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Reise durch Alagoas: Teil 1 + Teil 2 (NEU)

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  • Reise durch Alagoas: Teil 1 + Teil 2 (NEU)

    Alagoas – der kleinste Bundesstaat Brasiliens ?


    Alagoas findet man in nur recht wenigen Reiseführern bzw. Urlaubskatalogen, was wohl weniger an der Schönheit der Natur, sondern eher an der noch fehlenden Infrastruktur liegt. Wenn man wie ich die BR 101 in Richtung Äquator fährt, sollte man ca. 20 km vor der Grenze Sergipe / Alagoas in Richtung Penedo verabschieden, um den Rio São Fransisco, im Volksmund „Velho Chico“ genannt, mit der Autofähre zu überqueren. Man bekommt dabei eine guten Eindruck von der Dimension eines riesigen Flusses, der kurz davor ist, sich die Paulo Afonso – Fälle in beeindruckender Art und Weise hinunter zustürzen. Die Kolonialherren des 18. Jahrhunderts liessen auch in Penedo ihre Fingerabdrücke, die man nicht versäumen sollte sich anzuschauen. Man kann hier fernab vom Tourismus der Grossstädte in Ruhe einen Stadtrundgang machen und stösst dabei immer wieder auf Verkäufer der landestypischen Lehmfiguren, die sich hauptsächlich am Praça São Cristóvão konzentrieren.
    Anschliessend kann man wieder zurück auf die BR 101 oder den recht löchrigen Weg in Richtung Litoral wählen. Da mein 1. Reiseziel der Küstenort Barra de São Miguel hiess, fuhr ich in Richtung Küste weiter. Obwohl es bis dorthin nicht viel mehr als 140 km sind, muss man noch mal mit 3 Stunden Autofahrt rechnen, falls man ohne Reifenschaden durchkommen will. Die Landschaft entschädigt aber für die Strapazen. Man fährt durch kilometerlange Palmenhaine und über 3 Meter hohe Zuckerrohrplantagen, die einfach kein Ende nehmen wollen. Als wir später einmal anhielten, um ein Foto in so einer Plantage zu schiessen, meinte meine Frau ganz argwöhnisch, dass sie mal gehört hatte, dass Zuckerrohrplantagen voller Schlangen sind. Einer der Plantagenarbeiter lachte nur und sagte:“ …. das ist schon Jahre her. Seitdem wir die Plantagen vor der Ernte abfackeln, gibt’s hier kein Ungeziefer mehr. Alles was auf dem Boden lebt, ist weg. Die Ratten, die sich früher hier fett gefressen hatten, sind verschwunden und mit ihnen ihr Hauptfeind, die Schlangen.“ Als wir leichte Bedenken wegen der Umwelt anmeldeten, wurde der Arbeiter zunehmend ernster, weniger wegen der zunehmenden Umweltverschmutzung durch die Fackelei, sondern wegen des schlechten Arbeitsmarktes für Plantagenarbeiter. „Seit wir das Zuckerrohr abfackeln, ist die Produktivität um 20% gestiegen. Das bedeutet allerdings nicht, dass 20% mehr Zuckerrohr geerntet wird, nein, die Menge bleibt die Gleiche, aber dafür braucht man jetzt weniger Arbeitskräfte.“ Die Folge: höhere Arbeitslosigkeit auf dem Land, geringere Löhne und Landflucht in die Favelas von Rio und São Paulo in der Hoffnung eines besseren Lebens. Es gibt nur einen, der richtig Geld verdient: der Zuckerbaron – wie landläufig der Besitzer der Zuckerfabrik genannt wird. Es scheint so, dass alles noch wie vor 150 Jahren abläuft: Landbarone und Leibeigene, Raubbau und Verschmutzung der Natur. Die Reste der Zuckerrohrproduktion (Schalen und Melassen) werden in die Flüsse abgeleitet und töten dort Flora und Fauna. Die Politiker des Bundesstaates haben das Problem erkannt und haben ein den Zuckerrohrfabriken ein Dekret auferlegt: in den nächsten 18 Jahren muss die Umweltverschmutzung aufhören – Verbot des Abfackeln und der Verschmutzung der Flüsse! Doch was ist in 18 Jahren?

