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Welche KLEINSTADT in Brasil ist gut zum Leben ??

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  • Welche KLEINSTADT in Brasil ist gut zum Leben ??

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    Kommentar

      Eure Beitraege ueber die grossen Staedte in denen man leben kann,
      waren hochinterressant und aufschlussreich.

      Nun bin ich aber nicht mehr so jung und muss den Trubel und das kulturelle Angebot groesserer Staedte nicht mehr haben.

      Ich suche eine urige und gemuetliche Kleinstadt, die sich noch etwas von ihrer Urspruenglichkeit bewahrt hat.

      Paraty waere ja ganz putzig, aber zu touristisch, zu teuer und im Winter oft zu kalt und im Sommer oft zu heiss.

      Davon abgesehen ist es mir in Suedbrasilien zu kalt und zu europaeisch
      und im Nordwesten zu heiss - uebers Jahr gesehen und zu wenig Vegetation.

      Am Strand sollte es sein, beschaulich, gemaessigtes Klima, friedlich und
      nicht allzu teuer.

      Ein Haeuschen mit tropischem Garten, Angeln, Strandlaeufe, Bootfahren,
      Telefon, TV und Internet, ein brauchbarer Supermarkt und eine Klinik in der Naehe - das waers eigentlich, was ich mir fuer meinen Lebensabend wuensche. Vielleicht noch ein paar nette Nachbarn...

      Ist das zuviel verlangt oder gibt es sowas ?

      Wer hat einen brauchbaren Tip ?

    • #2
      Kleinstadt in Brasilien

      Hallo Pitt,

      wie wäre es mit Ilheus?

      Das ist eine sehr hübsche und ruhige Kleinstadt in Bahia, ca 500 km südlich von Salvador. Von hier stammt Jorge Amado, einer der bekanntesten brasilianischen Schriftsteller.

      Das Klima ist absolut angenehm, es gibt lange Strände und die Einwohner sind sehr liebenswürdig.

      Gruss aus Salvador,

      Michael Wilderer

      viventura Brasil
      www.viventura.de
      Mit sonnigen Grüßen,

      Michael Wilderer

      viventura Reisen

      Kommentar


      • #3
        canavieiras, zwischen porto seguro und salvador

        Kommentar


        • #4
          sao seba

          also, sao sebastiao (sao paulo) ist auch ganz nett - immerhin die erste hauptstadt brasiliens und direkt an der ihla bela!

          Kommentar


          • #5
            Ganz klar! Campinas Nicht !!!


            Brasilien 2001
            August und September


            Nun wird die Geschichte hehrich kompliziert. Die nächste interessante Fahrt fand erst im Dezember statt, allerdings wurde schon im September losgefahren nach Buenos Aires. Brigitte mußte nach Deutschland und irgendwer muß auf den Hund aufpassen. So blieb ich dann erst mal bis Mitte Dezember in Buenos Aires. Doch was soll man darüber schon großartig schreiben? Es ist ähnlich sinnlos, wie wenn ich meine "Aktivitäten" in Campinas dokumentieren würde. Das ist immer das Problem, wenn man irgendwo stationiert ist: Es passiert nichts wirklich Erwähnenswertes. Wollte man das in der gewohnten Reisetagebuchform darniederschreiben, dann würde erst der Schreiber, anschließend der Leser einschlafen. Ein Tag ist eine perfekte Kopie des vorangegangenen. Alles ist ein Brei, man erinnert sich an das eine oder andere besondere Erlebnis, aber für einen Bericht in Tagebuchform ist das halt doch recht ungenügend.
            Wenn man sich fortbewegt passiert zwar in der Regel auch nichts Weltbewegendes, aber darüber kann man hinterher sogar was schreiben. Unterwegs ist jeder Tag ein Unicum. Auch wenn man Monate oder gar Jahre später an eine Reise zurückdenkt und sich erinnert, dann weiß man ganz genau, wo was war, welcher Tag welchem folgte. Worauf ich eigentlich hinaus will:
            Räder müssen rollen, sonst ist das ganze Leben sinnlos.
            So soll dieser "Reisebericht" nichts anderes sein, als eine Schilderung einzelner, mehr oder weniger interessanter Begebenheiten. Selbstredend sind auch kaum Bilder da. Überspringen ist nicht der schlechteste Ratschlag.

