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Mit dem Toyoto Bandeirantes durch den heissen Ceará

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    Mit dem Toyoto Bandeirantes durch den heissen Ceará

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      Schade, dass es hier kein Forum "Nichts für Pauschaltouristen" gibt. Sonst hätte ich den folgenden Reisebericht wohl eher dort reingestellt.

      Mit dem Toyota Bandeirantes durch den heissen Ceará

      Ausschnitt aus do Lemes Buch "Nichts für Pauschaltouristen"


      Es muss wohl so 1998 gewesen sein. Ich reiste mit Jens, der zum 1. Mal in Brasilien war, durch die Bundesstaaten Piaui und Ceará. Für Jens war das eine andere Welt, denn seine bisherigen Urlaube führten ihn hauptsächlich nach Mallorca und Thailand.

      Wir kamen per Omnibus aus Fortaleza mit Zwischenstation in Piripiri und dem Nationalpark „Sete Cidades“ irgendwann vormittags in der Kleinstadt Jijoca an. Dort sollte uns eine "Jardinheira" weiter nach Jericoacoara transportieren. Ich konnte mir trotz 4 Jahren Brasilienaufenthalts absolut nichts unter einer Jardinheira vorstellen, sah dann aber, dass es ein umgebauter Toyoto Bandeirantes war, der außer der vergrößerten, mit Sitzbänken ausgestatteten Ladefläche auch geländetauglich war.


      Unser Ziel, Jericoacoara, kannte ich aus dem Buch „7000 km Küstenabenteuer“ eines hoffnungslos in Brasilien verliebten Autors. Er gab in seinem Buch Einblick in die letzten unberührten Paradiese Brasiliens, zu denen auch Jericoacoara oder kurz gesagt „Jeri“ gehörte.

      An die ewig lange Fahrt auf dem Toyota Bandeirantes durch die Dünen bei glühend heißen 40 Grad kann ich mich auch noch sehr bildlich erinnern.

      Im Toyota befanden sich u.a. 1 schwarzes Schwein, 5 Hennen, einige Zentner Mais und ein Stapel Maniokwurzeln. Es stank mörderisch. Auf der kleinen Bank drängten sich ein älterer Herr, ein junges Mädel, 2 gut gebaute, zahnlose Jungs, der blonde, blauäugige Jens und ich.

      Die Fahrt sollte 3 Stunden dauern.

      Als ich auf der Ladefläche saß, gemeinsam mit dem Viehzeug, fragte ich den Motorista wann es denn los ginge. Es war früh um 9 und langsam wurde die Sonne erbärmlich heiß. Obwohl die Ladefläche eine Plane hatte und die Sonnen nicht direkt auf meinen Schädel knallen konnte, wurde es stickig. Der Motorista meinte: "so uns 5 minutinhos" ..... wer Brasilien kennt, weiß, dass 5 Minütchen im allgemeinen auf 30 Minuten herauslaufen, doch wer im Piaui denkt, dass es nach 30 Minuten wirklich losgeht, hat weit gefehlt - es dauerte etwas länger, bevor die Fahrt losging - wohl auch deswegen, weil der Motorista solange mit der Abfahrt wartete, bis die Ladefläche wirklich voll war. Uns wurde ziemlich warm ums Herz ....... und am Rücken, den Beinen und am Kopf ....... der Schweiß lief nur so ......... es herrschten außerirdische Temperaturen.

      Nach 2 Stunden Wartezeit fuhr er endlich los, drehte aber erst noch ein paar Ehrenrunden im Dorf ....... so als wollte er sich von jedem Einwohner der Stadt persönlich verabschieden ......... anscheinend kam es in der Vergangenheit häufig vor, dass Motoristas nie wieder zurückkamen .......... so zumindest deutete ich diese Abschiedszeremonie.

      Kurioserweise lies der Fahrer den Motor schon 30 Minuten vor Abfahrt an, wahrscheinlich um ein Zeichen zu setzen, dass es gleich losginge - die Folge aber war: es stank nicht nur nach Schwein, sondern auch noch nach Diesel. Die Luft stand - kein Windchen wehte.