    Barra de São Miguel ist ein Fischerdorf. Es gibt ein paar Hotels und Pousadas, aber wenige Restaurants. In der Woche ist hier tote Hose. Am Wochenende tobt der Bär. Es scheint so, als würde sich die gesamte Bevölkerung Maceios auf die Strände der Umgebung verteilen. Der Strand hat ein riesiges Riff vor seiner „Nase“, wodurch eine enorm grosse „Piscina natural“ entstanden ist. Barra de São Miguel hat 2 berühmte Nachbarn. Den Nördlichen, Praia do Francês sollte man besser meiden, da hier (wie der Name schon sagt) ein künstliches Tourismuszentrum aufgebaut wurde, was sich hauptsächlich durch überhöhte Preise auszeichnet. Franzosen gibt es noch nicht allzu viele, obwohl viele Pousadas einen französischen Namen besitzen, dafür aber viele Portugiesen. Der südliche Nachbar, Praia do Gunga, ist nicht nur ruhiger, sondern sogar so schön, dass er verdienterweise in der Liste der 10 schönsten Strände Brasiliens erscheint. Von Barra de São Miguel kann man eine Lancha (katamaranartiges Motorboot) dorthin chartern und so den ganzen Tag dort verbringen. Sehr empfehlenswert.

    Da ich kein grosser Fan von brasilianischen Grossstädten bin, habe ich auf meiner Weiterfahrt Richtung Norden einen möglichst grossen Bogen um Maceio gemacht, um mich im etwas weiter nördlich gelegenen Fischerdorf Riacho Doce in der Pousada eines Schweizers für ein paar Tage niederzulassen (Pousada „Cavalo Marinho“ – empfehlenswert). Die Gegend dort ist relativ schnell erkundet, da eigentlich nichts wirklich sehenswertes gibt. Deswegen sollte man ruhig den vom Pousadabesitzer empfohlenen Ausflug nach Barra de Santo Antônio machen. In Barra de Santo Antônio fährt man am besten direkt zum Hafen, um dort eines der Fischerboote zu chartern. Vorher muss man sich noch der Meute von ambulanten Händlern und Parkplatzwächtern erwehren, die schon am Ortseingang auf Kundschaft warten und dann dem ankommenden potentiellen Kunden auf einer von Quebra Molas durchsetzten Strecke von ca. 1 km seine Ware anpreisend hinterherrennen. Nachdem man hoch und heilig versprochen hat, das man nach Rückkehr einen Blick auf die Waren werfen wird, kann man sich von der Meute befreien. Anschliessend geht man zu den Booten. Wir haben ein etwas abgefracktes, aber trotzdem romantisches Fischerboot auserwählt, dessen Kapitän so um die 12 Jahre alt gewesen sein muss. Seinen Lotse habe ich auf ca. 10 Jahre geschätzt. Los gings auf dem Rio de Santo Antônio Grande in Richtung Praia de Santo Antônio. Die Jungs haben ihre Sache mit dem Boot sehr gut gemacht. Die Rückfahrt wurde für 16:00 Uhr vereinbart. Nach einem kurzen Fussmarsch durch die Mangroven kamen wir an der Pousada Captain Nikolas an. Die mündete dann direkt in den Strand zum offenen Meer. Eine steife Brise wehte. Wir liessen uns in der einzigen, zur Pousada gehörenden Barraca nieder. Das eigentliche Interesse lag aber im Nachbarstrand „Carro Quebrado“, den man nur zu Fuss erreichen konnte. Auf jeden Fall lohnt sich dieser Fussmarsch zu diesem völlig einsamen Strand. Es gibt dort recht hohe „Falesias“, die sich durch ihre Farbenvielfalt auszeichnen. Man sagt, dass die Künstler, die ihre kleinen Fläschchen mit dekorativen Sand füllen, dorthin kommen, um sich den Sand zu holen. Und es gab ihn (den Sand) wirklich in vielen Farben, neben gelb, weiss,verschiedenen Rosatönen, gab es auch violett und grün. Die Rückkehr auf dem Fluss wurde von einem traumhaften Sonnenuntegang begleitet. Das Dorf selber bietet kaum Möglichkeiten zur Übernachtung bzw. Restaurants.