            Ich fange einfach mal dort an, wo der letzte Bericht aufhört, also damit, daß ich, nachdem ich die Gabi am 28. August ins Flugzeug gesteckt hatte, wieder zurück nach Santos gefahren bin. Habe mich ins Apartement gesetzt, Kabelfernsehen geschaut, hauptsächlich rumgehängt zur Abwechslung, und mich der Kunst des Müßiggangs hingegeben.


            Donnerstag, 30. August 2001

            Sieben Jahre Daimler-Benz. Er wies nun einen Kilometerstand von 699.669 auf. Seit jenem August 1994 hatten wir nun genau 467.004 km zurückgelegt, den Großteil in Europa und davon den Großteil in Deutschland, hauptsächlich in Bayern. Es sind nämlich die kleinen aber stetigen Fahrten, die die Masse ausmachen, nicht einzelne Fernfahrten. Und schon gar nicht die Fahrten auf brasilianischen "Straßen".

            Irgendwann mußte ich aber dann doch wieder nach Campinas zurück. Mieterwechsel im Haus: Catarina, Carlos und Eduardo raus, Ingrid, Edeltraud, Roberto und Hans dafür rein. Ich brauchte da nichts dazuzutun, erledigt alles die gute Ingrid ("Wo steht's Klavier?").
            Ich kümmerte mich vielmehr um das Auto, schließlich mußte ich damit bald weiter nach Buenos Aires, aber mit dieser Gelenkwelle ging das definitiv nicht. Vor Buenos Aires mußte ich aber auch noch nach Rio, 500 US$ und meine Geburtsurkunde abholen, um in Buenos Aires einen Paß beantragen zu können, aber selbst die paar Kilometer nach Rio wollte ich mit dieser Gelenkwelle nicht wagen, so verging ein Tag nach dem anderen und ich konnte mich einfach nicht dazu aufraffen, nach dem Motto: "Verschiebe stets auf morgen, was Du heute sollst besorgen."
            Ohne die 500 US$ kann ich nicht nach Buenos Aires, ohne nach Rio zu fahren komm ich nicht an die 500 US$, ohne die Gelenkwelle instandzusetzen komm ich nicht nach Rio. So einfach sah die Sache aus. Erst mußte also die Gelenkwelle repariert werden, doch das muß halt erst mal jemand machen.
            Ich entwarf eine dominante Strategie: Die Manschette war hinüber, es war keine Ersatzwelle da, auch konnte hier niemand die neue Manschette, die ich dummerweise hatte, auf die Welle aufziehen - logisch, ist ja ein Mercedes, kennt man hier nur als LKW.