      Gut. An einer CO-Vergiftung bin ich wohl noch einmal haarscharf vorbeigeschrammt, bevor es dann losging. 3 Stunden über Holperpisten - dachte ich mir - ist ziemlich langweilig - also fängst du an mit den Leuten auf der Ladefläche zu reden. Leider war aber die Stimmung nicht sehr anregend - da wohl die Hitze so ziemlich alle noch im Gehirn vorhandenen Zellen vorübergehend deaktivierte. Meine Wasserflasche war auch nach einer halben Stunde leer und so langsam trocknete mir die Kehle aus - im Gegenzug klebte mein Shirt klitschnass auf dem Rücken fest.

      Als wir einem namenlosen Dorf näherten, wurde meine Nachbarin (wie konnte es anders sein - das einzige Mädel saß natürlich neben mir) etwas lebendiger und ging auf einen meiner ständigen Versuche ein Gespräch anzufangen ein. Sie fand meinen Dialekt sehr lustig und fing an sich zu amüsieren - sie hatte wohl noch nie vorher mit einem Gringo gesprochen und wusste wahrscheinlich auch nicht, dass es noch andere Sprachen gab. Ich fragte sie jedenfalls eine Menge Dinge über ihr Leben und ihre Heimat und sie wurde zunehmend munterer. Nach einer schon geraumen Zeit wurde dann einer der jungen Kerle munter (er schlief mit offenem Mund - und die Fliegen, die vorher am After des Schweins rumschwirrten, flogen plötzlich auch in Richtung seines geöffneten Mundes). Er hörte uns eine Weile bei unserem munteren Gespräch zu - sie lachte fröhlich - er wurde argwöhnisch. Er fing an sie zu beschimpfen und ich merkte, dass er ihr Bruder war. Als dann ihr anderer Bruder, der sich auch auf der Ladefläche befand, anfing sich einzumischen, wurde die Luft dick. Plötzlich flogen mir ein Haufen Schimpfworte an den Kopf, u.a. dass ich mich an einer minderjährigen Jungfer vergreifen wöllte und das sie eine ehrbare Familie wären - kurz um: ich war ein Schuft. Das Mädel, was sichtlich überfordert war, fing nun an, ihren Gebrüdern begreiflich machen zu wollen, dass ich doch nur mit ihr geredet hätte. Aber die Jungs wurden immer fuchtiger, und meinten, dass ich nichts anders wollte als sie zu entjungfern mit meiner vielen Quatscherei.

      Gut. Meine Zunge ist vielleicht nicht ganz so spitz, dass es für eine Entjungferung reicht, aber bevor die Jungs anfingen mit ihrem Facão herumzufuchteln , setzte ich zum Sprung an und landete recht unsanft auf der Sandstrasse. Die beiden Typen waren sichtlich überrascht, konnten es aber nicht lassen, mir wenigstens noch ein "Filho da Putaaaaa" hinterher zu schreien, währenddessen ich schon anfing, den Staub aus den Haaren zu schütteln. Meinen Rucksack hatte ich im Affekt vor meinem Absprung gekrallt - somit hatte ich wenigstens meine 7 Sachen nicht verloren (4 Kleidungsstücke, 1 Zahnbürste + 2 Kondome). 2 Dinge hatten sich nun aber grundlegend geändert: die Sonne prallte mir jetzt direkt auf den Schädel, aber dafür stank es nicht mehr so barbarisch.

      Da es noch nicht allzu spät war, hatte ich wohl auch berechtigte Hoffnung, dass irgend ein anderes Vehikel meinen Weg kreuzen würde, um mich zur nächsten Wasserstelle mitzunehmen - die hatte ich auch mehr als nötig, denn an meinen Lippen verkrustete so langsam der weiße Schaum, der durch die viele Leckerei aufgetragen wurde. Da ich ein Glückspilz im Leben bin, kam auch ein wenig später ein Eselskarren mit einer Ladung Zement (völlig geruchsfrei) vorbei und nahm mich mit. Glücklicherweise führte sein Weg nach Jerí - was ja auch völlig logisch war, da es die einzige Strasse weit und breit war - am späten Nachmittag sprang ich runter von seinem Karren - bedankte mich höflich - und schoss noch ein Foto vom Karren und versprach dem Mann, es ihm per Post zuzuschicken.