    Teil 2 folgt in Kürze.
    Man sieht sich,
    in der Unterschicht.


    http://lemi-buecher.de

  • #2
    Pousada Cavalo Marinho

    Die angesprochene Pousada „Cavalo Marinho“ kenne ich schon sehr lange - und sie ist wirklich absolut empfehlenswert. Und in der "Baracca to Titio" ca. 400m am Strand entlang gibt's (oder gab's???) die besten Tira-Gostos weit und breit.

    Die Pousada wird übrigens schon schon lange zum Verkauf angeboten. Schlappe 80.000 Euro möchte der Schweizer haben. Angebot + zusätzliche Infos unter http://www.imoveisvirtuais.com.br/cavalomarinho.htm

    Ciao,
    Mineiro
    Ciao,
    Mineiro

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    • #3
      "A construção, por causa da burocracia, nunca foi legalizada, mas nunca fomos perseguidos por causa disso. Pagamos apenas o IPTU de 230,00/ano - sem débitos - de uma casa simples de térreo, escriturado e devidamente registrado."

      Naja für ein nicht legalisiertes objekt sind 80000 Euros nicht unbedingt wenig.

      Denn wenn der jetzige besitzer bis jetzt keine probleme hatte, ist dies keine garantie das der neue auch keine probleme hat.

      Oder ist vielleicht gerade das der Grund das der besitzer verkaufen will, weill er vielleicht doch plötzlich probleme hat?

      Gruss neginho

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      • #4
        Tabuba

        Hallo "O Baiano",
        wenn Du in der Pousada "Cavalho Marino" übernachtet hast, dann hast Du nur knapp (15 km weiter) die schönste Pousada in Maceió, Arco-Iris am traumhaften Strand "Tabuba" verpasst. Nicht zu vergleichen mit Cavalho. Auch in Schweizer Hand. Also wenn Du mal wieder in der Gegend bist...und wen es noch interessiert, hier der Link dazu: http://ourworld.compuserve.com/homepages/didispot/
        Viele Grüße
        Piteu
        ~~~~~~~~~~~~~
        Das Verzeichnis rund ums Thema Brasilien:
        http://www.brasil-online.de

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        • #5
          Re: Tabuba

          Zitat von Piteu
          Hallo "O Baiano",
          wenn Du in der Pousada "Cavalho Marino" übernachtet hast, dann hast Du nur knapp (15 km weiter) die schönste Pousada in Maceió, Arco-Iris am traumhaften Strand "Tabuba" verpasst. Nicht zu vergleichen mit Cavalho. Auch in Schweizer Hand. Also wenn Du mal wieder in der Gegend bist...und wen es noch interessiert, hier der Link dazu: http://ourworld.compuserve.com/homepages/didispot/
          Viele Grüße
          Piteu
          Weder Arco-Iris noch Cavalo Marinho befinden sich in Maceio - wobei Arco-Iris noch weniger. Und wer vielleicht Abend's noch in die Stadt will ist von Riacho Doce besser bedient, als von Santo Antônio ....