            Es half nichts, ich mußte die Mittel anwenden, die mir zur Verfügung standen. Think African - im Prinzip ist das hier Afrika, nur, daß sie hier die positiven Seiten Afrikas einfach weggelassen haben. Keiner hat hier eine Ahnung von Improvisation. Und keiner hat Ahnung von richtigen Reparaturen, außer, man ist bereit, weit mehr dafür zu zahlen als in Skandinavien und das war ich nicht. Ab und zu muß man halt dann doch selber was tun. Ich dachte mir, es muß doch irgendwie gehen, daß man ein Stück Reifenschlauch anstatt einer Manschette nimmt. Ist doch auch nur Gummi. Ich fragte mal beim Spezialist K.T.B. nach, was er von der Idee hielt. Er meinte, es könnte klappen. Nun wußte ich, was zu tun war. Doch von dieser Erkenntnis bis zu der Handlung, sich tatsächlich unter das Auto zu legen, vergingen naturgemäß ein paar Tage. Irgendwann war das Werk jedoch vollendet, das Auto bereit für die Testfahrt. Wenn die Welle bis Rio und zurück hält, dann hält sie auch bis Buenos Aires. Dort oder in Montevideo sieht die Versorgungslage dann schon besser aus.
            Die Batterie war etwas schwach auf der Brust und wurde auch einer Kur unterzogen: Flüssigkeit ablassen, ausspülen. Bei den ersten Spülungen kommt da immer eine dicke, schwarze Brühe heraus, die mit der Zeit immer heller wird. Wenn sie durchsichtig ist, dann ist die Batterie wohl sauber. Jetzt mußte sie trocknen. Ich fuhr derweil in die Stadt um Säure zu besorgen. Eduardo hatte mir ein Motorradgeschäft empfohlen, dort soll das Zeug besonders billig sein. Ich also hin, fragte nach Batteriesäure. "Für welches Motorrad?" Was sollte das? "Für gar keines, ist für ein Auto." Sie sagte dann: "Haben wir nicht da." Ich sah die Verkäuferin etwas verstört an, verzichtete darauf, überhaupt irgendwas zu sagen und fuhr wieder zu Eduardo. "He, was ist denn das für ein Saftladen?", war meine erste Frage bei betreten des Hauses. "Wieso? Was war?" Ich versuchte ihm zu erklären, daß die Alte mir tatsächlich erzählen wollte, sie hätte nur Batteriesäure für Motorräder, nicht aber für Autos. Da sah mich Eduardo so verstört an, wie ich die Verkäuferin. Wir also wieder hin, er wollte sich das aus der Nähe ansehen. Er geht hinein, fragt auch wieder nach Batteriesäure. Wieder das selbe: "Für Motorrad oder Autos?". Er fragt dann nach Luft für die Reifen. Hätten sie nicht. "Ja, versteh schon, ihr habt nur Luft für Motorradreifen, nicht aber für Autoreifen. Und jetzt holen Sie endlich die Batteriesäure her oder wahlweise einen Mann, damit man mal vernünftig reden kann." Zu mir gewendet: "Ist das hier ein Motorradladen oder eine Boutique? Wer kommt auf die idiotische Idee, eine Frau als Verkäuferin von Motorradteilen einzustellen?" Ich konnte mich natürlich vor Lachen kaum halten.
            Als wir wieder zurück waren, schüttete ich die Säure in die Batterie, baute sie ein und ließ sie mal machen. Am Abend sprang das Auto an wie eine eins, ohne Starthilfe.

            Zur Abfahrt fertig. Doch das war nur die Theorie. Obwohl die Welle nun wieder notdürftig instandgesetzt war, fand sich ein neues "Problem": Niemand wollte mit nach Rio fahren, und sie nannten mehr oder weniger den selben Grund: "Von Rio will ich nur eines: Möglichst viel Abstand..." Kann ich zwar verstehen, aber das Geld und die Urkunde wollte ich hier nicht der "besten Post der Welt" anvertrauen. Wie es aussah, würde ich alleine nach Rio fahren müssen und ich konnte mir nichts vorstellen, was mir weniger gefiel, als allein dieser Gedanke. Rio... Drecksnest!, da ist es spannender, nach Milbertshofen und sicherer, nach Freetown zu fahren, aber ich setzte den Termin auf den 10. September morgens fest. Brigitte drängte. Sie sagte, sie müßte vor ihrem Abflug noch Verschiedenes erledigen und das ginge ohne Auto schlecht. Doch auch der 10. verstrich wie jeder andere Tag auch und jeder hat es mir zuvor gesagt, ich stand erst am Nachmittag auf und da braucht man auch nicht mehr loszufahren.
            Abends saßen wir bei Eduardo vor der Glotze und zogen uns irgeneinen dieser schlechtsynchronisierten amerikanischen Filme rein. Eduardo ist von 1980 bis 1984 mein Banknachbar gewesen in der Schule in Brasilien. Wir beide waren es auch meistens, die im Direktorat saßen und Anschiß kassierten, weil wir wieder irgendwas angestellt hatten. Ich flog als erstes von dieser Schule und ging bis auf die nächste. Die hatten aber auch bald die Faxen dicke und ich hatte noch für ein halbes Jahr das Vergnügen, eine brasilianische Volksschule zu besuchen, weil keine andere bereit war, mich zu nehmen. Er flog erst ein wenig später raus. Ich ging nach Deutschland auf das Internat, "die Patres werden Dir schon Marnieren beibringen", hieß es. War einmal. Während der Inquisitio Sancta, vielleicht. Heutzutage können die einen auch bloß von der Schule werfen, anstatt einen zu schleifen, daß ihm der Arsch mit Grundeis geht. Äußerst unsportlich... Und während ich also in Deutschland von einer Schule zur nächsten flog, tat er hier in Brasilien das gleiche. Mit dem kleinen Unterschied, daß er im Gegensatz zu mir irgendwann einen Abschluß in der Hand hatte - wie auch immer - und jetzt als arbeitsloser Architekt bei einem Mobiltelephonanbieter arbeitet.