      Fortsetzung folgt ...
      Zuletzt geändert von User11627; 08.04.2009, 21:06.
    • #2

      AW: Mit dem Toyoto Bandeirantes durch den heissen Ceará

      Mann oh Mann ....das war wirklich 1998???? Wie die Zeit vergeht!!!
      Aber an unsere erste Tour erinnere ich mich noch gern: die Sache mit dem Fön, die "Orange" oder eben diese Fahrt nach Jeri, die mittlerweile wahrscheinlich leider auf einer Autobahn für 5* Touris stattfindet, die Pousadas an das Stromnetz angeschlossen sind und die Hippies dem Genuss des Geldes erlegen sind .......
      Das Delta des Rio Parnaibá, endlose Busfahrten, Forró......und einfach Gegenden abseits der Touripfade.
      Tchauzinho
      Jens

      www.kinderhorizonte.org

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      • #3

        AW: Mit dem Toyoto Bandeirantes durch den heissen Ceará

        Zitat von O Baiano
        Ausschnitt aus do Lemes Buch "Nichts für Pauschaltouristen"
        Wann dürfen wir denn mit einer Veröffentlichung des Buches rechnen?

        Mach nicht den Fehler, Dein komplettes Werk vorab im Internt zu publizieren. Das hatte mich bei meinem Erstlingswerk sicher 10.000 potentielle Käufer gekostet ...

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        • #4

          AW: Mit dem Toyoto Bandeirantes durch den heissen Ceará

          Zitat von supergringo Beitrag anzeigen
          Wann dürfen wir denn mit einer Veröffentlichung des Buches rechnen?
          Die Rohfassung steht. Eine Überarbeitung steht noch aus. Leider dauert das immer ziemlich lange die ca. 140 Seiten durchzulesen und zu korrigieren. Ich habe ehrlich gesagt keine Ahnung, wann das Buch auf den Markt kommt. Wahrscheinlich an irgendeinem Todesjahrestag von Neto.

          Zitat von supergringo Beitrag anzeigen
          Mach nicht den Fehler, Dein komplettes Werk vorab im Internt zu publizieren. Das hatte mich bei meinem Erstlingswerk sicher 10.000 potentielle Käufer gekostet ...
          Ganz sicher werde ich das nicht tun. Es gibt eine ganze Menge Überraschungen im Buch. Auf jeden Fall wirds lustig.

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          • #5

            AW: Mit dem Toyoto Bandeirantes durch den heissen Ceará

            "So eine Scheiße" dachte ich. Abspringen konnte ich nicht, da mein Rucksack sich unter dem Haufen mit Maniokwurzeln befand. Jetzt saß ich allein mit diesen Kerlen, deren Augen immer noch gefährlich blitzten, auf dem Toyota. Mein Blick ging nochmals unauffällig zurück, um vielleicht doch ein Zeichen von O Baiano zu bekommen. Aber der hatte nichts Besseres zu tun, als sich vom Staub zu befreien.

            Das Mädel hatte inzwischen angefangen zu heulen, da der eine ihrer Brüder sie weiter verbal fertig machte. Der andere hatte wieder seine Schlafstellung eingenommen und war durch nichts mehr zu erschüttern.
            Soll ich jetzt hier den Helden spielen und mich für sie einsetzen, dabei aber Gefahr zu laufen unplanmäßig von der Ladefläche befördert zu werden oder dann doch lieber still halten und der Dinge harren.

            Irgendwann war das hilflose Schluchzen des Mädchens kaum mehr zu ertragen, als sich plötzlich der alte Mann einmischte und einige Sprachsalven auf den Jüngling losließ. Ich verstand nicht einmal ansatzweise, was er sagte, da sein langes Leben ihm seine ganzen Zähne beraubt hatte. Es müssen aber weise Worte gewesen sein, da der Bruder jetzt verstummte, er noch eine abfällige Handbewegung in Richtung des Mädels machte und sich dann entschloss, es seinem Bruder gleich zu tun und zu schlafen. Der Alte lachte mir verschmitzt zu und mir wurde etwas wohler ums Herz.