          Ciao,
          Mineiro
          Ciao,
          Mineiro

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          • #6
            Alagoas

            Hallo Baiano

            Hast einen guten Artikel geschrieben. Alagoas kommt in Brasilien leider viel zu schlecht weg, sprich wird "unter ferner liefen" eingestuft. Dieser Staat bietet beste Bedingungen, die Ferientage dort zu verbringen. Klar hat es nicht den Bekanntheitsgrad von Salvador, Fortaleza oder Recife, doch wer es lieber etwas ruhiger möchte, ist dort am richtigen Ort. Zudem gehören die Strände unter "Insidern" u.a. zum besten in ganz Brasilien.
            Nur Dein Vermerk, dass die Gesetze endlich strenger eingehalten werden, ist leider nicht ganz richtig. Das Industriekonsortium lacht seit Jahren über dieses Gesetz und schüttet den Politikern schön "Kohle" in die Taschen. Schliesslich sind diese Fabriken eine wichtige Einnahmequelle des Staates. Selbst bei einer Besichtigung einer Fabrik an einem Insentive-Event vor rund 7 Monaten, wurde Umweltverhalten oder Umweltschutz nicht mit einem einzigen Wort erwähnt. Leider.
            Noch etwas zu der Pousada Arco-Iris. Die Pousada ist wirklich top und der Besitzer kümmert sich sehr um seine Gäste. Seit Jahren ist die Pousada auch im "Lonely Planet" vermerkt und hat einen guten Ruf. Wer dort Gast ist, hat nichts schief gemacht!

            Grüsse

            B-N
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            • #7
              Wann kommt dender zweite Teil des Reiseberichtes, Baiano?
              So ab Carro Quebrado - nomen est omen -wirds doch fahr-
              technisch erst richtig interessant :lol: , hat mir jedenfalls
              vor eingen Jahren etwas Mühe bereitet ... ohne 4 wheel drive.

              Die erwähnte Arco-Iris-Poussada kann ich auch nur empfehlen,
              schön gelegen, ziemlich schlicht und ausgesprochen netter und
              trinkfester Desperado der die Hütte gebaut hat und nun
              führt. Die Stranshausarchitektur dort ist auch sehenswert.

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              • #8
                Dieser schöne Reisebericht ist jetzt auch im Wiki verewigt.

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                • #9
                  hallo aus innsbruck/österreich

                  bin durch zufall auf dieses forum gestossen. wirklich toll. kann mich dem lob über alagoas nur anschliessen. fahren schon seit jahren nach japaratinga bzw. auch nach maceio selbst auf urlaub. hier kann man noch brasilien natur erleben. waren auch schon 2 x in der pousada arco iris bei heinz, ein einmaliges erlebnis. herrlichste strände, super unterbringung und essen. fahren in 3 wochen wieder nach brasilien und auch dieses mal wieder nach japaratinga und nach maceio.

                  besten gruss aus tirol
                  kurt und ferdinand
                  kt

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                  • #10
                    Alagoas Teil 2

                    Oi gente,

                    Kurt hat das Stichwort gegeben. Der 2. Teil meiner Alagoas-Reise spielte sich hauptsächlich in und um Japaratinga ab.

                    Erstmal sorry wegen der langen Wartezeit auf Teil 2, aber irgendwie ist das Brasilforum in den letzten Monaten bei mir etwas in den Hintergrund gerückt, weshalb ich die Bitte um Teil 2 auch erst jetzt gelesen hatte.

                    Der 1. Reisebericht ist schon etwas länger her (1998 schätz ich mal) und enthält deswegen auch keine Angaben über Preise. Meine 2. Berührung mit Alagoas fand im Juni dieses Jahres statt. Diesmal hatte ich nur 1 Woche zur Verfügung, weshalb ich auch gleich den Flieger benutzte. Eigentlich begann die Geschichte eher anders herum:

                    Beim Surfen im Internet entdeckte ich ein Sonderangebot der Fluggesellschaft GOL:

                    Belo Horizonte – Maceió (Hin- und Rückflug) für 278 R$

                    Nach kurzem Überschlagen kam ich auf knapp 950 R$ für mich, meine Frau und die 2 Kids, was man bei dem heutigen Flugpreisniveau in Brasilien durchaus als Schnäppchen bezeichnen kann.

                    Ich buchte kurzerhand und hatte somit noch 5 Tage Zeit neben dem Job die Reise vorzubereiten. Da ich den südlichen Teil von Alagoas schon recht gut kannte, suchte ich mehr in Richtung Nordalagoas. Aus einschlägigen Reiseführern hatte ich schon mal was von Maragogi gehört und fütterte damit die Google-Suchmaschine.