            Wir saßen also da und schauten den Film an, der gerade sehr spannend war. Plötzlich wurde die Sendung unterbrochen. Es kam sofort ein Kommentar von Eduardo: "Es wurde irgendein wichtiger entführt, ein Politiker ermordet, oder das Benzin wird teurer... wetten?" Sekunden später verküdete die überaus hübsche Nachrichtensprecherin: "Soeben wurde der Bürgermeister von Campinas beim Verlassen des Shopping-Centers in seinem Fahrzeug erschossen." Großes Gelächter, dann wieder stille.
            Wir schauten den Film zu Ende, ich fuhr Heim, die Mieter saßen vor der Glotze und fragten mich: "Hast Du mitgekriegt, daß der Bürgermeister hin ist?" "Jaja", antworte ich im Vorbeigehen, "haben ja eigens deswegen das Programm unterbrochen", und bereits außer hörweite füg ich auf Deutsch hinzu: "Jetzt hammse Euch den Bürgermeister erschlagen... Aber das wird sich Euer Kaiser nicht gefallen lassen. Es wird Krieg geben, glauben'S dem Schwejk..." Da brüllt es aus dem Wohnzimmer: "Wo kommst Du eigentlich gerade her? Warst Du zufällig beim Shopping in der Nähe?", fragte mich ein Philosophiestudent aus Nordbrasilien. "Nein, vergiß es, ich war's nicht, ich kann's beweisen: Es hieß, die Brieftasche vom Bürgermeister lag noch im Auto..."


            Dienstag, den 11. September 2001

            erlebte ich also in Campinas. Ausführungen hierzu liegen in einem privaten Ordner. Gehört nicht hierher...

            Der Rest der Woche wurde natürlich vor der Glotze verbracht, der Bürgermeister wurde zwischendrin mal unter großem Wehgeschrei der Bevölkerung verbuddelt. "Ach, der war doch so ehrlich und er hätte und er wollte..." Ich kümmerte mich darum nicht, denn Politiker sind grundsätzlich mal alle ehrlich, ist doch auf der ganzen Welt so. Besonders vor den Wahlen, da sind sie superehrlich, aber spätestens, wenn sie krepieren, dann waren sie hyperehrlich. Vielleicht tu ich diesem Bürgermeister auch Unrecht, mag sein. Aber Politiker gibt es auf der Welt einfach zu viele, die meisten davon sind überflüssig. Und da wäre auch noch das gute alte Sprichwort: "Wer sich in Gefahr begibt, kommt darin um."
            Politiker in der Dritten Welt haben meistens Aussicht auf ein sehr hohes Gehalt, doch sie müssen nun mal damit leben, daß es mit einem kürzeren Leben verbunden sein kann. Das war hier der Fall und es war nicht der letzte Politiker, den es erwischt. Es schadet jedenfalls nichts, wenn die feinen Herrn Politiker selbst, und nicht ihre Untertanen, ab und zu mal was von dem von ihnen zubereiteten Süppchen zu schmecken bekommen - überall auf der Welt. Hier werden täglich Leute umgebracht, nicht selten geht es dabei um eine Flasche Schnaps, nur ist es nicht weiter erwähnenswert, wenn der João oder der José in irgendeiner Favela still vor sich hinverrecken oder abgeschossen werden. Wenn es aber den Bürgermeister erwischt, dann sind gleich wieder Tausende von Leuten da, die ihn beweinen - genau die Leute, die heute oder morgen nach einem Überfall oder Einbruch selbst in einem Sarg liegen, allerdings in einem weniger prunkvollen.
            Ich hatte andere Sorgen, mußte erst nach Rio, anschließend nach Buenos Aires.