            Als ich schon kein Gefühl mehr in meinem Hinterteil hatte, kamen wir in Jeri an. Die Kerle verschwanden wortlos zwischen den Hütten und das Mädchen ging in eine Bretterbude nur 50 Meter von unserer Haltestelle. Ich musste noch einige Zeit warten, da man sich sehr viel Zeit nahm, den Maniok zu entladen, um endlich an meinen Rucksack zu kommen.

            Ich machte mich auf die Suche nach einer Pousada. Das beste Haus am Platz war leider schon ausgebucht aber man deutete mir den Weg, wo ich noch eine Bleibe finden könnte. Dort angekommen traute ich meinen Augen nicht. Einer der Brüder rannte dort mit einer Art Uniform rum und bediente die in den Hängematten liegenden Gäste. "Geil" dachte ich, als Gast hat der mich ordentlich zu bedienen und ich kann ihn aus Rache ja auch etwas schikanieren! Zwei Zimmer waren schnell gebucht und sobald man aus ihnen heraustrat, hatte man einen grandiosen Blick auf die Dünen! Perfekt!

            Nach einer ausgiebigen Dusche machte ich mich auf die Socken, um in der Nähe der Haltestelle eine Kneipe zu suchen, um dort auf O Baiano zu warten.

            Strategisch war die Bretterbude, welche sich als "Restaurante" herausstellte, in der das Mädchen verschwand, nicht schlecht, um den Platz zu überblicken und falls O Baiano endlich ankommt, ihn willkommen zu heißen und gleich ein Cerveja mit ihm zu zischen. Ich setzte mich auf die Terrasse der Bude und oh Wunder, das Mädchen kam heraus, lächelte und fragte, ob ich etwas zu trinken möchte. Sie hatte mittlerweile auch ihre staubigen Klamotten gegen ein Kleidchen eingetauscht und kam bald mit einem eiskalten Brahma zurück. Ich studierte die Speisekarte, welche aber sehr fischlastig war und entschied mich dann für Bolinhos de Bacalhau.

            Nach 3 Bierchen wurde es Nacht in Jeri und O Baiano war immer noch nicht da. Langsam machte ich mir etwas Sorgen, aber da er während seines Wehrdienstes in einer Sondereinheit gedient hatte, wo es desöfteren vorkam, dass man sich allein irgendwo durchschlagen musste, war es eben noch nicht die große Angst, dass ihm etwas passiert sein könnte.

            Ich entschloss mich noch einen Cachaça in unserer Pousada zu nehmen, da ich nicht glaubte, dass in dieser Dunkelheit noch ein Auto ankommen würde.
            Da es noch schön warm war, ich schätzte so um die 30 Grad, lies ich meinen Körper in eine Hängematte gleiten und wartete bis unser Spezie endlich angetrabt kam, um mich zu bedienen. Ein schlürfendes Geräusch kündigte auch alsbald sein Kommen an. Es war ein sehr gequältes Lächeln, welches er mir schenkte, als ich ihm deutete: Er solle mir doch noch ein Gläschen "Boa Vitoria" bringen. Als er sich in Richtung Bar schleppte, konnte ich ein leises Zischen aus seinem Mund vernehmen, hatte aber keine Ahnung, was er wohl meinte.

            Als O Baiano schließlich am nächsten Tag ankam und ich ihm auf dem Eselskarren sah musste ich so laut lachen, dass das Mädchen aus der Bude gerannt kam und sich natürlich, ob des Anblickes, ebenfalls vor Lachen ausschüttete. Nun konnten wir unsere 1. Station Jericoacoara in Angriff nehmen ...
            Tchauzinho
            Jens

            www.kinderhorizonte.org

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            • #6

              AW: Mit dem Toyoto Bandeirantes durch den heissen Ceará

              Ja ja Jens - du bist wie immer ungeschoren davon gekommen. Meine Spezialausbildung hatte mir übrigens nicht viel genützt, da wir in Deutschland so selten Gelegenheit hatten unter Wüstenbedingungen zu trainieren. Dafür half mir mein Instinkt weiter und der sagte: „Lemi, immer schön auf der Hauptstrasse bleiben und erstmal alle Weiberärsche unbeachtet lassen.“

              Nun - in Jerí gab es eigentlich nur 5 Höhepunkte:

              Die allabendliche Besteigung der Hauptdüne durch die gesamte Dorfbevölkerung und alle Touris, um den Sonnenuntergang zu zelebrieren. Die Tour zur Lagoa Azul (ohne Jens wegen Dünnpfiff-Problemen), die andere Tour zu den Nachbardörfern (mit Jens), die Dorfforrós und die Capoeira-Vorführungen einer Dame, von der Jens bis heute nichts weiß. :mrgreen:

              Ich fang mal mit dem Dorfforró an ...