                    Auf Google war Verlass. Die Seite maragogionline.com.br gab so ziemlich alle Infos her, die ich gesucht hatte. Nachdem ich mir ein paar Fotos der Region angeschaut hatte, ging ich auf „Pousadasuche“. In die engere Auswahl fielen die Pousada „Enseada dos Coqueiros“ (60 R$/ ÜF) etwa 12 km südlich von Japaratinga bzw. „Paraiso dos Coqueirais“ (70 R$/ÜF oder 90 R$/HP) ca. 1 km nördlich von Japaratinga direkt an der AL 101 gelegen. Der Preisunterschied der beiden Pousadas lag zwar lediglich bei 10 R$, aber da bei den Baianos Geld immer knapp ist, entschieden wir uns für die „Palmenbucht“. Bei der Buchung wurde uns der 60-jährige Taxifahrer Santana (Telefon: (82) 296.1333 / Handy: (82) 9977.7090) empfohlen, der die immerhin 140 zwischen Flughafen Maceió und Pousada befindlichen Kilometer für 80 R$ im klimatisierten VW Santana zurücklegte. Wie wir nach der Fahrt wussten, war er nicht nur ein äussert ausgeglichener Taxifahrer, sondern auch ein hervorragender, natürlich in Maragogi gebürtiger, Geschichtenerzähler. Man brauchte nur ein Thema in den Raum zu werfen, egal ob Zuckerrohrernte, Lula-Regierung, Bootstour oder Legenden aus Alagoas, er wusste einfach über alles Bescheid. So war es für uns relativ einfach auf der ca. 2-stündigen Autofahrt so ziemlich alles Wissenswerte über Alagoas und seine Bewohner zu erfahren. Wir wussten jetzt auch, dass der Herr Othon eigentlich Zuckerrohrplantagenbesitzer in Alagoas war und sich von seinen Reichtümern die allseits bekannten Hotelpaläste gebaut hat. Selbige Zuckerrohrplantagen verrotten seitdem bzw. werden von der MST-Bewegung besetzt.

                    Bevor wir in unserer Pousada abgeladen wurden, machte Santana noch einen Vorschlag, da unsere Kinder den Wunsch nach etwas zu essen während der gesamten Autofahrt im Minutentakt wiederholten. Wir hielten am Strand von Japaratinga an einem eher unscheinbaren Restaurant, um gegen 4 Uhr nachmittags Mittag zu essen. Da wir traditionell in Strandnähe immer auf Fischgerichte zurückgreifen (in Minas kostet eine ordentliche Moqueca leider um die 60 R$), glaubten wir unseren Augen nicht als wir die Speisekarte lasen. Moquecas ab 15 R$, Garnelengerichte für 24 R$ und eine komplette Hummer-Mahlzeit für 30 R$ - alles ausreichend für die ganze Familie – wie wir im Nachhinein feststellten. Santana, der sich dezent an einen der Nachbartische zurückgezogen hatte, wurde natürlich zurück an unseren Tisch gerufen und zum Essen eingeladen. Seine „Wartezeit“, die wohl im Taxipreis inbegriffen war, hatte er so zumindest mit einer ordentlichen Mahlzeit kompensiert.

                    Später fuhren wir dann weiter. Über eine holprige Erdstrasse näherten wir uns der ca. 12 km vom Dorf entfernten Pousada. Leider war unsere Hütte (eigentlich war von CHALÈ die Rede) so winzig, dass gerade mal unsere 4 Betten drin Platz hatten. Strom gab´s vorläufig auch keinen, die Piscina hatte kein Wasser und das Meer brachte jede Menge gelb-braunen Schaum an Land, was mich dem Geruch nach schwer an das bekannte Kanalisationproblem brasilianischer Großstädte erinnerte. Selbst die Kinder äußerten ihren Ekel. Wir übernachten dann dort, planten aber schon an mehreren Optionen für den nächsten Tag.

