiteren Teil der brasilianischen Eisenerzwirtschaft in Betrieb zu nehmen.

      Der Name RIO klingt einfach wunderbar! Doch weder Arbeitsort noch Unterkunft befinden sich im eigentlichen Rio. Die Bucht von Sepetiba mit dem Vorort Santa Cruz befindet sich ca. 70 km von Rio´s Zentrum entfernt, ist aber leicht über die Avenida Brasil oder auch über Recreio und Barra zu erreichen.

      Ich setze mich Montagmorgen bei ca. 12 Grad Ortstemperatur in Belo Horizonte in meinen noch vom letzten Sitio-Wochenende eingestaubten VW GOL. Mittlerweile hatte ich meinen 1.0L-Motor-Antrieb gegen einen spritzigen 1.6L-GOL eingetauscht, was sich wesentlich auf die Fahrzeit und den Komfort der 450-km langen Fahrt auswirken sollte, denn schließlich hatte die 1.6L-Version auch eine Servolenkung. Welch Luxus! Allerdings ist er mit einem Verbrauch von 12 Litern Alkohol auf 100 km (ohne Benutzung der Klimaanlage) nicht gerade ein Sparwunder.

      Nachdem ich den GOL in den letzten Monaten 7 mal nachts auf der Strasse gelassen hatte und er genau 7 mal aufgebrochen wurde, allerdings nur beim ersten Mal mit Verlust meines Autoradios (ich ersetzte es nicht, weil ich wusste, dass es sowieso wieder geklaut werden würde), wollte ich die lange Fahrt nicht ohne meine Lindenberg-CD verbringen und investierte kurz vor Abfahrt noch in ein neues Radio. Nicht dass ich Hoffnung habe, dass mir das Ding in Rio nicht geklaut werden würde, aber Lemi sagte sich: „Neue Hoffnung, neues Glück“ ... und ab gings auf die BR.

      Nachdem ich auf den Bundesstrassen BR-101 und BR-262, beide berühmt-berüchtigt durch ihre chronische Überlastung und zahlreiche Unfälle mit Todesfolge, einige solcher Tragödien live miterleben musste, reihte sich die mir bis dato nicht unbekannte BR-040 nahtlos in Reihe der Katastrophen-BR´s ein.

      Kurz vor Santos Dumont, benannt nach dem dort geborenen (nach öffentlicher brasilianischer Meinung) Erfinders des Flugzeugs, dachte ich mir noch „mein Gott, diese Kurven hätten die aber auch etwas mehr begradigen können ...“ und schon bekam ich die ersten Lichthupen des Gegenverkehrs ins Gesicht geblendet. Dies konnte im Prinzip nur 2 Dinge bedeuten: Polizei oder Unfall. Letzteres war der Fall. Just in einer dieser engen Kurven hatte sich ein LKW auf seine Breitseite gelegt. Polizei und Schaulustige waren bereits vor Ort. Weitere, für die anliegende Bevölkerung nicht unwichtige Aktivitäten waren bei näherem Hinschauen im Gange. Die durchaus wertvolle LKW-Ladung wurde bereits fachgerecht „entsorgt“ (SIEHE FOTO - UNTEN). Alles unter den Augen der offenbar gelangweilten Polizei. Ihre Funktion schien lediglich darin zu bestehen zu kontrollieren, dass jeder Anwohner maximal einen Sack entwendet ... genau, es waren Zementsäcke!

      Nachdem ich bereits das Ausräumen von Joghurt und Holzkohle-LKW´s miterlebt hatte, war nun eine für Brasilianer weitaus bedeutendere Ware an Bord des umgestürzten LKW´s. Welcher Brasilianer träumt nicht vom „Casa própria“, dem eigenen Haus, und wenn es auch nur in einer Favela in Santos Dumont ist. Der durchaus ehrenwerte, wenn auch umstrittene Vater der Flugtechnik (die Gebrüder Wright aus den USA nehmen das Recht der Flugzeugerfinder ebenso in Anspruch!) hätte seiner Stadt sicherlich geradere Pisten geschenkt, nicht zuletzt um sein Hobby des Fliegens (und auch Landens) frönen zu können.