              Er fand 2 mal in der Woche statt. Da wir eigentlich keine Langschläfer sind und tagsüber immer irgendwelche Ausflüge machten, kamen wir nachmittags immer ziemlich geschlaucht in der Pousada an. Ich erinnere mich noch sehr gut an eine Strandwanderung in der prallen Sonne, die wir nach ca. 30 Minuten wegen Erschöpfung mit Tendenz zum Hitzetod abbrechen mussten. Wir glaubten ein schattiges Plätzchen gefunden zu haben und ließen uns dort nieder. Leider war dieses dürre Gestrüpp nicht in der Lage auch nur 20% unseres Körpers mit Schatten zu bedecken und rings um uns waren nur Dünen ..... lauter Sand ........ der bekanntlich keinen Schatten spendet. Wir trabten also nach einer Weile wieder zurück zur Pousada und knallten uns völlig erschöpft in die Hängematten.

              So passierte es dann, dass wir einschliefen und irgendwann als es dunkel wurde und die Mücken ihre Aktivitäten begannen, wieder aufwachten. Immer noch völlig daneben, duschten wir lauwarm, um munter zu werden. Wir wollten doch an dem Abend zum Dorfforró!

              Völlig verdreht im Kopf gingen wir in eine Kneipe, denn mittlerweile spielte der Hunger eine nicht ganz unbedeutende Rolle in unserer Tagesablauf-Planung. In der Kneipe bestellten wir dann neben der üblichen Fleisch/Fisch-Mahlzeit reichlich Kaffee und Coca-Cola gegen die Müdigkeit und ein paar Biere gegen den Durst. Unser Ruf im Dorf war uns in diesem Moment ziemlich egal. Die seltsame Mischung aus Getränken ging aber auf ........ pünktlich zu Beginn des Dorfforrós waren wir in Topform und traten in die Tanzarena ein ..........

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              • #7

                AW: Mit dem Toyoto Bandeirantes durch den heissen Ceará

                Naja, "Brahma" war zu diesem Zeitpunkt in Jeri ausverkauft, an " Bohemia" war gar nicht zudenken und wir mussten uns mit "Kaiser" begnügen. So langsam füllte sich der Hof. Die Musiklautstärke stieg proportional mit der Gästezahl, nur die Musikrichtung war mir bis dato nicht geläufig. Was hatte ein Akkordeon und eine Triangel hier verloren? Alles klang sehr melodisch, jedoch sehr gewöhnungsbedürftig, da mir bisher nur Samba und Pagode geläufig waren. Man tanzte ziemlich eng umschlungen zusammen, was mich an schlimmste Foxtrottzeiten erinnerte, nur das hier ein ganz anderes Tempo und eine mir schon bekannte Beweglichkeit in den Hüften auffielen.

                Während ich mir so meine Gedanken zum Musikstil und deren Tanzform machte, war O Baiano schon wieder einen Schritt weiter und bewegte sich recht ungelenk mit einer Schönheit auf der Tanzfläche. Immer wieder korrigierte sie sichtlich O Baianos Forrótanzversuche.

                Auf der Suche nach ebenfalls weiblicher Begleitung, geriet mir plötzlich ein Mann ins Blickfeld: Er trug einen schneeweißen Umhang, hatte Glatze und eine Nickelbrille. Es war das Spiegelbild von Gandhi. Von einer kleinen Anhöhe beobachtete er, mit vor der Brust verschränkten Armen und ohne auch nur eine kleinste Regung von Anteilnahme, das Treiben. Er konnte nur so etwas wie der Bürgermeister oder ein oberer Gebieter sein.