                    Nach einem ausgedehnten Strandspaziergang stellten wir fest, dass wir nicht nur total abseits von jeglicher Zivilisation (keine Kneipen, Supermärkte, Busverbindung usw.) untergebracht waren, sondern auch der Zustand des Strandes in alle Himmelsrichtungen gleich war. Uns wurde schnell klar, dass uns nur ein Anruf auf Santana´s Handy aus dieser miserablen Situation retten konnte. Gesagt – getan. 30 Minuten später stand Santana vor unserer Haustür. Wir erklärten ihm unsere Notlage, wofür er volles Verständnis zeigte, uns aber noch erklären wollte, dass er uns praktisch nicht vorwarnen konnte, da der Pousada-Besitzer natürlich ein guter Bekannter von ihm war (schließlich hatte der Pousada-Chef uns Santana empfohlen !).

                    Wir vereinbarten mit Santana einige Pousadas in Japaratinga bzw. Maragogi abzuklappern und gaben unser Preislimit für die Übernachtung bekannt. Wir brauchten nicht allzu lange zu suchen, denn eine Pousada gefiel uns besonders: nähe Japaratinga gab es die uns aus dem Net schon bekannte „Paraiso dos Coqueirais“. Um einige Klassen besser, aber eben nur 10 R$ teurer als die vorherige Pousada bereuten wir unseren Entschluss mit keiner Silbe, zumal auch der Strand perfekt war. Mal abgesehen von der prima Infrastruktur der Pousada, die eigentlich ein Sitio mitten in einem riesigen Palmenhain war, konnten wir zu jeder Tages- und Nachzeit per Moto-Taxi für 1 R$ ins Dorf, was natürlich für unsere „Stifte“ ein Erlebnis war, besonders die Überquerung der Quebra-Molas.

                    Obwohl wir es mit Sicherheit die 6 Tage an unserem Hausstrand ausgehalten hätten, wollten wir natürlich wenigstens etwas die nähere Umgebung kennen lernen. Santana hatte uns schon einige Ausflüge empfohlen.

                    Als erstes stand die Katamaranfahrt (15 R$ p.P.) zu den Sandbänken in Maragogi auf dem Plan. Die sogenannten Galés de Maragogi werden als touristisches Highlight der Region angepriesen und befinden sich ca. 6 km vor der Küste Maragogi´s. Sie wiren mit grossen Gleitbooten täglich bei Eintritt der Ebbe angefahren. Auf der Überfahrt wird man schon mit Schnorchel und Taucherbrille ausgestattet (3 R$ extra). Nach Ankunft hat man 2 Stunden Zeit zum Abtauchen. Früher muss das mal ein richtiges Erlebnis gewesen sein …. Heute sieht man ausser den schwarz-gelb-gestreiften Fischchen hauptsächlich ambulante Verkäufer von Kokosnüssen, Coca-Cola, Garnelenspiessen und diversen Batidas auf ihren Holzflossen umherpaddeln. Selbst der feine Muschelkalk wurde in den Zeiten vor IBAMA und Konsorten tonnenweise abtransportiert und ins Ausland verscheuert, berichtet man uns. Echt schade drum, aber eben Alltag in Brasilien.

                    Der 2. Tagestrip führte uns in den südlichen Zipfel von Pernambuco. Wieder übernahm Santana die Rolle des Reiseführers. Für 60 R$ fuhr er uns zur Pousada dos Carneiros, von der aus wir den gleichnamigen Strand „Praia dos Carneiros“ kennen lernen sollten. Im Reiseführer Quatro Rodas unter TAMANDARÉ zu finden.