      Doch Brasilien wäre nicht Brasilien, wenn es nicht in einem Augenblick sein Gesicht ändern könnte. Der Wandel kam ein paar Kilometer später, in Juiz de Fora. Die Firma CONCER kündigte in großen Lettern an „Hier beginnt eine Mautstrecke“. Von nun an musste der Steuerzahler also zweimal für die gleiche Strasse blechen: Einmal an den Staat in Form der Autosteuer und das zweite Mal direkt an den über die kommenden 200 km verteilten 3 Mautstationen. Summa summarum waren es 21,60 R$. Dafür gab es dann aber perfekten Asphalt auf einer 2-spurigen Autobahn. Schlaglöcher Fehlanzeige.

      Vorbei am Mercedes-Werk, wo momentan nur Sprinter-Klein-LKW´s hergestellt werden gings über eine serpentinenreiche Strecke durch die Serra von ca. 1000 m ü.M. auf Höhe Meeresspiegel nach Rio herunter. Ein Toyota Corolla, der mich schon die gesamte Strecke „verfolgte“, schien plötzlich übermütig zu werden und drückte auf die Tube und überholte mich. Ich nahm die Herausforderung an und so ging es mit quietschenden Reifen durch gut ausgebaute Serpentinen talabwärts in Richtung Baia Guanabara. Ich brauche sicherlich nicht zu erwähnen, dass der Toyota nur zweiter Sieger wurde ...

      Vorbei an Flickenteppich-Verkäufern, Goldbananen-Ständen und später zahlreichen Möbelläden ging es in Richtung Linha Vermelha. Für Lemi bekanntes Terrain. Schließlich hatte er seine ersten Eroberungen genau dort gemacht. Marta aus dem Stadtteil Maracanã war nach der „Barbarella-Juliana“ Nummer 2 auf der Liste seiner Eroberungen (keine Angst ... ich führe keine Namensliste). Zugegebenermaßen handelte es sich bei Juliana weniger um eine Eroberung, aber ihre Zügellosigkeit und ihre indianischen Gesichtszüge (ganz zu Schweigen von ihrer Figur) hatten mich völlig in den Bann gezogen. Sie hatte etwas raubtierhaftes und unterstrich dies durch ihr Minikleid im Tigerfelldesign. Rein optisch die perfekte Frau. Marta war da anders. Auf den ersten Blick war sie etwas mager und hatte auch kein besonders hübsches Gesicht, trotzdem hatte sie die Eigenschaft Lemi mit ihren erotischen Blicken und vielsagenden Versprechungen verrückt machen. Es war so gut wie unvermeidbar, dass wir 2 Stunden nach unserem Aufeinandertreffen auch schon zusammen im Bett lagen. Marta war erfahren. Und das war für den damals noch fast unschuldigen Lemi, der die brasilianische Damenwelt bis dahin nur optisch, aber kaum körperlich wahrgenommen hatte, Gold wert. Man kann es auch richtungsweisend nennen, denn von da an ließ ihn diese Rasse nicht mehr los.

      Entschuldigt. Ich merke schon ... ich schwenke ab. Genau das musste ich in diesem Augenblick auch tun, denn ich sah das Schild zur Linha Amarela, bekannt aus zahlreichen Favela-Kriegen. Wenn man sich durch die anfangs recht enge Linha Amarela schlängelt, bekommt man ein Gänsehautgefühl. Links und rechts, scheinbar in greifbarer Nähe, reihen sich die Favelas wie Perlen an einer Kette auf. „Perlen“ ist natürlich das falsche Wort. Es sind stinkende Kloaken, die manchmal durch ein paar Farbspritzer an einigen wenigen Häuserwänden des ansonsten endlosen Backsteinmeeres, fast romantisch wirken. Aber weit gefehlt. Mit Romantik hat dies wenig zu tun. Seitdem sich Auswanderer aus dem Nordosten Brasiliens in einer scheinbar endlosen Schlange an den Favela-Eingangstoren einreihen, wird die Armut und Kriminalität in solchen Städten wie Rio und São Paulo von Jahr zu Jahr schlimmer und vor allem unkontrollierbarer!