            Donnerstag, 20. September 2001

            Es war Punkt 13.00 Uhr, der Tacho stand bei 701.205 km, als es endlich losging nach Rio, ich hatte es geschafft, mich aufzuraffen, dorthin zu fahren. Eigentlich war es gar nicht Rio sondern Araruama, etwa 100 km hinter Rio. Daß Roberto mitfuhr war nicht das schlechteste, denn im Zweifelsfall war uns so die Unterstützung der Abutres sicher. "Abutres" heißt "die Geier" und bedeutet soviel wie "Hell's Angels" alles dabei vom 10-fachen Mörder bis zum Bundesrichter, landesatypisch gut organisiert, in Sau Paulo und Rio zahlreich vertreten. Alles sympathische Jungs, solange man sich nicht mit ihnen anlegt. "Sie, ich hab's schon ein paar mal erlebt..."
            Wir fuhren erst in Richtung Sau Paulo, dann wollte wir auf die Dutra, die Autobahn, die nach Rio führt. Genau an der Abzweigung stand die Verkehrstpolizei und hielt uns an. Ich stieg aus und gab ihm alle meine Papiere inklusive Impfpaß. Der dient zum Zwecke der Verwirrung, die hier allerdings kaum mehr nötig ist, weil sie meistens schon mit den eigentlichen Fahrzeugpapieren nichts anfangen können. Klar meint der Depp, daß mein Führerschein nicht gültig ist. "Nein", widersprech ich in gebrochenem Spanisch, "der ist hier im Land so lange gültig wie mein Einreisestempel." Es begann die Diskussion. Die Organisation in diesem Land ist wirklich nur als polnisch zu bezeichnen. Die haben immer noch keinen Plan über ihren eigenen Saustall. Er sagte, ich solle solange warten, bis sein Chef käme, der würde es bestätigen, daß ich ohne brasilianischen Führerschein hier nicht fahren dürfe. Nach einer Viertelstunde kam der Chef quer über die Autobahn gesprungen. Der Bulle klärte ihn über meinen Verstoß auf, ich erklärte dem Chef aber ganz ruhig, daß er doch wohl einsehen wird, daß ich als Tourist nicht für jedes Land, in das ich einreise, erst einen Führerschein machen werde, oder? Darüberhinaus: Wäre es so, dann hätte mir das an der Grenze gesagt werden müssen und nicht erst hier. Der andere Bulle sagte, daß der Lappen hier jedenfalls in Brasilien nicht gültig ist. Der Chef stimmte ihm zu und fragte mich, ob ich nicht einsehen könnte, daß sein Kollege sicher nicht eigens Deutsch lernen wird, nur damit er meinen Führerschein lesen kann. Wenn es also nicht auf Portugiesisch oder Spanisch da stehe, dann ist der Schein nicht gültig und damit basta. "Prima", sag ich, "ausgezeichnet, dann ist damit die Diskussion wohl beendet und es verhält sich so, wie ich gesagt hab." Ich nahm ihm höflich den Führerschein aus der Hand "Darf ich?", zum Chef gewendet: "Sehen sie? Hier steht in bestem Spanisch." Der Chef las es durch, der andere auch, Argumente hatten sie eh nie, aber jetzt mußten sie Einsehen, daß nichts mehr zu machen war, sie hatten einen Satz zuviel losgelassen, damit war das Schmiergeld flöten und ich durfte also weiter.