                    Die Pousada dos Carneiros liegt auf einer Anhöhe mit herrlicher Rundumsicht und arrangiert Tagestrips zu dem laut Strandführer schönstem Strand der brasilianischen Küste.
                    Für 50 R$ pro Kopf wird man mit einem Jeep quer durch den Busch bis zum Fluss Rio Formoso geschafft. Von dort aus ging es weiter per Katamaran zum Praia dos Carneiros, wo dann in wirklich exklusiver Lage die kühlen Getränke und Sonnenliegen bereitstanden. Gegen 1 Uhr wurde dann Mittag an einem Buffet inkl. Churrasco und Säften angeboten, alles im Grundpreis von 50 R$ enthalten. Der Strand hält, was er verspricht. Die gesamte Umgebung ist saftig grün, der Strand selber (eigentlich eine Flussmündung ins Meer) hat herrlich klares Wasser und ist von Palmenhainen gesäumt. Alles ist wie im Film. Wirklich einzigartig schön …………….. und im Privatbesitz der Familie Carneiro, die durch ihre Liebe zur Natur dafür gesorgt hat, dass der Zugang streng limitiert ist und somit Farofeiros keine Möglichkeit besteht ihre Müllberge dort zu hinterlassen.
                    Am Nachmittag wird man dann per Boot und anschliessend per Pferd zur Pousada zurücktransportiert, wo ein netter Pool mit frisch zubereiteten Cocktails serviert vom durchaus attraktiven Bodenpersonal der Pousada serviert wird. Für Kinder gibt’s dann auch noch Kekse und Fanta. Alles in allem ein perfekter Tag – nicht so sehr billig, aber dafür alles von feinster Qualität.

                    Unser letzter Tagesausflug war dann noch mal nach Maragogi. Santana (wer sonst ?) hatte uns den Tipp gegeben, mal einen Tag im Salinas-Resort zu verbringen. Besonders schön, um die Kinder mal „loszukriegen“ (wegen des prall gefüllten Animationsprogramms), aber eigentlich unbezahlbar dachten wir. Im Vorfeld meiner Unterkunftssuche war ich natürlich auch auf das Salinas gestossen, habe aber nach kurzer Ansicht der Preisliste schnell weitergeklickt: stolze 420 R$ / pro Nacht. Immerhin mit Halbpension. Die Billigversion hat uns Santana verraten: Man verbringt nur den Tag im Resort, kann alle Einrichtungen nutzen, an allen Aktivitäten teilnehmen und zahlt 30 R$ pro Person, Kinder frei. Die 30 R$ bezahlt man aber nicht einfach so, sondern bekommt auch noch Wertgutscheine für Restaurant und Bar in Höhe von 30 R$. Das klang doch gut, oder ?
                    So haben wir einen total relaxten Tag verbringen können, die Kinder wurden prima von Clowns, Tänzern und Kinderbetreuern unterhalten und die Gutscheine im Wert von 60 R$ haben wir in eine Moqueca de Peixe und reichlich Cocktails umgesetzt …… ein paar Fantas und Eisbecher für die Kinder fielen auch noch ab.

                    Mein Gesamteindruck von Alagoas hat sich bestätigt:

                    Sehr empfehlenswert und durchaus noch preiswert ! Auch Japaratinga als Ausgangsort war eine goldrichtige Wahl. Noch sehr ursprünglich (man könnte auch sagen: verschlafen), aber trotzdem mit einer Basisstruktur, die vollkommen ausreichend für einen ausgewogenen Urlaub ist. Die o.g. Pousada "Paraiso do Coqueirais" ist wirklich sehr empfehlenswert und wird persönlich von der Inhaberin geführt. Wünsche werden von den Lippen abgelesen und Kinderfreundlichkeit ist im Preis eingeschlossen.

                    Tchau,
                    Baiano
                    Man sieht sich,
                    in der Unterschicht.