      Doch wieder passiert das Wunder. Plötzlich taucht im Favela-Meer ein Gebilde auf, dass von moderner Architektonik geprägt ist und meine immer mehr im Trübsinn verhängenden Gedanken wieder aufzucken lässt. Rechterhand sehe ich das Stadion João Havelange, erbaut für die 2007 in Rio stattgefundenen Panamericano-Spiele.

      Das Stadtbild ändert sich jetzt ständig. Mittelklasse-Viertel, Favelas, Hochhäuser, Shopping-Center und dann der Tunnel nach Barra da Tijuca. Vorher muss ich noch 3,60 R$ Mautgebühr abdrücken. Nachdem ich den Tunnel durchquert hatte, fühlte ich mich wie in Downtown einer modernen nordamerikanischen Großstadt. Es war unglaublich, wie Rio sein Gesicht wechseln konnte.

      Ich bog aber schnurstracks in Richtung Recreio ab, wo sich, was ich bis ein paar Stunden vor Ankunft in Rio noch nicht wusste, meine Unterkunft befinden sollte.

      Ich hatte die Baustellensekretärin auf dem Weg nach Rio angerufen und gefragt, wo ich eigentlich hinfahren sollte. Sie gab mir eine diskret erscheinende Adresse durch, die sich als ein wahrer Luxusbunker entpuppen sollte. Es ist eines dieser Aparthotels mit allem Schnickschnack wie Pool, Fitnessraum, Espaço Gourmet etc. Zimmer mit Blick aufs Meer, wo die Jungs ihre Surfkünste unter Beweis stellen wollten. Der Anblick war wunderschön (SIEHE FOTO - UNTEN). Es war eigentlich wie Urlaub, doch es sollte das letzte Mal sein, dass ich diesen Anblick genießen sollte. Von nun ab hieß es wieder Baustellenalltag und das bedeutend unter anderem das Haus vorm Sonnenaufgang zu verlassen und nach Sonnenuntergang zu betreten.

      Die unmittelbare Strandnähe brachte mir also nichts Wesentliches. Vielleicht für ein paar Tage gut und schön, aber Lemi muss unters Volk und das heißt eine Bude in Santa Cruz, nähe der Sepetiba-Baustelle, suchen. Um das in der Firma durchzukriegen, wird wohl etwas Überzeugungsarbeit nötig sein. Nicht aus Kostengründen, aber die SICHERHEITSBEDENKEN.

      Fortsetzung folgt bestimmt ...
      Angehängte Dateien
      Zuletzt geändert von Lemi; 31.10.2009, 09:38.
      Man sieht sich,
      in der Unterschicht.


      http://lemi-buecher.de
    • #2

      AW: Neues aus Sepetiba

      Oi Lemi,
      danke für den Bericht.
      Aber zwei Dinge stimmen nicht:
      1. das Stadion liegt links , wenn Du von der Linea Vermehlo kommst und
      2. Pedagio kostet 3,85 $RS.

      Aber sonst alles prima, guter Bericht und weiter so , hoffe kommt mehr.


      Chris

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      • #3

        AW: Neues aus Sepetiba

        Zitat von swisschris Beitrag anzeigen
        Aber zwei Dinge stimmen nicht:
        1. das Stadion liegt links , wenn Du von der Linea Vermehlo kommst und
        Stimmt vollkommen ... es war links.

        Zitat von swisschris Beitrag anzeigen
        2. Pedagio kostet 3,85 $RS.
        Stimmt natürlich auch. Ich war zu faul auf dem Comprovante nachzuschauen. Waren ganz einfach zu viele Infos aus einem einzigen Tag, die ich versucht habe abends bei 2-3 Bier niederzuschreiben.