                Eine kleine Pause nutzte O Baiano, um mit seiner Tanzlehrerin bei mir am Tisch vorbeizuschauen und eine kleine Erfrischung zu nehmen.
                In unserer Pousada schien das Restaurante geschlossen zu haben, denn der Bruder unserer "Bekannten" betrat das Geschehen. Diesmal waren wir nicht seine Kunden und ich hatte schon ein mulmiges Gefühl, da er mit zusammengekniffenen Augen das Rund kurz abcheckte. Als er O Baiano in Begleitung einer anderen Dame sah, leuchteten seine Augen siegesgewiss. Seine Schwester schien vor O Baiano gerettet! Ich konnte mir ein Zuprosten nicht verkneifen und ER hob lässig den Daumen "Tudo bem"!

                O Baiano ging wieder tanzen und lies mich am Tisch mit zwei netten Mädels zurück, welche mich immer wieder zum Tanzen auforderten, aber ich immer lehnte ab, da ich gern tanze aber es hasse, zusammen zu tanzen, was beim Forró nicht ausbleibt, (ist das meine Interpretation von Freiheit?)

                Was O Baiano, mein Reisebegleiter danach erlebte, kann er auch selbst erzählen. Mittlerweile ist er doch zu einem ganz ordentlichen Forròtänzer geworden, was ich bestätigen kann, es aber in Jeri so aussah, als ob er es nie kapieren würde!
                Tchauzinho
                Jens

                www.kinderhorizonte.org

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                • #8

                  AW: Mit dem Toyoto Bandeirantes durch den heissen Ceará

                  Oh Jens .... den peinlichen Teil überlässt du wohl lieber gleich mir ........

                  Wer weiß, wie sich deutsche Abwehrspieler bewegen (Stichwort Sensenmann), kann sich vorstellen, wie Lemis erste Tanzversuche nach den bis dato gänzlich unbekannten Forró- Rhythmen aussahen. Ich war jahrelang Linksverteidiger und konnte mich rühmen, eine Saison lang nicht ein einziges Gegentor meiner schuss- und laufstarken Gegenspieler geschluckt zu haben. Ich war ein hervorragender Manndecker und stand dem Rechtsaußen sozusagen immer auf den Füssen .......

                  ....... nun - genau das bekam auch meine Tanzpartnerin zu spüren.

                  Beim 1. Song machte ich eigentlich überhaupt keine selbständige Bewegung, sondern ließ mich nur von ihr hin- und herzerren. Dabei landete ich immer wieder auf ihren Zehen ....... sie aber lächelte mich an und sagte "du wirst es schon lernen ...... ich bring dir alles bei ......"

                  Ich glaubte ihr zwar, aber vertraute nicht in meine Beine. Beim 2. Tanz hatte ich irgendwie so etwas wie einen Rhythmus verspürt und begann mich etwas selbstständiger zu bewegen ......... dass das immer noch lustig ausgesehen haben muss, sah ich an den verkniffenen Gesichtern der Nachbar- Tanzpaare, die mir auch sichtlich aus dem Weg gingen. Sie mussten geglaubt haben, dass ich jeden Moment zu einem Seitfallzieher ansetze. Ich aber fühlte mich gut.

                  Als dann das 3. Lied begann, fing sogar meine Tanzdame an mich zu loben ........ irgendwie muss sie was von mir gewollt haben, denn zum Loben war es bei allem Verständnis noch zu früh.

                  Was ich nicht bemerkt hatte war, dass wir unter Beobachtung standen. Je mehr wir uns vergnügten und anfingen beim Tanzen zu plaudern und zu lachen, desto grießgrimmiger wurde ein junger Kerl im ärmellosen Muskelshirt - ganz in der Nähe von Jens. Er fing an zu fluchen.

                  Jens bemerkte zum Glück rechtzeitig, dass er der Lover meiner Tanzdame war und rief mir etwas zu, was ich aber nicht verstand ...... die Musik war ganz einfach zu laut. Durch klare Handzeichen signalisierte er mir dann, dass ich mich von der Tanzmaus trennen sollte, da der Typ neben ihm sich auf eine handfeste Keilerei vorbereitete ....... sein Muskelshirt hatte er schon ausgezogen .........