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                    • #11
                      Carneiros

                      Hallo

                      O Baiano hat einen guten Reisebericht geschrieben und es stimmt, dass der nördliche Teil von Alagoas noch etwas "verschlafen" ist. In der Region von Maragogi hat es aber einige Hotels/Pousadas die keinen Vergleich mit anderen Destinationen scheuen müssten. Trotzdem ist es wie beschrieben der perfekte Ort um den ursprünlichen "touch" der einheimischen und der Region zu erleben. Wer keinen Rummel will und ruhige Ferien möchte ist dort am richtigen Ort.
                      Einen Nachtrag zu Rio Formoso habe ich zu machen. Die Pousada dos Carneiros hatte in der Vergangenheit einige Besitzerwechsel. Bis vor zwei Jahren hatte der Besitzer eine enge Zusammenarbeit mit einem portugiesen, der auch in der Nähe die "Schwesterpousada" geleitet hat. In der Zwischenzeit geben sich die "donnos" die Türklinke in die Hand...
                      Wie von baiano beschrieben, hat es eine fantastische Rundsicht auf die Bucht! Tolle Palmenhaine und eine atemberaubenden Sonnenuntergang sind ein Erlebnis! Wer jedoch eine Woche (oder länger) dort ist, der ist ein wenig isoliert. Ausser den kurzen Reitausflügen und den Besuch der Praia dos Carneiros hat es nichts, wo man sich unterhalten könnte. Einen Aufenthalt ausserhalb der Anlage ist Fehlanzeige weil sehr abgelegen. Der Strand ist wirklich einmalig und man kommt nur mit dem Boot dorthin. Auf der Fahrt sieht man eine kleine Kirche, die so scheint es, noch von der Entdeckerzeit her stammt. Wirklich tolles Ambiente!
                      Wer Unterhaltung, Ramba-Zamba oder ähnliches in dieser Region sucht, dem empfehlen wir gleich die Fahrt nach Porto des Galinhas. Diverse Hotels und ein grosses Freizeitangebot machen die Ferien attraktiv. Wer aber ruhige und erholsame Ferien geniessen will, der macht es genau so wie baiano und erlebt Brasilien von der ursprünglichen und schönen Seite!

                      Grüsse

                      B-N
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                      • #12
                        Oi Brasil-Network

                        doch nicht Brasilwarrior, oder ? Der war schliesslich im alten Forum das wandelnde Brasilnetwork ......

                        Hier ein paar Bildchen von Praia dos Carneiros und der kleinen Kirche. Auch noch mal der spektakulären Blick von der Pousada zur Mündung des Rio Formoso. Im Original ist natürlich alles noch viel schöner !

                        Tchau
                        Baiano
                        Angehängte Dateien
                        Man sieht sich,
                        in der Unterschicht.


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                        • #13
                          Ola baiano

                          Genau :wink:! Traumhaftes Ambiente mit Blick auf die Lagoa dos Carneiros!
                          Sollten Forumbesucher daran interessiert sein, der sollte bei einer allfälligen Buchung darauf achten, dass er die richtige Unterkunft wählt!
                          Die richtige Bezeichnung heisst: Pousada dos Carneiros (ehemals Pousada Amaragi). Unweit der Pousada dos Carneiros befindet sich auch die Fazenda Amaragi und wurde wegen der früheren, ähnlichen Namensgebung schon oft verwechselt resp. falsch gebucht...! Ist nicht unbedingt zu empfehlen, da sie sich in einem "Loch" befindet und sich der Besitzer/Personal nicht umbedingt als Gastfreundlich outet... Das sieht man auch am privaten Strandabschnitt, wo wie von Baiano beschrieben, sich der private Restaurantionsbetrieb befindet. Auf der linken Seite sind die Gäste der Pousada - rechts die Gäste der Fazenda. Man bemerkt bald, wo der Service besser ist. Das ist auch auf den Ausflügen zu Wasser und zu Land so... Anyway... In folgenden Foto-Galerien sind einige Fotos zum Anblick vorhanden:

                          http://www.brasil-network.ch/gallery231.htm

                          http://www.brasil-network.ch/gallery112.htm

                          Geht einige Tage in die Pousada dos Carneiros und geniesst das schöne Pool (mit Bar), die Ruhe und den fantastischen Sonnenuntergang über den Palmenhainen und der Lagoa!


                          Abraços!

                          B-N
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                          www.brasil-network.ch

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