        Zitat von swisschris Beitrag anzeigen
        Aber sonst alles prima, guter Bericht und weiter so , hoffe kommt mehr.
        Bin selber schon gespannt ...
        Man sieht sich,
        in der Unterschicht.


        http://lemi-buecher.de

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        • #4

          AW: Neues aus Sepetiba

          Also, Lemi, irgendwie ... wir wandern ziemlich häufig auf den selben Pfaden ... Papagaio (MG), Recreio/Barra (RJ), Santos (SP), Sepetiba (RJ), Setiba/Meiape (ES), ... D

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          • #5

            AW: Neues aus Sepetiba

            Zitat von supergringo Beitrag anzeigen
            Also, Lemi, irgendwie ... wir wandern ziemlich häufig auf den selben Pfaden ... Papagaio (MG), Recreio/Barra (RJ), Santos (SP), Sepetiba (RJ), Setiba/Meiape (ES), ... D
            Und demnächst auch noch FFM ... selbst bei den Namen unserer Ex-Namoradas gibt es seltsame Gleichnisse ... Juliana kann ich ja noch verstehen, aber bei Keity hören die Zufälle dann langsam auf.

            Bin heute gleich bei meinem ersten Erkundungsgang in der näheren Umgebung voll in eine Favela reingeschlittert. Keine 50m von der Hauptstrasse entfernt und schon war man mitten drin. Ich glaube, sie hiess "Rapadura", bin mir aber keineswegs sicher. Ich sah nur ein paar Busse mit dieser Aufschrift an ihrer Endstation.

            Es ist alles als würde ein Film vor mir ablaufen. Die Gassen, brennender Müll, Karaoke-Bars mit besoffenen Typen, aussagekräftige Blicke der Negerinnen (weisse Frauen gabs keine) und der penetrante Güllegestank nach verdorbenen Eiern. Es baut sich sofort eine innere Spannung im Körper auf. Man rechnet insgeheim mit einer Pistole im Genick und wundert sich, dass dann doch nichts passiert. Einen Schlenker in die Seitengassen habe ich vorläufig unterlassen. Ich kenne noch niemanden dort und es wäre sicherlich zu gefährlich. Aberes ist nicht aller Tage Abend und über einen Eisverkäufer am Strand oder über unsere Putzfrau in der Baubude bekomme ich sicherlich schnell eine Eintrittskarte in welche Favela auch immer. Eins ist schon klar: Die Favelados sind hier bedeutend schwärzer als in Belo Horizonte. Sie haben aber den gleichen Stolz und den gleichen Antlitz in den Augen. Mich zieht das Leben dort magisch an. Ich weiss nicht warum. Es kann der Adrenalinschuss sein oder auch Neugier. Auf jeden Fall ist sehenswertes als die schickesten Schaufenster des Barra-Shoppings.
            Man sieht sich,
            in der Unterschicht.


            http://lemi-buecher.de

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            • #6

              AW: Neues aus Sepetiba

              Hihi Lemi, in Recreio ("City") gibt es fast keine Favelas, aber Du stolperst sofort rein. Eine Handvoll finden sich meines Wissens westlich des Prq. Natural (Chico Mendes) und eine andere Handvoll entlang der Av. das Americas.

              Recreio (besonders das Umland) ist aber tatsächlich irrre. Der nördliche Teil der Av. das Americas ist noch relativ unbebaut. Dort finden sich vereinzelte (aber immerhin bestimmt ein bis zwei Dutzend) Siedlungsflecken (weg von der Ausfallstraße; Vargem Grande und Pequena). Neubauviertel der Wohlhabenden, Reichen und Superreichen reihen sich neben Slumsiedlungen. Anders als "Rio City", weil flach.

              Erkunde auch mal, aber bloß nicht alleine, die Ilhas von Barra (ich war auf der winzigen Ilha dos Pescadores) und mache einen Ausflug nach Itanhangá. Gleich links (kein km nach der Brücke über den Lagoa) ist eine Discoteca, die angeblich ganz gut sein soll (beim Golfclub). Ich besuchte die Fav. Cambalacho.