                  Ich kehrte dann so ziemlich unverrichteter Dinge an unseren Tisch zurück, damit der nervöse Dorfbewohner wenigstens wieder sein Shirt anzieht ......... das Dumme war nur, dass die Tanzdame hinter mir herkam und mir einreden wollte, dass es ihr Ex-Lover sei und sie nichts mehr mit ihm zu schaffen hat.

                  Das schien der Kerl aber noch nicht gewusst zu haben. Zumindest benahm er sich nicht so. Ich bat dann meine Tanzdame um Verzeihung (für meine zahlreichen Fehltritte) und fragte sie, ob sie vor einer weiteren Tanzrunde nicht die Fronten mit ihrem Macker klären könnte.

                  Sie zog erst einmal leicht säuerlich ab, da sie merkte, dass ich den direkten Schlagabtausch meiden wollte. Da Lemi von Natur aus friedlich ist und trotz der Anwesenheit des damals noch recht muskulösen Jensis eigentlich auf der Gewinnerseite war, wusste ich nicht, wieviele seiner Freunde irgendwo in Lauerstellung hockten. Außerdem beobachte uns der Bürgermeister (der im weißen Umhang) zusehends.

                  Wir beschlossen also, uns auf das Zusehen und Bier trinken zu konzentrieren, da wir noch ein paar Tage Jerí vor uns hatten und weder einen Ortsverweis vom Bürgermeister noch eine Tracht Prügel von den Dorfrabauken einfangen wollten.

                  So kam es und alles blieb friedlich - zum Ort des Geschehens kehrten wir 2 Tage später wieder zurück und das Spiel begann von Neuem ...


                  An den nächsten Abenden krabbelten wir, wie wahrscheinlich der gesamte Ort auf die Düne, um den Sonnenuntergang im Meer zu sehen. Irgendwann wollte auch ich mit einem Mädel im Arm diesen Kitsch erleben zu dürfen.

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                  • #9

                    AW: Mit dem Toyoto Bandeirantes durch den heissen Ceará

                    Zitat von O Baiano Beitrag anzeigen
                    ...Stichwort Sensemann.....
                    Mein, bis heute bestehender Inbegriff des Sensemanns ist Berti, jawoll, Berti Vogts. Alles was er danach so angestellt hat, hake ich mit einer gepflegten "Ubeschaetzung" ab.

                    Zitat von O Baiano Beitrag anzeigen
                    Beim 1. Song machte ich eigentlich überhaupt keine selbständige Bewegung, sondern ließ mich nur von ihr hin- und herzerren. Dabei landete ich immer wieder auf ihren Zehen ....... sie aber lächelte mich an und sagte "du wirst es schon lernen ...... ich bring dir alles bei ......"
                    Hmm.....
                    Da draengen sich mir 2 Fragen auf:
                    1. What the fuck is ...Alles... und
                    2. Hastes halbwegs gelernt, so wie isch. Betonung liegt auf halbwegs. Bei den brasilianischen Reggaeorgien tue ich mich´s leichter. Da verlier ich den Rythmus erst nach ca. 3-5 Minuten engenTanzens, Schmusens, Plauderns (weiss auch nich, warum Schmusen beim Tanzen vor Plaudern kommt; hmm... Denke das haengt mit meinem "Rythmusverlieren" zusammen; Plaudern is da hinderlicher als Schmusen).
                    Puuhhh.., dass Ihr noch so Fitt wart, um den anstehenden Konflikten, aus dem Weg zu gehen.
                    Moechte mehr hoeren, bitte.......
                    Gruss aus Maceió
                    Thomas

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                    • #10

                      AW: Mit dem Toyoto Bandeirantes durch den heissen Ceará

                      Hi CT,

                      Forró tanze ich mittlerweile gerne. Hab sogar später mal einen richtigen Kurs belegt. Damals im Ceará (das ist jetzt schon 10 Jahre her!) hatte ich das Wort Forró noch nie vorher gehört ... aber warten wirs ab. Die Geschichte geht ja noch weiter. Ich warte nur auf den Einsatz von Jens.

                      Ach ja ... die Damen im Ceará und später auch im Piaui waren sehr "anhänglich". Sie dachten wahrscheinlich, dass sie uns neben dem Tanzen noch andere "wichtige Dinge des Lebens" beibringen müssten. Wir haben uns ehrlich gesagt nur bedingt dagegen gewehrt ... P-p

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