            Dann kam die Dutra. Grauenvoller Belag, eine Mautstation nach der anderen. Am Mauthäuschen mußte ich neben Geld, auch immer irgend eine Arschmeldung loswerden. "Ja, bitte?" "R$ 3,40" "Für was denn? Hab ich was falsch gemacht?" "Ja, für die Straße, halt..." "Bin ich besoffen? Ich bin seit Mittag im Auto, aber eine Straße hab ich den ganzen Tag noch nicht gesehen..." oder "Sag mal dem Chef von Eurer Mafia, daß er mal die Löcher beseitigen lassen soll, für was zahlt man Euch denn?". Dann bekommt man als Antwort: "Ich bin nicht für Reklamationen zuständig. Rufen sie bei der Nummer an". Und man ärgert sich grün und blau: "Ja, weiß ich doch, hier ist niemand für irgendwas zuständig. Deswegen sieht es in diesem Kackland auch so erbärmlich aus..."
            Wir kamen um 22:00 Uhr erst an. Obwohl es nur 598 km waren und wir ausschließlich auf sogenannten Autobahnen unterwegs waren, keine Pause eingelegt hatten und außer vor den Mautstationen in keinen Stau kamen - Staus sind hier auf Autobahnen nicht üblich - brauchten wir neun Stunden.
            Johann, alter Fremdenlegionär, machte sich keine Umstände. Wir saßen noch bis spät in die Nacht am Tisch und unterhielten uns, also, er und ich, denn Roberto konnte kein Deutsch und von Johanns hartem Schwäbisch verstand er schon gleich gar nichts.


            Freitag, 21. September 2001

            Das Programm war schnell abgehackt, die Gelder übergeben, die Geburtsurkunde nicht aufzufinden. Ohne die gibt es keinen Paß, aber irgendwas wird mir schon einfallen. Wir gingen noch in eine Churrascaria und gegen Mittag fuhren wir wieder nach Campinas zurück. Etwa 20 Kilogramm Orangen bekamen wir auch noch mit auf den Weg. Wäre schade, wenn sie verkommen. Saftversorgung für die nächsten Tage war also sichergestellt. Keine besonderen Vorkommnisse, wieder das gleiche Trauerspiel wie auf dem Hinweg. Und wieder kamen wir Nachts an.

            Kilometerstand bei Ankunft: 702.205 km



            --------------------------------------------------------------------------------

            Jetzt wurde es langsam knapp mit der Zeit. Man sollte sich einfach teilen können.[ Einschub ] Was lockte, war die Aussicht, in Buenos Aires Martínez sein zu können. Es war doch dort alles von anderer Natur, keine löchrigen Straßen, alles ein wenig internationaler, nicht dieses allgegenwärtige, lästige "Brasilien ist das Größte, Beste, Schönste". Gut, das hört man in Argentinien angeblich auch ab und zu, aber erstens viel seltener und wenn, dann fällt das Zustimmen nicht gar so schwer. Also fuhr ich los.

            Catarina hatte gemeint, daß er mit mir bis Tijucas mitfährt. Sehr angenehm, den größten und langweiligsten Teil der Strecke nicht alleine Fahren zu müssen. Eigentlich heißt der Typ ja Dalton Silva, aber da er aus Santa Catarina stammt, hatte er den Spitznamen "Catarina" weg. Er ist einer der wenigen Brasilianer, die das Reisen mögen. Ende des Jahres hatte er vor, nach Nordbrasilien zu fahren. Er reist immer mit seinem selbstgebauten Trike, zusammengeschustert aus einem VW-Motor und einer aus Motorradteilen bestehenden Konstruktion, die es dem Gerät ermöglicht, sich wie ein normales Fahrzeug fortzubewegen.


            Nur gut, daß es hier keinen TÜV gibt.


            Quelle + Fotos: http://www.mercedes124.de/besold/html/oldindex.html


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            • #6
              Estailero / Santa Catarina / Südbrasilien

              Wenn du ziemlich genau das was du möchtest haben willst solltest du dich in Estailero nahe Balnéario Camboriú niederlassen. Ist ein 600 Seelen Nest direkt neben einer Touristenhochburg. Vorteil: Der 2,5 km Strand ist sogar wärend der Temporada, der Hochsaison fast menschenleer und die direkte Nähe zu Camboriú (ca. 15 min mit dem BUS) ermöglicht es super einkaufen gehen zu können und z.B. ein Krankenhaus und Ärzte etc. um die Ecke zu haben.

              Ich habe dort eimal Urlaub gemacht, evtl. kannst du ja mal mit der Mitarbeiterin vor Ort Kontakt aufnehmen. Der Varanstalter hieß Abenteuerteam.com, die Mitarbeiterin (Nicki) und mehr Infos findest du unter "Standorte - Estailero".
              Also ich werde dort später mal hin auswandern ...

              Hoffe ich habe dir geholfen ...

              LG Echse

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