              Pass aber auf! Ich fuhr morgens meine "Freundin" in die Cidade de Deus", hatte einen offenen Wagen. Die Hauptstraße teilte sich plötzlich in vier Teile. Nach wenigen Metern links (U-Turn auf die Ayrton Senna), gerade aus (nach Barra), rechts (weiterhin Hauptstraße), oder gleich rechts. Meine "Namorada" sagte "rechts", meinte aber "nach ein paar Metern rechts". Ups, ich konnte wegen einem Betonsockel nicht mehr die Spur wechseln, und schwupps standen wir mit der Karre mitten in einem Teil der riesengroßen Favela ... auch meinem Mädchen war mulmig, sie wohnt woanders.
              Zuletzt geändert von supergringo; 24.06.2009, 12:37. Grund: Schreibfehler eleminiert (nicht eliminiert) ...

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              • #7

                AW: Neues aus Sepetiba

                PS: Wenn Dir das jämmerliche Angebot und Ambiente in Deinem Condominio oder Flat-Hotel reicht, okay, aber das beste Fitness-Studio in der Gegend ist im Shopping Bandeirantes (Viktor Fitness), top Geräte (die besten und neuesten in der ganzen Stadt) und groß beim Kampfsport (inkl. Boxen). Der Club ist nagelneu, allerdings sauteuer (um die BRL 200 p.M.). Die beiden A! Body Tech in Barra sind noch einmal gut 50% teurer, recht schick, haben jeweils Pool(s) und selbstverständlich findet sich auch etwas fürs Auge ... der A! Body Tech Praia liegt für Dich vielleicht sogar etwas günstiger, als der Viktor, aber ob Du BRL 300+ pro Monat für Ambiente ausgeben willst, bezweifle ich noch mehr, als die monatliche Gebühr für den von mir empfohlenen Club. Die anderen Clubs in Recreio sind allesamt Scheiße und trotzdem teuer.

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                • #8

                  AW: Neues aus Sepetiba

                  Olá Lemi!

                  Vielleicht werden wir irgendwann einmal Kollegen... jedenfalls räumlich gesehen... ;-)
                  Die Marine baut dort ja einen U-Boot Stützpunkt nebst Werft. Und falls die Geister mich wieder rufen sollten.. quem sabe?

                  Vamos ver! (aber als Angestellter-Knecht gehe ich nicht wieder rüber :mrgreen: )

                  Até logo, se Deus quiser
                  Ursinhuuuu
                  Rio de Janeiro ist eine Drecksstadt...

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                  • #9

                    AW: Neues aus Sepetiba

                    Die Woche fängt gut an.

                    Der Wecker klingelt 5:30 Uhr, anschließend Frühstück im Zimmer, kein Kaffee (keine Maschine da – für Lemi eine Katastrophe), dann 1 Stunde Fahrt zur Baustelle quer durchs Hinterland.

                    Nachdem ich die erste Nacht wegen Mückenattacken ziemlich wenig geschlafen hatte, wurde der Tag wegen der Müdigkeit dann zur Ewigkeit. Zum Abschluss kam noch ein Mammutmeeting von 15:00 bis 18:30 Uhr. Durch ein paar intensive Streiterein während des Meetings kam mein Adrenalinspiegel aber soweit hoch, dass die Müdigkeit weggeblasen wurde.

                    Ich bin noch etwas wirr, aber das ist am ersten Tag auf einer Riesenbaustelle immer so. Es gibt schweineviel zu tun, aber man weiß nicht so recht, wo man anfangen soll. Man muss sich also erst mal selbst organisieren und versuchen sich nicht vom Herumgejammere der Kollegen beeinflussen zu lassen. Also Programm aufstellen und dann gerade mit dem Kopf durch die Wand. So hat das Lemi schon immer gemacht – meist erfolgreich.

                    Also wir abends um 7 das Werkstor verließen, gings schon durchs dunkle Santa Cruz. Die Stadt selber ist kein Problem. Erinnert mich stark an Guarapari allerdings ohne Strandpromenade oder auch an Ouro Branco im Interior von Minas Gerais, 4 Jahre lang mein Wohnsitz.

                    Als Beifahrer hatte ich die Gelegenheit in die Seitengassen zu schauen und dort begannen die Probleme ... Die Außenfassaden der Hauptstrasse waren noch halbwegs ansehnlich ... die Gassen und alles was sich darin verbarg war tiefste Favela, Süff, Unterwelt. Genau die gleiche Beobachtung hatte ich schon mehrmals in den ersten 2 Tagen hier gemacht. Hinter jeder Häuserwand, Blechzaun oder auch wuchernden Elefantengras scheint sich ein Elendsviertel zu verbergen.

                    Mein Kollege meinte, dass ich auf dem Weg zur Arbeit ja nicht anhalten sollte, da dann gleich eine Horde Leute ankommt und irgendetwas von dir will. Ich hielt das für übertrieben, aber kann mir so langsam vorstellen, was er meint. Er erzählte mir, dass er auf einer Fahrt mal einen Platten hatte und anfangen wollte, das Rad zu wechseln. Als ein paar kräftige Jungs „zur Hilfe“ kamen, sprang er vor Angst ins Auto und drückte aufs Gas. Bis zur nächsten Tankstelle fuhr er auf der Felge weiter, die natürlich anschließend völlig im Arsch war. Zumindest hatte er, so meinte er, seinen eigenen Arsch gerettet.

                    Eine andere Episode, die ich gestern zu hören bekam, war die des liegengebliebenen VW Käfers. Auf der Fahrt zur Arbeit stand auf einer leichten Steigung mit doppelspuriger Fahrbahn ein Käfer. Der Fahrer bastelte im Motorraum herum, schien aber, wie sich am Abend herausstellte, erfolglos gewesen zu sein, denn der Käfer stand immer noch am gleichen Platz.

                    Allerdings war es nicht mehr haargenau der gleiche Käfer ... er war nämlich aufgebockt und hatte keine Räder mehr. Am folgenden Morgen waren bereits die Türen und die Kofferraumklappe demontiert worden. Spätabends dann lag er sogar auf dem Dach und der Motorblock fehlte. Warum man den Käfer aufs Dach legen muss, um den Motor herauszubekommen, ist fraglich, wahrscheinlich aber, weil es an den notwendigen Hebezeugen mangelte.

                    Es ist immer wieder erstaunlich, wie sich in Brasilien eine Eigendynamik der Dinge entwickelt. Währenddessen der allgemeine auf Baustellen tätige Brasilianer keinen einzigen Gedanken, geschweige denn Gehirnschmalz, an den Fortschritt seiner Tätigkeit verschwendet, zeigt er im Alltag großes Interesse an der kostenlosen Bereichung seines Besitzstandes. Dass fängt beim Ausräumen von umgestürzten LKW´s an und hört z.B. beim Mitgehenlassen von Kleinwerkzeugen von der Baustelle auf. Den Fantasien sind hier keine Grenzen gesetzt und der vermeintlich beschränkte Erfindergeist der Brasilianer nimmt hier manchmal exorbitante Ausmaße an.

                    Auf meiner Altbaustelle im Espirito Santo habe ich selber den Verlust von ganzen Kabeltrommeln konsterniert feststellen müssen. Einige Fälle wurden aufgeklärt. Die Mülltransportfirma hatte die Kabeltrommeln fein säuberlich unter einer dünnen Müllschicht auf einem LKW durch das Werkstor befördert. Der Wächter wurde erst misstrauisch als der LKW nicht in Richtung Müllhalde abbog, sondern gerade aus weiterfuhr. Er ließ die Verfolgung aufnehmen und die Diebesware wurde sichergestellt. Sicherlich ein Glücksfall, denn normalerweise steht bei solch großangelegten Diebstählen soviel Geld auf dem Spiel, dass auch der Wächter bzw. seine ganze Firma mitbestochen werden. Der Fall der rekuperierten Kabeltrommeln war also kein Glücksfall, sondern Inkompetenz seitens der Organisatoren.

                    Wenn ich sehe, wie scharf die Eingangskontrollen am Thyssen-Werkstor sind, kann ich mir bestens vorstellen, was hier bereits abgelaufen ist. Es ist so ein bisschen wie Check-Point-Charly-Ambiente. Man weiß nie, ob man wirklich durchkommt oder festgenommen wird.

                    Fortsetzung folgt ...
                    Man sieht sich,
                    in der Unterschicht.


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                    • #10

                      AW: Neues aus Sepetiba

                      Sauber! Ich sehe schon, Du wirst die Ecke schnell erkundet haben.

                      Doch Santa Cruz und Favela? Na, jetzt übertreibst Du aber ein bisschen. Vielleicht der Kulturschock eines Mineiro? Ist doch kein Vergleich z.B. zum Wohnviertel Deiner Schwägerin zweiten Grades (oder wie man das Verwandschaftsverhältnis auch immer nennt), das Du mir mal gezeigt hast, oder? Dort war es richtig unheimlich.

                      Trotzdem sicher ein Grund, warum so manch einer mit Haupt- oder temporären Wohnsitz in Barra da Tijuca eigentlich nur einen begrenzten Radius in seinem Umfeld kennt. Auf die andere, nördliche Straßenseite der Avenida das Americas gehts nur zum Shopping oder in ein paar Clubs, sonst bleibt man lieber zwischen Avenida und Strand, vorzugsweise südlich des Kanals de Marapendi ... und eigentlich verschanzt man sich sowieso am liebsten in den eigenen Condominios oder in denen von Bekannten.


                      Hier noch ein paar Tipps:

                      Abends unbedingt mal nach Pedra da Guaratiba, dort gibt es mehrere ordentliche Fischlokale, aber auch andere (einfache) Restaurants (die Fische sind hoffentlich nicht direkt von der verseuchten Bucht). In der Pizzeria bedient eine (bezaubernde, aber vergebene) Französin.

                      Das bekannteste Lokal in dieser Ecke ist wohl das „do Bira“ (oder „Bira´s“) in Barra de Guaratiba mit wundervoller Aussicht auf die Bucht. Allerdings im Verhältnis sauteuer.

                      Irgendwo in der Nähe (bei der Statue der „Nossa was weiß ich“) bin ich mal mit einem Ruderbötchen auf eine der dörren Inseln, meist menschenleer. Verpflegung sollte man also selbst mitnehmen. Die ruhige Lage hat seine Vorteile, bis auf die verendeten Fischen im Wasser und auf die spitzen Felskanten … selbst wenn die Sonne nicht brennt, gut eincremen, habe mir damals einen üblen Sonnenbrand zugelegt.

                      An einem Wochenende kannst Du einen Ausflug in den Mata Atlantica hinter Itaguai unternehmen. Irgendwo gibt es da einen nicht unbedingt spektakulären, aber trotzdem netten Wasserfall. Ich tippe auf den Parque Vera Cruz, weiß das aber nicht mehr genau. Deine Kollegen vor Ort werden das sicher wissen. Der (allerdings überschaubare) Müll und die Signatur des CV weisen darauf hin, dass der kleine See unter dem Wasserfall auch ab und an frequentiert wird, aber die meisten Wochenendausflügler (und Langzeiturlauber) bevorzugen bei Sonnenschein am Bach unterhalb des Wasserfalls zu liegen. Dort finden sich entlang des holprigen „Hauptsträßchens“ auch einige einfache Bars, in denen es ab Nachmittag Musik, Churrasco, nette Leute und entsprechend gute Laune gibt. Meines Wissens gibt es auf dem Weg keine fixen Polizeikontrollpunkte, Gott sei Dank, denn das letzte Bier bei meinem damaligen Besuch war eindeutig eins zuviel …

                      Sepetiba selbst, na ja … Ich könnte Dir verraten, wo man ganz nett sitzen und ein Eis genießen kann, oder wo Du für 1 Reais die Stunde im Internet surfen kannst, aber das sind wahrlich keine Highlights …


                      Hübsche (sehr hübsche sogar) Mädchen finden sich allerdings durchaus!

                      Zum Shopping empfehle ich den Ort nach Santa Cruz, Campo Grande.

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